Vortrag "Facebook - bitte, was?" bei Kolpingfamilie - Größte Gefahr durch Cyber-Mobbing
Internet kein Ort des Vergessens

Lokales
Neunburg vorm Wald
18.04.2013
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"Facebook ist für Kinder und Jugendliche ein Kommunikationsmittel wie für Erwachsene das Telefon", steht für Philipp Reich, Medienpädagoge und Leiter des Grenzüberschreitenden Jugendmedienzentrums Oberpfalz Nord, fest. Beim Vortrag der Kolpingfamilie referierte er im Pfarrheim über dieses Online-Netzwerk und beleuchtete Gefahren bei der Internet-Nutzung.

Welche Bedeutung das Internet und soziale Online-Netzwerke wie Facebook haben, stellte Reich mit einem Verweis auf den "arabischen Frühling" heraus. Ohne den Einsatz des Internets wäre es nicht zu diesen Großdemonstrationen gekommen. Dabei habe Facebook eine wichtige Rolle gespielt; von weltweit einer Milliarde Nutzern sind 22 Millionen in Deutschland registriert.

Verbote bringen nichts

Reich forderte die Eltern auf, sich mit den Internet-Gewohnheiten ihrer Kinder zu beschäftigen und eine Vertrauensbasis zu schaffen. Dadurch werden Kinder und Jugendliche ermuntert sich an die Eltern zu wenden, wenn sie etwas Merkwürdiges entdecken. Rigorose Verbote, wie "eine Woche kein Facebook!", brächten keinen Erfolg. Der Referent riet, Interesse zu zeigen und offen mit dem Kind zu besprechen, wie es sich in Facebook darstellt. Nach ausreichender Aufklärung über die Gefahren könnten junge Menschen dann auch verantwortungsbewusst damit umgehen.

Aufklärung über mögliche Gefahren sei dringend angesagt. Die Jugendlichen wüssten zwar, dass es Privateinstellungen gibt, diese würden allerdings nicht konsequent genug angewendet. "Das Internet ist kein Ort des Vergessens", betonte Reich, einmal gepostete Bilder und Daten könnten kaum mehr zurückgeholt werden. Zwar gebe es die Möglichkeit, die Sperrung oder Löschung unerwünschter Inhalten zu veranlassen, doch in der Zwischenzeit können diese Daten schon längst über andere Profile verbreitet sein. "Erst denken, dann posten!", rät Philipp Reich und betont, dass der Umgang mit dem Internet und sozialen Netzwerken erst gelernt werden müsse. Reich gab zu Bedenken, dass man im Internet nie ganz anonym sein. Auf keinen Fall sollte die eigene E-Mail-Adresse öffentlich gemacht werden. Facebook-Nutzer sollten lieber einen Spitznamen statt ihren richtigen verwenden, und auch beim Chatten vorsichtig sein. "Nie etwas Persönliches gegenüber einem Unbekannten von sich preisgeben", empfahl Reich.

Daten sind Geld wert

Für die Seitenbetreiber sind die Schüler und Jugendlichen viel Geld wert. Facebook speichere alle Daten des Surfverhaltens und verkaufe diese an Firmen weiter. Natürlich gebe es auch sichere Chaträume, aber für junge Menschen sei es wichtig, ein Profil bei dem am weitesten verbreiteten sozialen Netzwerken zu haben, und das ist momentan Facebook.

Als größte Gefahr bezeichnete Reich das Cyber-Mobbing. Was vorher im privaten Bereich, auf dem Schulhof oder dem Nachhauseweg stattfand, passiere jetzt im Netz - sichtbar für alle und meist nicht mehr rückholbar. Die Täter blieben meist anonym und nicht greifbar, das Opfer müsse die Übergriffe hilflos hinnehmen ohne Einschreiten zu können. Er empfahl, mit den Kindern über verdächtige Inhalte zu sprechen, sofort zu reagieren und bei Bedarf auch die Polizei einzuschalten. Anschließend stellte sich der Referent den Fragen und Diskussionsbeiträgen der rund 60 Interessierten
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