04.05.2018 - 20:00 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

"Vogelmayer" begeistert in der Alten Seilerei Facettenreicher Auftritt

"Dahoam" heißt das vierte Programm des Musik-Kabarettisten Thomas Mayer, der sich den Künstlernamen "Vogelmayer" zugelegt hat. Bei seinem Auftritt in der Alten Seilerei begeistert er als Gesellschaftskritiker, Wortverdreher und Musiker mit Tiefgang.

Der Kabarettist und Sänger "Vogelmayer" begeisterte das Publikum in der "Alten Seilerei". Bild: weu
von Udo WeißProfil

Der Kabarettist aus Mitterfels bei Straubing hat über Kontakte zu Kulturreferent Karl Stumpfi nach Neunburg gefunden. Die Alte Seilerei bewährte sich dabei erneut als Veranstaltungsort für Kleinkunst. In einer unterhaltsamen Mischung aus Gesellschaftskritik, die besonders in seinen Liedern zutage trat, Heimatverbundenheit, Witzen und Wortverdrehungen begeisterte Thomas Mayer das handverlesene Publikum von Anfang an. Er trat in den Dialog mit den Gästen, was ihn sofort sympathisch machte.

Ob Seehofer ("Den haben's entführt und verlangen eine Million Lösegeld, sonst lassen sie ihn wieder frei") oder Strauß ("Nach dem Kopf kommt gleich der Körper"), keiner kam ungeschoren davon. Aber auch der kleine Mann bekam sein Fett weg ("Mein Mann ist deprimiert." "Meiner ist auch ein Depp, aber prämiert ham's ihn no ned."). Ostdeutsche, Bayern und Österreicher standen ebenfalls in der Schusslinie des "Vogelmayer". So könne man aus einer Banane einen Kompass machen, indem man sie auf eine Mauer legt. Wo abgebissen werde, sei der Osten. Ein Bayer sah er als "gescheiterten Versuch", aus dem Österreicher einen Deutschen zu machen.

"Is mei Dialekt kompatibel mit eurem?", fragte der Niederbayer und zog über die typisch Oberpfälzer Bedienung beim Oktoberfest her: "einen Meter vierzig breit, und ihr Schatten wiegt schon 50 Kilogramm." Ob der Automat für den "Coffee to go" wirklich den Zettel "Jetzt auch zum Mitnehmen" brauche und ob das Motto des Schützenvereins, "Schießen lernen - Freunde treffen" passend sei, stellte er in den Raum. Das Publikum jedenfalls bog sich vor Lachen, da Vogelmayer einen Witz nach dem anderen zündete. Auch die Wirtsleute der Seilerei mussten sich die Frage stellen lassen, ob sie Kannibalen seien, stehe doch auf einem Schild "Suchen ältere Frau zum Kochen".

So "vogelwild" der Kabarettist in seinen scharfzüngigen Texten und bissigen Wortwitzen auch ist, seine Lieder haben Tiefgang. In "Vogelmayer 1,2,3, jetzt geht's auf" besang er die fehlenden Werte der Gesellschaft und eine Welt, in der Kinder verhungern und mit Waffen Geschäfte gemacht werden. Um "Geld, das wichtigste auf der Welt" ging es in einem Rap, dessen Refrain die Zuschauer mit "Uh, ah" ergänzten. Dabei seien doch das Lachen mit Freunden, das Tanzen, die Geborgenheit und Liebe viel wichtiger - und ganz ohne Geld zu haben, sang Vogelmayer. Die Liebe zur bayrischen Heimat, zu Bier, Lederhosen und dem Fensterln, kam im Titelsong "Dahoam" zur Sprache. Nach zwei Stunden verabschiedete sich der "Vogelmayer" mit der Gewissheit: "Wennst du's in Neunburg geschafft hast, dann hast du's überall geschafft."

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