19.01.2004 - 00:00 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Zehn Babys lernen schwimmen - VHS-Angebot findet großen Anklang - Ab vier Monaten "Danach sind sie müde und hungrig"

Felix will nicht duschen. "Das Wasser kommt mit solcher Wucht, das macht ihm Angst", erzählt seine Mama. Kursleiterin Gabriele Schüler sieht's gelassen. "Das nächste Mal bringe ich eine Babygießkanne mit, dann geht's einfacher", beruhigt sie die Mutter. Doch Felix Tränen sind schnell getrocknet. Als er auf dem Arm seiner Mutter in das 33 Grad warme Wasser des Schwimmbeckens eintaucht, ist die Welt wieder in Ordnung.

von Michaela Lowak Kontakt Profil

Zehn Babys im Alter zwischen vier Monaten und einem Jahr lernen zur Zeit im Neunburger Hallenbad schwimmen. Das Angebot der Volkshochschule kam an. Ruck-zuck waren die Plätze ausgebucht. "Mehr als zehn sind nicht möglich", erklärt Gabriele Schüler. "Das ist zu viel Verantwortung." Die Hebamme aus Schwandorf ist ausgebildete Babyschwimmkursleiterin. "Ich leite diese Kurse seit zwei Jahren."

Nicht überfordern

Jonas ist der jüngste. Während Sonja Zimmer mit ihrem viereinhalb Monate alten Sprössling plantscht, steht der stolze Papa am Beckenrand und filmt. "Wir hatten schon Angst, das Jonas noch zu klein dafür ist", erzählt Mutter Sonja. Doch die Bedenken waren umsonst. Jonas rudert munter mit Ärmchen und Beinchen, während ihn seine Mutter durchs Wasser zieht. Trotzdem ist die Schwimmlehrerin bei ihm noch ein wenig vorsichtig: "Wir müssen aufpassen, dass wir ihn nicht überfordern", sagt sie.

Die anderen Babys lernen jeden Donnerstag etwas dazu. Sie sollen behutsam mit dem Wasser vertraut gemacht werden. Gabriele Schüler hat im Nichtschwimmerbereich kleine Entchen, bunte Würfel und Bälle verteilt. "Als Ablenkungsmanöver", sagt sie. Die Kleinen sehen das Spielzeug und wollen hinterher. Die Mütter halten ihre Kinder je nach Anweisung mit dem Achselgriff, dem Balancegriff oder dem Brustkorbgriff.

Vanessa, siebeneinhalb Monate alt, kann gar nicht genug bekommen. "Sie mag das Wasser sehr gern", erzählt Nicole Obermeier. Auch Thomas, der acht Monate alte Sohn von Ramona Gruber, ist in seinem Element. "Wenn er zuhause aus der Badewanne wieder raus soll, weint er", erzählt die junge Mami.

Insgesamt geht der Babyschwimmkurs über zehn Stunden. "Beim vierten oder fünften Mal probieren wir das Tauchritual aus", erklärt Gabriele Schüler. Um die Kinder darauf vorzubereiten, gießen ihnen die Mütter mit einem kleinen Becher immer wieder Wasser über Arme, Schultern, Rücken und Hinterkopf. "Beobachten Sie dabei ruhig die Gestik und Mimik ihres Babys", empfiehlt die Kursleiterin.

Automatischer Reflex

Tauchen ist für Kinder unter einem Jahr kein Problem. "Wenn das Wasser ihre Lippen berührt, halten Babys ganz automatisch die Luft an", sagt Gabriele Schüler. "Das ist ein Reflex, den die Kinder bis zum ersten Lebensjahr besitzen. Wenn er trainiert wird, bleibt er erhalten. Deshalb können Babys oft eher unter Wasser schwimmen, ehe sie laufen können."

"Gute Taucherin"

Nach einer Stunde im Wasser geht der zweite Kurstag zu Ende. Nicole Obermeier zieht ihrer kleinen Tochter die Schwimmwindel aus und wickelt sie in ein flauschiges Badehandtuch. "Das wird einmal eine gute Taucherin", prophezeit die Hebamme. Nicht nur den Kindern hat die Stunde im Hallenbad gut gefallen. "Mir machen diese Kurse inzwischen großen Spaß", sagt Gabriele Schüler. "Es ist schön danach zu sehen, wie die Babys müde, hungrig und zufrieden sind."

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