09.03.2018 - 16:04 Uhr
Neunburg vorm Wald

Gutachten mit Maßnahmen zur Restaurierung des Eixendorfer Stausees vorgestellt Für blauen See braucht's langen Atem

Den intakten See auf Knopfdruck gibt's nicht: Mit einer schnellen Lösung der Algenproblematik am Eixendorfer Stausee kann das Gutachten zur Seerestaurierung nicht aufwarten, erst in 20 Jahren sei eine erste Verbesserung zu erwarten. Doch auf dem langen Weg sind erste schnelle Schritte möglich.

Aktuell bedeckt eine dünne Eisschicht den Eixendorfer Stausee. Maßnahmen zur Restaurierung des von Blaualgen geplagten Gewässers sind am Donnerstag im Stadtrat besprochen worden. Bild: Mardanow
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

In einer außerordentlichen Sitzung bekam der Stadtrat das Gutachten zur Seerestaurierung vorgestellt. Auch Mitglieder von Fischereiverein, Yachtclub und Touristiker verfolgten die Ausführungen von Dr. Francis Foeckler, Geschäftsführer des Büros "Ökon" aus Kallmünz. Er rief das Ziel des Gutachtens in Erinnerung, das für den See "Maßnahmen zur substanziellen und nachhaltigen Reduktion der Algenblüte" aufzeigen sollte. Der Diplom-Biologe schilderte, dass der See einen hohen Anteil an Nährstoffen, vor allem Phosphor, aufweist, der die Blaualgen-Entwicklung begünstige. Die Schwarzach spüle pro Jahr 12,3 Tonnen Phosphor an, davon würden 2 Tonnen im See verbleiben. Weitere Einträge bescherten sechs kleinere Bäche dem See, in allen werde der maßgebliche Grenzwert überschritten, so Foeckler. Eine direkte Regelmäßigkeit der Algenblüte sei nicht zu erkennen - im Zeitraum von Mai bis Oktober sei diese in den vergangenen Jahren immer wieder einmal aufgetreten.

Phosphor "eliminieren"

Der Diplom-Biologe stellte im Anschluss ein Gesamtpaket an Maßnahmen zur Minderung des Nährstoffeintrags vor. Bewertet wurden sie jeweils auf Nachhaltigkeit, Auswirkungen auf den Schwarzach-Unterlauf, ökologische Nebenwirkungen sowie erwarteten Nutzen und Kosten. Mit Gesamtnoten von 2,4 bzw. 2,7 wurden externe Anlagen zur Phosphor-Eliminierung an See und Zufluss am erfolgversprechendsten gesehen. In Containern wird der Phosphor-Anteil des Wassers "gefällt", ehe es in den See zurückfließt. Diese Technik sei bereits erfolgreich getestet worden.

Während diese Möglichkeit in Sachen Ökologie und Nachhaltigkeit top bewertet wurde, trübten die erwarteten Kosten den Eindruck. In einer "vorsichtigen Schätzung" sprach Dr. Foeckler pro Container von 500 000 Euro Baukosten und zusätzlich 300 000 Euro jährlichen Betriebskosten. Und angesichts der Stausee-Größe würden für einen Erfolg wohl zwölf Container benötigt. In der Sitzung kritisiert wurden die landschaftlichen Auswirkungen einer solche Anlage, die sich außerhalb des Wassers befinden soll.

Für Badebereiche denkbar sei die Aufstellung von Tauchwänden (Bewertung 3,0). Dabei sollen abgetrennte See-Areale ohne Fischbesatz geschaffen werden, um darin die Entwicklung von Zooplankton zu fördern, das sich von Algen ernährt. Mit einer Note von 3,5 wurde der Bau eines Entnahmeturms bewertet, wobei der Fachmann der Meinung war, dass "ein Turm nicht reichen wird", um Algenmatten nachhaltig absaugen zu können. Und das nährstoffhaltige Wasser dürfe nicht einfach in die Schwarzach abgegeben werden. Als "Sofortmaßnahmen" regte er Flachwasserzonen mit Röhrichtanpflanzungen sowie eine Dynamisierung der Bewirtschaftung der Talsperre an (siehe Info-Element).

Erfolg braucht Zeit

Francis Foeckler bedauerte, zur Lösung nicht "das eine Ei des Kolumbus" anbieten zu können. Großer Wert sei bei den Vorschlägen auf Nachhaltigkeit gelegt worden. Und den schnellen Weg zum dauerhaft blauen See gebe es nicht: Eine spürbare Verbesserung erwarte sich der Experte bei Umsetzung der Maßnahmen nicht vor 20 Jahren.

Für Bürgermeister Martin Birner waren die vorgestellten Maßnahmen eine Basis, um den Dialog rund um den Stausee mit allen Beteiligten weiterverfolgen zu können. Stadtrat Walter Drexler (FWG) brachte den Vorschlag eines Oberflächenablaufs an der Hauptsperre als Mittel gegen den Algenteppich erneut aufs Tablett. Für Foeckler würden damit nur die Symptome bekämpft und es werde keine Verbesserung des Sees erreicht - "das Wasser wird damit nur weitergeschoben". Trotzdem plädierte der Bürgermeister dafür, diese Möglichkeit beim geplanten Bau einer Krananlage zur Öffnung des Grundablasses prüfen zu lassen.

"Ich erwarte mir schon, dass demnächst etwas am See passiert", wollte Martin Scharf (FWG) aufs Tempo drücken. Es sei "auch im Sinne des Wasserwirtschaftsamts", dass sich hier etwas tue, brachte Manuel Schlegel, Abteilungsleiter für den Landkreis Schwandorf, zum Ausdruck. Konkrete Vorhaben, die Aussicht auf Erfolg haben, könne man nun "ausplanen". Klaus Zeiser (CSU) hatte die hohen Kosten der Eliminierungsanlage im Visier. Für eine Finanzierung müsse man wissen, was bisher am Stausee mit dem Strom aus Wasserkraft verdient wurde.

Sofortmaßnahmen

Mehr Pflanzen am See

Dr. Francis Foeckler schlägt für den Eixendorfer See die Schaffung von Flachwasserzonen mit Röhricht-Anpflanzungen vor. Zusätzlich sollen Röhricht-Inseln im Stausee verankert werden. Durch die angesiedelten "höheren Wasserpflanzen" werde ein verstärkter Konkurrenzdruck auf die Blaualgen ausgeübt.

Bewirtschaftung anpassen

Auch eine "Dynamisierung der Speicherbewirtschaftung" sah der Fachmann als schnell umsetzbar an. So würde ein schnellerer Durchfluss des Wassers den Phosphor-Verbleib im See verringern. Häufige Änderungen bei Abfluss und Wasserspiegel bedeuteten Stress für die Lebewesen im Ökosystem, dieser wirke sich vor allem auf Blaualgen aus.

Allerdings dürfe diese Dynamik nicht den ursprünglichen Aufgaben der Talsperre - Niedrigwasserauffüllung, Hochwasserschutz, Schutz aquatischer Lebensgemeinschaften, beispielsweise Großmuschlen -nicht entgegenwirken. (mp)

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