06.05.2018 - 15:48 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Neue Sonderausstellung über Dreißigjährigen Krieg Kriegswirren vor der Haustür

Die schrecklichen Ereignisse liegen 400 Jahre zurück, doch noch immer sprechen Historiker von der "deutschen Ur-Katastrophe": Den Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs im Jahr 1618 nimmt das Schwarzachtaler Heimatmuseum zum Anlass für eine Sonderausstellung, die auf Ereignisse vor Ort blickt.

Museumsleiter Theo Männer zeigt den Merian-Stich mit der Belagerung Neunburgs im Dreißigjährigen Krieg. Pikenierrüstung und Kanonenkugeln verschiedenen Kalibers zählen unter anderem zu den Exponaten der neuen Sonderausstellung, die am Mittwoch eröffnet wird. Bild: Mardanow
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Eröffnet wird die Präsentation "Dreißigjähriger Krieg in Neunburg vorm Wald" an diesem Mittwoch, 9. Mai, um 18 Uhr im Museum. Gegenüber Oberpfalz-Medien erläutert Museumsleiter Theo Männer, dass die allgemeinen Ereignisse dieses Konflikts um Macht und Religion dabei zwar nicht ausgespart bleiben, die besondere Betonung aber auf Ereignisse und Begebenheiten vor Ort liegt.

Waffen und Kanonenkugeln

Für die Ausstattung der Sonderschau griff das Museum auf Exponate aus der Militaria-Abteilung zurück und reicherte sie um neue Dokumente und weitere Ausstellungsstücke an. Hingucker sind unter anderem verschiedene Stangenwaffen, ein sogenannter "Halber Harnisch" und eine Pikenierrüstung sowie Kanonenkugeln aus Granit und Gusseisen.

Stich zeigt Belagerung

Die Vitrinen sind nach verschiedenen Aspekten zu diesem von 1618 bis 1648 dauernden Konflikt aufgebaut. Der Besucher begegnet den Abbildern bedeutender Feldherrn wie Johann T'Serclaes von Tilly, Philipp von Mansfeld und Albrecht Wenzel von Wallenstein. Ein Kupferstich von Merian zeigt sehr detailreich die Belagerung Neunburgs durch kaiserliche und bayerische Regimenter am 21. März 1641. Die Schrecken und Gräueltaten des Krieges verdeutlichen Radierungen des aus Kaufbeuren stammenden Hans Ulrich Franck. Aber auch Dokumente mit Listen von Geschützen und Munition zeigt die Ausstellung. Eine Rolle spielt auch das "Schwedenkreuz" in der Ledererstraße, das angeblich für einen gefallenen Offizier errichtet worden war.

Doch nicht nur Krieg und Gewalt regierten in dieser Zeit, "paradoxerweise blüten auch Bildung und Wissen", so Männer. Dies belegt die Vitrine "Gelehrte, Literaten und Landrichter", in der unter anderem an den aus Neunburg stammenden Alchimisten und Chemiker Johann Agricola (Verfasser des Werks "Chymische Medizin") oder den Journalisten und Schriftsteller Georg Greflinger erinnert. Letzterer verfasste das Werk "Der Deutschen Dreißigjähriger Krieg". Auch die ab 1620 eingeleitete Gegenreformation bleibt in der Ausstellung nicht ausgespart. Kurfürst Maximilian sandte damals Jesuiten und Paulaner aus, um das Land wieder "katholisch zu machen". Auch Franziskaner kamen später nach Neunburg.

Für die Konzeption der aktuellen Sonderausstellung zeichneten Theo Männer und Karl-Heinz Probst verantwortlich, Umsetzung und Aufbau lagen in den Händen des Arbeitskreises Museum. Zur Eröffnung am Mittwoch wird Bürgermeister Martin Birner die Gäste begrüßen, danach folgt eine Einführung in die Thematik durch Museumsleiter Männer. Den musikalischen Rahmen liefert eine Bläsergruppe der Stadtkapelle. Am Mittwoch, 13. Juni, wird ein Vortrag von Peter Pauly die Thematik zusätzlich vertiefen: Ab 18 Uhr rückt er das Leben und Werk des erwähnten Georg Greflinger in den Mittelpunkt. Dieser war damals selbst Opfer des großen Krieges: Der Hof seiner Familie "an der Asch" vor den Toren Neunburgs war 1625 durch katholisch-bayerische Soldaten niedergebrannt worden. Seine Eltern und Geschwister starben beim Überfall.

Öffnungszeiten

Die Eröffnung der Sonderausstellung läutet die Saison im Schwarzachtaler Heimatmuseum offiziell ein. Dann ist wieder regelmäßig geöffnet: Mittwoch von 14 bis 17 Uhr sowie sonntags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr. Die Sammlung kann aber auch nach Vereinbarung unter Telefon 09672/4183 oder 9208421 sowie per E-Mail museum-neunburg[at]gmx[dot]de besichtigt werden. (mp)

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