25.04.2007 - 00:00 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Berufsverbot gegen Neunburger Mediziner aufgehoben - Aus Existenzangst Behandlungen erfunden Richter geben Arzt zweite Chance

Existenzängste sind eine weit verbreitete Krankheit. Dass diese selbst vor Ärzten nicht halt macht und eine Fehlbehandlung verheerende Folgen haben kann zeigte der "Fall" eines Neunburger Mediziners, der vor dem Verwaltungsgericht Regensburg verhandelt wurde - die Regierung der Oberpfalz wollte ihm seine Approbation entziehen.

von Autor AHSProfil

Die immer weniger werdenden Einkünfte des frei praktizierenden Arztes und Familienvaters bereiteten diesem nicht nur schlaflose Nächte und Albträume. Schließlich fiel er in ein tiefes Loch. Um dem Teufelskreis entfliehen zu können vertraute er sich jedoch keinem Berufskollegen an, sondern verordnete sich selbst Medikamente. In seiner vermeintlichen "Not" verschaffte er sich überdies eine zusätzliche Einnahmequelle. Gegenüber zwei Krankenversicherern erfand er diverse Behandlungen von Familienmitgliedern, die er mit etlichen Tausendern abrechnete.

Für Berufsstand "unwürdig"

Als die Geschichte aufflog landete der Mediziner vor dem Strafrichter. Dieser zeigte Verständnis für die "Ausnahmesituation" des Mannes und verurteilte ihn zu einer ausgesprochen milden Bewährungsstrafe von zwölf Monaten. Weit weniger Verständnis hatte man bei der Regierung der Oberpfalz. Hier sah man das "Vertrauensverhältnis Arzt - Patient" gestört und der Mann sei überdies "unwürdig", diesem Berufsstand anzugehören.

So flatterte dem Mediziner ein entsprechender Bescheid ins Haus, wonach ihm die Approbation entzogen werden sollte. Dieser erhob beim Verwaltungsgericht Klage und dies, um es vorweg zu nehmen, mit Erfolg. Nachdem bereits vor Jahresfrist ein Fach-Berufskollege in seinem Gutachten festgestellt hatte, dass der Mediziner "aus psychischer Sicht geeignet" ist, seinen Beruf weiterhin auszuüben konzentrierte sich die Aufsichtsbehörde nunmehr auf die strafrechtlich relevante Seite.

Um den angestrebten Entzug der Zulassung zu untermauern wurden das Gutachten, wie auch das Urteil des Strafrichters in der mündlichen Verhandlung regelrecht "seziert". Der sich daraus ergebende Disput mit dem Richterkollegium verdeutlichte, dass die verklagte Regierung hier bei den Gesetzeshütern auf wenig Gegenliebe stieß. Immerhin - so die Richter - habe sich die strafrechtliche Verfehlung auf Abrechnungen unter Familienangehörigen beschränkt, sei der Schaden wieder gutgemacht worden und habe sich der klagende Arzt sonst keiner weiteren Straftaten schuldig gemacht.

Weiter praktizieren

Damit darf der Arzt weiter praktizieren und seinen Patienten helfen, wieder "auf die Beine zu kommen" - und vielleicht hilft ihm auch diese Entscheidung, seine eigenen Ängste um seine Existenz und die seiner Familie zu überwinden.

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