20.10.2004 - 00:00 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Erzbischof Louis Sako aus dem Irak erzählt über das Leben in seiner Heimat "Der Friede ist noch nicht da"

von Michaela Lowak Kontakt Profil

Als die zwölfminütige Power-Point-Präsentation mit einer orientalischen Melodie endete, wippte Erzbischof Louis Sako den Takt mit dem Fuß mit. Der Geistliche, der aus dem Irak stammt, machte einen lebenslustigen, sehr weltoffenen Eindruck. Momentan ist der Erzbischof zu Gast in der Diözese Regensburg und bereitet den Weltmissions-Sonntag mit vor. Um Land und Leute besser kennen zu lernen, besuchte Louis Sako verschiedene Pfarreien in der Region.

Am Dienstagvormittag durften die zehnten Klassen der Gregor-von-Scherr-Realschule dem Erzbischof Fragen stellen. "Ihr seid die Zukunft der neuen Welt", sagte der Erzbischof zu Beginn zu den Schülerinnen und Schülern. Mal in Englisch, dann wieder auf Deutsch erzählte Louis Sako von den Problemen in seiner Heimat. Dennoch unterstützte ein Dolmetscher den sprachgewandten Geistlichen.

"Unsere Art zu leben ist anders als hier", sagte er. "Wir können ohne die Familie nicht sein." Der Erzbischof berichtete von den 15 Jahren, in denen Saddam Hussein an der Macht war. "Alles ist kontrolliert worden, die Menschen waren Sklaven." Heute fühlten sich die Leute zwar frei, aber es sei wegen der mangelnden Sicherheit immer noch schwierig. "Der Krieg hat zwar aufgehört, doch der Friede ist noch nicht da." Die Bevölkerung hoffe auf ein neues Irak, möglichst mit der Hilfe von Europa. "Wenn es gelingt, ein demokratisches Modell aufzubauen, würde dies auch unserer Nachbarländern helfen. Schaffen wir das nicht, bekommen die Fundamentalisten mehr Macht. Das wäre eine Katastrophe für uns und die ganze Welt." Zu Abschluss der Fragestunde rief Erzbischof Louis Sako die Schülerinnen und Schüler zum stillen Gebet auf.

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