02.02.2004 - 00:00 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Scheitinger: "Verbraucher sind weiterhin verunsichert" - Neujahrsempfang der Gewerbetreibenen Einzelhandel verliert weiter an Boden

Der Neujahrsauftakt der "Selbständigen" und des Gewerbeverbandes hat sich zum festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens etabliert. Er zeigt das gute Miteinander der Geschäftsleute und wirtschaftlichen Leistungsträger mit den politischen Mandatsträgern auf und ist zu einem gewissen Stimmungsbarometer, jeweils in den ersten Tagen eines Jahres geworden.

von Christof FröhlichProfil

Der Vorsitzende des Vereins "Die Selbständigen", Peter Scheitinger, eröffnete die mittlerweile vierte Veranstaltung dieser Art. Der Neujahrsauftakt, führte er aus, sei ein Begriff, der am Beginn eines neuen Jahres stehe, bei dem gute private oder geschäftliche Vorsätze gefasst werden, neue Ziele definiert und Unerledigtes angepackt werden sollen.

Oft falsche Hoffnungen

In einem Streifzug durch das Jahr 2003 machte Scheitinger deutlich, dass einmal mehr durch die Politik viele Hoffnungen geweckt, die Realität aber eine ganz andere Sprache gesprochen hat. Viele Mitglieder dürften sich bei diesen Worten an die umstrittene Aldi-Aussiedlung ins Industriegebiet erinnert haben. Eigentlich hätte der Umzug der Norma vor ein paar Jahren schon eine Ausnahme bilden sollen.

Scheitinger zeigte sich skeptisch, ob der wirtschaftliche Niedergang im Einzelhandel die Talsohle durchschritten habe. Umsatzeinbußen von neun Prozent in 2003 gegenüber dem Vorjahr seien fast nicht mehr zu toppen. Meldungen im November von einer anziehenden Weltkonjunktur und eine Vielzahl von Sonderangeboten ließen die Erwartungen des Einzelhandels wieder steigen, fanden jedoch nicht den Glauben der Verbraucher und konnten über das Jahr gesehen, Umsatzrückgange nicht verhindern.

Bei näherer Betrachtungsweise, so Scheitinger, sei festzustellen, dass bei guten Umsätzen der Discounter und Warenhäuser vor allem der selbständige, mittelständische Einzelhandel wieder weiter an Boden verloten habe. 4500 Händler gingen in Insolvenz.

Wettbewerb wird schärfer

Auch die Aussichten bleiben eher verhalten: "Die Verbraucher sind nach wie vor verunsichert und die Sparquote ist in den letzten Monaten von 10,2 auf 10,6 Prozent angestiegen." Ob die Steuerreform das Konsumverhalten anregen wird, müsse sich erst zeigen. Der Einzelhandel erwarte bestenfalls eine schwarze Null im Umsatz, der Wettbewerb verschärfe sich deshalb zusehends. Auch Verkaufsflächen in der Innenstadt gingen zurück und würden an den Stadtrat verschoben. Die Folge: Attraktivitätsverlust der Innenstadt und damit auch für kleine und mittlere dort ansässigen Betriebe. Der Kaufkraftabfluss aus den Innenstädten löse vielerorts ein Defizit an urbaner Lebensqualität aus.

Leider müsse aber auch auf viele nicht verwirklichte Visionen aus dem Stadtmarketingprozesses hingewiesen werden, mahnte Scheitinger. Gerade imageblidende Maßnahmen wie Altstadtfest und Christkindlmarkt konnten wieder nicht realisiert werden. Die weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Beach- Party wurde in Frage gestellt. Die vernichtende Nachricht zum Jahresende, dass das Krankenhaus in Neunburg geschlossen werde, tat ihr Übriges.

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