13.04.2018 - 16:30 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Grobkonzept für Schwarzachtaler Heimatmuseum im Stadtrat mit deutlicher Mehrheit gebilligt "Herzpatient" mit Potenzial

Für den Fachmann ist das Depot die Herzkammer des Schwarzachtaler Heimatmuseums. An dieser Schraube will er drehen, um einem Infarkt vorzubeugen. Einige Stadträte und ehrenamtliche Museumsmitarbeiter sehen einer solchen OP mit Skepsis entgegen.

Dringenden Handlungsbedarf sehen die Fachleute beim Depot des Museums - auch wenn dort schon vieles gut durchnummeriert ist und in säurefreien Kartons lagert. Museumsleiter Theo Männer (im Bild) und die ehrenamtlichen Helfer haben dafür auch viel Lob geerntet. Bild: Bugl
von Monika Bugl Kontakt Profil

Das Grobkonzept für das Schwarzachtaler Heimatmuseum stand am Donnerstagabend ganz oben auf der Tagesordnung des Stadtrats. Experte Dr. Rainer Tredt von der Firma RT-CConcepts fasste für das Gremium zusammen, was die Untersuchung der Bestände ergeben hat. Jetzt gehe es darum, zu entscheiden, wohin die Reise gehen soll, es gelte, ein enormes Potenzial zukunftsfähig zu nutzen. Dafür ist nach Ansicht von Tredt zunächst ein "Mengengerüst" erforderlich. Ins Blickfeld rückt dabei vor allem das Depot, für den Fachmann "die zweite Herzkammer des Museums".

Wie die "Tuchfühlung mit der Tradition" in Zukunft ausschauen könnte, dafür hatte bei der Stadtratssitzung Szenographin Hanna Kropp vom Büro Demirag-Architekten aus Stuttgart Beispiele parat. "Ich habe Feuer gefangen hier vor Ort, Sie haben einen einzigartigen Schatz", schickte sie ihren Ausführungen voraus. Allzu viel Didaktik sei aktuell bei den Konzepten für ein Museum passé, man setze wieder mehr auf sinnliche Erfahrungen: "Wir wollen die Lust am Schauen und Staunen zelebrieren." Die Mittel: Vereinzelung von Objekten, gezielte Lichtführung, ein gut komponiertes Groß- oder "Wimmelbild", aber auch ein Ensemble, das eine Geschichte erzählt. Auch über eine Aufteilung hatte sich Kropp Gedanken gemacht und zwecks Übersichtlichkeit Religionskultur im Erdgeschoss verortet, Alltagskultur im ersten Stock, Meilensteine der Region darüber und Bau- und Hausgeschichte eventuell im Turm. Ihr Urteil: "ein beeindruckendes Panoptikum regionaler Identität mit überregionaler Strahlkraft".

Bei allem Lob für die Sammlung sah Tredt aber auch die Notwendigkeit eines Raumkonzepts für den Patient "Museum". "Wir brauchen in erster Linie ein Grobkonzept wegen der Kostenstruktur, um Förderstellen anzuzapfen", gab Bürgermeister Martin Birner zu bedenken, "es werden einige Jahre vergehen, bis wir dann tatsächlich am Museum ankommen".

Alles umkrempeln?

Von einer paradoxen Situation sprach Museumsleiter Theo Männer angesichts der Tatsache, dass das Museum einerseits "über den Schellenkönig gelobt wird", andererseits in der Kritik steht. "Den vorgeschlagen Marsch anzutreten, das übersteigt unsere Arbeitskraft, Zeit und Fähigkeiten, wir sind keine Profis", schränkte er mit Hinblick auf den Arbeitskreis ein und zeigte sich wenig begeistert von der Geschossverteilung: "Dann ist alles Makulatur und muss umgekrempelt werden."

"Kleine Brötchen"

Erst mal "kleine Brötchen backen" und langsam "hineinwachsen" lautete die Devise des Bürgermeisters, und seine Stellvertreterin Margit Reichl stellte klar: "Für die CSU ist es wichtig, dass alle mit im Boot sind. Wir wollen die Schritte nicht ohne die Schatzhüter gehen."

Während Erich Schmid (SPD) und Florian Meier (Freie Wähler) ihre Zustimmung zum Grobkonzept signalisierten, kam aus den Reihen der CSU auch eine skeptische Stimme: Verena Binder kritisierte, dass man hier das Hauptaugenmerk aufs Depot lege, das ohnehin keiner sieht. "Die Ideen sind ja super, aber wo soll man da anfangen?" Sie war dann die einzige, die gegen die Pläne stimmte, die RT-CConcepts für ein Sammlungskonzept und ein Mengengerüst hinsichtlich des künftigen Depots 25 000 Euro einräumen. Die übrigen 18 Stadträte akzeptierten den Vorschlag Tredts als Basis für weitere Pläne.

Wir wollen die Schritte nicht ohne die Schatzhüter gehen.Stellvertretende Bürgermeisterin Margit Reichl über das neue Konzept fürs Museum

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