03.06.2004 - 00:00 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

"Urlaub auf dem Bauernhof" noch attraktiver - Vermieter bauen "Hotel für Wildbienen" In den Ferien die Natur erleben

Das laute Surren war nicht zu überhören. Obwohl Ferien sind, ging's am Dienstag in der Holzwerkstatt des Berufsbildungszentrums rund. 16 Frauen und Männer spannten Holzstücke in Schraubstöcke und bearbeiteten die Klötze mit ihren Bohrmaschinen.

von Michaela Lowak Kontakt Profil

Unter der Anleitung von Robert Liegl vom Forstamt Neunburg lernte die Gruppe an diesem Nachmittag Nisthilfen für Insekten anzufertigen. "Wir bauen Insektenhotels" lautete der offizielle Titel des Kurses, der zu einem fünftägigen Seminar des Landwirtschaftsamtes Schwandorf/Nabburg gehört. Damit soll das Angebot von "Urlaub auf dem Bauernhof" noch qualifizierter werden. Die Gesamtorganisation des Seminars hatte Annemarie Frank von Landwirtschaftsamt.

Unterhaltsamer Vortrag

Die Vermieter kamen nicht nur aus dem Landkreis, sondern auch aus dem Raum Amberg, Cham, Weiden, Tirschenreuth und Regensburg. Doch bevor der praktische Teil anstand, referierte der Neunburger Forstmann auf äußerst unterhaltsame Art und Weise über das Leben der Wildbienen. Sie sind es nämlich, die überwiegend die Nisthilfen in Anspruch nehmen und teilweise sogar darauf angewiesen sind. "Die Wildbiene braucht jede Unterstützung von uns", sagte Robert Liegl. 40 Prozent der Tiere sammeln alles, 60 Prozent dagegen haben sich auf bestimmte Pflanzen spezialisiert und sind damit sehr wichtig für deren Fortbestehen.

Die "Solitärbienen" unter ihnen (Einsiedlerbienen) gründen niemals Völker und leben nur eingeschränkt mit Artgenossen zusammen. Jedes Weibchen sorgt nach der Befruchtung alleine für Nachwuchs, indem es Eier in einer artspezifischen Höhlung ablegt, sie mit Nahrung für die ausgeschlüpften Larven versorgt und die Höhle dann verschließt. Wenn mehrere Weibchen derselben Art dies an derselben Stelle tun, so kooperieren sie meist nicht, sondern finden nur wegen der günstigen Nistgelegenheit zusammen.

Der Name "Wildbiene" sollte jedoch nicht missgedeutet werden. "Die Tiere sind nicht aggressiv, sie stechen nicht und sind deshalb auch für Kinder nicht gefährlich", erklärte Liegl. Die Nisthilfen können aus Holz, Lehmziegeln oder aus Schilf gebaut werden. Die "Bienenhotels" sollten an einem sonnigen, trockenen Platz wie zum Beispiel unter einem Dachvorsprung, einer Scheunenwand oder unterm Balkon aufgehängt werden. "Sie müssen fest hängen und dürfen nicht pendeln", so der Forstfachmann.

Bruthöhlen bohren

Um später einmal zusammen mit Urlaubsgästen eine Nisthilfe bauen zu können, erklärte Robert Liegl den Teilnehmer im Werkraum die genaue Vorgehensweise. Die Bruthöhlen können mit ganz normalen Holzbohrern gefertigt werden. Am besten sind unterschiedliche Durchmesser zwischen zwei und zehn Millimeter.

Während am Nachmittag die Nisthilfen auf dem Programm standen, erfuhren die Vermieter am Vormittag in Klardorf von Gartenfachfrau Daniela von Glasau-Kalischek Wissenswertes über die Gestaltung von Naturerlebnisräumen für Kinder. Dazu gehörte auch das Anlegen von Schwimmteichen. Drei weitere Seminartagen zu verschiedenen Themen werden in den nächsten Monaten in unregelmäßigen Abständen folgen.

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