"Play Luther" eröffnet Kunstherbst

In dieser Spielszene aus "Play Luther" stehen sich die Hauptakteure Lukas Ullrich (links) und Till Florian Beyerbach gegenüber. Bild: Joris Haas
Kultur
Neunburg vorm Wald
25.08.2017
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Das musikalische Theaterstück "Play Luther" eröffnet in Kombination mit der Kunstprozession "Ahoj 17 - Glaube und Kunst" am 16. September den Neunburger Kunstherbst. Kunstverein "Unverdorben" und Kirchengemeinde sind Kooperationspartner, gefördert vom Deutsch-tschechischen Kulturfonds und unterstützt von der Evangelischen Landeskirche.

Menschlich, ohne Heiligenverehrung, als spannende Persönlichkeit bringt das Ensemble "Eure Formation" den deutschen Reformator auf die Bühne der Schwarzachtalhalle. Die 500 Jahre alten Lieder Martin Luthers interpretieren sie mit E-Piano und Schlagzeug neu, die Texte sind original und gewinnen durch die musikalische Interpretation an aktueller Dringlichkeit.

Geschichtsstunde

"Play Luther" ist eine unterhaltsame Geschichtsstunde mit Querbezügen zur Gegenwart und einem Nachhall zum Nachdenken. Die Schauspieler Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach zeichnen in 90 Minuten ein vielschichtiges Bild Martin Luthers. Spielerisch und häufig mit Augenzwinkern stellen sie Momente aus dem Leben des Reformators vor. Autor und Dramaturg des Stückes ist der Theaterfachmann und Kirchenkenner Uwe Hoppe. Die musikalische Leitung übernahm der Musiker Adrew Zbik.

Zwei Ebenen und eine musikalische Brücke bilden den Rahmen des Theaterstücks. Eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Moderation über die Evangelische und Katholische Kirche unter mittelalterlichen und gegenwärtigen Aspekten bildet die erste Ebene. Mit Fragen wie "Was ist der Ablasshandel unserer Zeit?" oder "Wie Luther wohl heute reagieren würde?" wird der Zuschauer dazu angeregt, sich und seine eigene Haltung zu überdenken.

Im szenischen Spiel, die zweite Ebene, werden Momente aus Luthers Leben nachgespielt, wie beispielsweise das Stotternheim-Erlebnis und der daraus resultierende Entschluss, Mönch zu werden, der Reichstag zu Worms, Luther als Junker Jörg auf der Wartburg und die damit verbundene Bibelübersetzung. Aber es gibt auch nicht geschichtlich belegte Szenen wie zum Beispiel das Treffen Luthers mit dem Anführer des gewaltbereiten Bauernaufstandes, Thomas Müntzer.

Ausgewählte Lutherlieder wurden zeitgemäß in unterschiedlichen Stilrichtungen wie Elektropop, Raggae oder als Volkslied vertont. Dabei treffen moderne Instrumente auf Luthers Originaltexte. Die Musik will damit einen neuen Zugang für alle zu Luthers Sprache schaffen. Luther-Kenner finden manch weniger bekanntes Lied neu gewürdigt, und bei Luther-Neueinsteigern erleichtern die eingängigen Melodien die Auseinandersetzung mit den Texten. Das Bühnenbild besteht aus Dreiecken, es symbolisiert die Dreifaltigkeit. Im Laufe des Stückes setzen sich diese Dreiecke zu einem kuppelartigen Gebäude zusammen. Ein stetig wachsender, sich verändernder Raum entsteht. Dieser stellt Luthers sich nach und nach entwickelnde Glaubenswelt dar und weiterführend die Kirche, die sich im stetigen Wandel befindet.

Dass "Play Luther" im Gedenkjahr "500 Jahre Reformation" auf eine Tournee quer durch die Bundesrepublik auch in der Pfalzgrafenstadt Station macht, ist einer Initiative von Pfarrer Gerhard Beck zu verdanken. Nachdem sich die kleine evangelische Diasporagemeinde außerstande sah, die Kosten dieses Theatervorhabens allein zu schultern, kam der Neunburger Kunstverein "Unverdorben" ins Spiel. Deren Vorstandsteam mit Vorsitzender Beate Seifert, Geschäftsführer Peter Wunder und Kunstherbst-Koordinator Karl Stumpfi machte sich Gedanken, wie man "Play Luther" fördertechnisch in ein weiterführendes Kulturprojekt integrieren könnte.

Kunstprozession

Dazu bot sich ein Schulterschluss mit der alljährlichen bayerisch-böhmischen Herbstausstellung an. Die Konzeption sah schließlich vor, die Kunstprozession "Ahoj 17" unter den Leitgedanken "Gemeinsame Wege in Glaube und Kunst" zu stellen: mit insgesamt rund 20 Kunststationen, beginnend in der evangelischen Versöhnungskirche und unter Einbeziehung weiterer Sakralräume und Kirchengebäude der Innenstadt.

"Endstation" sollte die Schwarzachtalhalle mit einer Aufführung von "Play Luther" sein, die bildende Kunst sozusagen in die darstellende Kunst übergehen.

Schauspieler Lukas Ullrich und Till Florian BeyerbachProtagonisten des Ensembles "EuReformation" sind die Schauspieler Lukas Ullrich und Till Florian Beyerbach. Ullrich (Jahrgang 1979) absolvierte das Schauspielstudium von 1998 bis 2002 an der Akademie für darstellende Kunst Ulm, ab 2007 im Filmschauspieler-Workshop an der Filmakademie Ludwigsburg.

Aus dem Fernsehen ist der vielseitige Theatermann unter anderem durch die Krimi-Serie "Soko Stuttgart" bekannt geworden. Beyerbach studierte von 1999 bis 2003 an der Akademie für darstellende Kunst in Ulm. Seit 2014 ist er Gründungsmitglied von "EuReformation" und tourt seither mit "Play Luther" durch Deutschland. Auch Beyerbach ist an Theaterbühnen engagiert und wirkt außerdem in diversen TV-Produktionen mit.

Der Kartenvorverkauf hat bereits begonnen. Tickets für 15 Euro (freie Platzwahl) können online über www.okticket.de (Stichwort: Play Luther) gebucht oder bei den örtlichen Vorverkaufsstellen erworben werden. Ermäßigte Eintrittskarten für zehn Euro werden an die Teilnehmer vor Beginn der Ahoj-17-Kunstprozession ausgegeben. Zeitlicher Ablauf: Samstag, 16. September, 17 bis 17.45 Uhr Einführung in die Internationale Herbstausstellung "Ahoj 17 - Glaube und Kunst" mit Vorstellung der mitwirkenden Künstler in der evangelischen Versöhnungskirche; anschließend erfolgt die Kunstprozession durch die Vorstadt und Altsstadt mit kurzem Sektempfang im Kunstquartier, Im Berg 7, dann weiter zur Schwarzachtalhalle.

Saalöffnung um 19.30 Uhr, Beginn des musikalischen Theaterstücks "Play Luther" um 20 Uhr, Ende gegen 21.45 Uhr (mit Pause). (exb)
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