09.07.2017 - 13:46 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Premiere "Vom Hussenkrieg" "Geschichte, aus der man lernen könnte"

Das Neunburger Volksschauspiel "Vom Hussenkrieg" ist mehr als Schlachtengetümmel und Kriegsleid. Es greift mit dem spätmittelalterlichen Thema grundsätzliche Fragen bei der Bewältigung unterschiedlicher politischer und religiöser Ansichten auf.

Am Pfalzgrafenhof und bei den Bürgern von Neunburg treffen die bedrohlichen Nachrichten von den immer häufigeren Einfällen der Hussiten in der Oberpfalz ein. Bild: Georg Lang
von Georg LangProfil

Seit 35 Jahren lässt der Neunburger Festspielverein die Hussitenschlacht von Hiltersried aufleben. "Noch in 600 Jahren wird man von dieser Schlacht reden!", meint der Chronist Ott Ostmann (Georg Schmid), der im Spiel in mehrfacher Hinsicht eine bedenkenswerte Rolle einnimmt und dem man aufgrund seines authentischen Liedes über diesen Kampf historische Informationen verdankt.

Behutsamer Umgang

Mit der Geschichte gehen Autor Peter Klewitz, der 2014 bei einem Unfall ums Leben kam, und Regisseur Nikol Putz ganz behutsam um. Die Hussiten, die in der Zeit um 1433 plündernd und raubend in der Oberpfalz einfallen, sind im Neunburger Volksspiel, das am Samstag Premiere hatte, nicht die Bösewichter früherer Darstellungen, sondern man achtet auf historische Ausgewogenheit.

Der Kampf im ausgehenden Mittelalter beginnt mit erfolglosen Zügen des Reichsheeres gegen die Rebellion in Böhmen, die sich gegen Katholiken und Deutsche richtet. Im Spiel verweist der junge Zenger Tristram (Bruno Spitzhirn), der nach der Schlacht von Deutschbrod bei den Hussiten bleibt, auf die Mitschuld des Reiches und mancher katholischer Geistlicher. Sie haben ihre religiösen Gebote missachtet und die reformatorischen Aktivitäten von Jan Hus erst hervorgerufen. Letzterer tritt übrigens auch im Neunburger Spiel auf, wenn rückblickend seine Verbrennung als Ketzer in Konstanz (1415) dramaturgisch beeindruckend in Szene gesetzt wird.

Stempel aufgedrückt

Die Gespaltenheit der Neunburger Geistlichkeit kommt durch den fanatischen Pfarrer Mockel (Richard Kozlowski) und den versöhnlichen Niedermuracher Kaplan Schmalzhaffen (Manfred Gräßl) zum Ausdruck. Beide sterben nach der Schlacht von Hiltersried, treten aber als Schwerstverletzte auf dem Schlachtfeld bis zu ihrem Tod für ihre gegensätzlichen Positionen ein. Die hussitische Wagenburg von Hiltersried, Schlachtengetümmel, Feuerfontänen, Brandpfeile und Donnerschläge prägen das Spiel "Vom Hussenkrieg". Die Not der Bürger, die abwägende Haltung des Neunburger Bürgermeisters (Alfons Leitl) mit seinem Stadtrat und der im höchsten Maße geforderte Pfalzgraf (Peter Pauly) mit seiner Gattin Beatrix (Beate Seifert) treiben das faszinierende Geschehen dieses historischen Volksschauspiels voran, dem in den zurückliegenden 21 Jahren der Regisseur Nikol Putz aus Hamburg seinen Stempel aufgedrückt hat.

Putz, der aus der Wiener Schauspielerdynastie von Hans Putz stammt, inszeniert heuer das Festspiel zum letzten Mal. Er baute einst in Absprache mit dem Autor Peter Klewitz in verdienstvoller Weise die geschichtsphilosophische Grundsatzfrage in das Stück ein: "Geschichte aus der man lernen könnte ... Lernen wir aus Geschichte?"

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