31.01.2004 - 00:00 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Bürgermeisterin Gückel: "Verantwortung liegt nun bei uns" - Grundversorgung weiter sichern: Stadt springt in die Klinik-Bresche

Das Tauziehen geht weiter: Ein Konzept muss her, mit dem das Krankenhaus nach der umstrittenen Strukturentscheidung auch in Zukunft eine sichere Basis hat. Gespräche laufen, doch: "Um Hoffnungen zu schüren ist es noch zu früh", so Zweite Bürgermeisterin Johanna Gückel beim Jahrespressegespräch der CSU.

von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Jetzt muss Neunburg einspringen, wo der Landkreis versagt hat - diese Meinung klang bei der Gesprächsrunde durch. "Die Verantwortung für eine weitreichende Gesundheitsversorgung liegt nun bei der Stadt", unterstreicht Gückel. Denn von Seiten des Landrates fehle es immer noch an einem schlüssigen Konzept, ergänzt Ortsvorsitzender Hans Fischer. In der Pfalzgrafenstadt gelangen zumindest schon einmal erste Erfolg versprechende Ansätze: So bestehe die Chance, für die Zeit nach der Umwidmung, einen chirurgischen Facharzt an Land zu ziehen.

Ohne Partner geht's nicht

Doch helfen sämtliche Bemühungen nichts, wenn es an der Unterstützung fehlt. Daher werden viele Partner im Boot benötigt, einschließlich der Krankenkassen. Im Detail war den Mandatsträgern aber nichts zu entlocken, wohl auch um die laufenden Verhandlungen nicht zu gefährden. Aktuell sei es noch zu früh, Hoffnungen zu wecken. Nur so viel: "Wir arbeiten an einem Konzept, dass die medizinische Grundversorgung auch in Zukunft ermöglicht."

Hans Fischer würdigte den aufopferungsvollen Einsatz der Neunburger um ihre Klinik. Im Zusammenwirken aller politischen Kräfte und Bürger sei so ein "Neunburg-Bewusstsein" und eine "Kultur des Zusammenhaltens" entstanden. Bei aller Trauer und Entsetzen über den verhängnisvollen Beschluss des Kreistages bleibe hier zumindest ein positiver Aspekt hängen.

"An diesem ,schwarzen Montag' wurde das Kreisbewusstsein zunichte gemacht", glaubt Johanna Gückel. Denn Landrat Volker Liedtke habe bewusst Teile der Bevölkerung gegeneinander ausgespielt. Als Folge davon befürchtet die zweite Bürgermeisterin bei den nächsten Kommunalwahlen in vier Jahren eine große Politikverdrossenheit. Und die Neunburger sind sauer auf den Landkreis: "Mich haben wirklich Leute gefragt, ob es keine Möglichkeit gäbe, aus diesem Landkreis auszutreten", berichtet Johanna Gückel.

Der Beschluss vom 24. November habe einen großen Scherbenhaufen hinterlassen, war Landtagsabgeordnete Marianne Deml überzeugt. Auf die Zerschlagung Neunburgs sei jahrelang hingearbeitet worden. "Die Chance zu mehr Kooperation wurde verpasst", rief Deml das Modell der CSU mit einem "Nord-Klinikum" in Erinnerung. Diese Lösung sei auch mit Sozialministerin Christa Stewens besprochen worden. Die knappe Niederlage im Kreistag sei "ein Fiasko" für die Stadt.

Zu leicht gemacht

"Die Erwartungshaltung war höher als das, was herausgekommen ist", berichtete Fischer aus der Sitzung des Verwaltungsrates der Krankenhaus-Gesellschaft am Donnerstag. Der Kreisrat äußerte, dass der Beschluss vom 24. November bereits eine Woche später ins Wanken geraten sei - hervorgerufen durch die Kündigung des Nabburger Internisten Dr. Michael Liebrich. Die Marschroute "Machen wir Neunburg dicht und dann ist es eigentlich ganz leicht" - habe man sich zu einfach vorgestellt. Fischer: "Da ist ein Krieg begonnen worden, der nun nicht mehr zu beenden ist."

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