15.09.2017 - 12:44 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Konzept zur Neuausrichtung des Schwarzachtaler Heimatmuseums angedacht Mit Museum in Richtung Zukunft

Das Schwarzachtaler Heimatmuseum bewahrt die Vergangenheit der Region, doch jetzt geht's um die eigene Zukunft: Der Stadtrat lässt ein Konzept zur Neuausrichtung erstellen. Der ehrenamtliche Arbeitskreis will mitarbeiten, doch es herrscht auch Skepsis.

Seit über 100 Jahren existiert das Schwarzachtaler Heimatmuseum, hier die Abteilung "Militaria". Eine Neukonzeptionierung soll den Weg ebnen, dass die Sammlung auch in Zukunft auf Interesse stößt. Bilder: Mardanow (2)
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Auslöser für diesen Schritt ist die in den nächsten Jahren geplante Generalsanierung des Neunburger Schlosses. Dabei soll das Museum vollständig im Trakt des "alten Schlosses" Platz finden, die Städtische Musikschule ins "neue Schloss" umziehen. Dies soll genutzt werden, um fürs Heimatmuseum die nächste Entwicklungsstufe zu zünden. In der Sitzung am Donnerstag brachte Bürgermeister Martin Birner dazu Ideen wie neue Medien mit Erlebnischarakter sowie spielerische Effekte und virtuelle Realität ins Spiel.

"Interessant bleiben"

An der Ausrichtung als Heimatmuseum werde sich aber nichts ändern, versicherte der Bürgermeister. Er würdigte das Engagement von Museumsleiter Theo Männer und des Arbeitskreises, die über Jahrzehnte eine bedeutende heimatkundliche Sammlung zusammengetragen haben. Das neue Konzept soll aber die Weichen dafür stellen, dass die Ausstellung auch für die nächste Generation interessant bleibt.

Museumsleiter Theo Männer verdeutlichte, dass er mit "Erstaunen und Befremden" auf diesen Tagesordnungspunkt reagiert habe. Es könnte der Eindruck entstehen, das Museum sei "ein alter Hut". Doch bei Besuchern und Fachleuten erfahre die Ausstellung regelmäßig Anerkennung. Rund 9000 Exponate umfasse die Sammlung, 35 Sonderausstellungen habe der Arbeitskreis bisher organisiert. Kein Museum in dieser Größenordnung werde ehrenamtlich geführt.

Männer charakterisierte das Heimatmuseum als "klassisches, solides Museum mit einer stimmigen, geschmackvollen und akkurat eingerichteten Sammlung". Als Manko räumte er ein, dass es ein "Schaumuseum" sei, in dem das Exponat und nicht die Inszenierung im Mittelpunkt stehe. Auch würden - so eine Kritik der Landesstelle für nichtstaatliche Museen - zu viele Ausstellungsstücke präsentiert. "Aber es fällt halt schwer, schöne Gegenstände im Depot verstauben zu lassen." Theo Männer signalisierte, dass der Arbeitskreis die Neukonzeptionierung konstruktiv begleiten werde. Zeichne sich aber eine Radikallösung ab, werde er als Museumsleiter wohl aufhören und auch der Arbeitskreis höchstwahrscheinlich wegbrechen. Nachdem er in knapp drei Jahren sein 80. Lebensjahr vollende, müsse sich die Verwaltung auch Gedanken über die künftige Personalausstattung des Heimatmuseums machen.

"Sie verfügen über eine Sammlung mit großer Bandbreite", anerkannte Dr. Rainer Tredt, unter dessen Regie das künftige Museumskonzept erstellt wird. Er ist Stadtheimatpfleger in Eichstätt und betreibt seit zehn Jahren das Büro RT-CConcepts für Ausstellungs- und Museumsplanung. In der Sitzung gab er zu verstehen, dass er bei der Neukonzeptionierung auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Museumsarbeitskreis, der Verwaltung und den Bürgern setze: "Das Projekt muss von innen heraus mitgetragen werden." In einem Workshop zum Auftakt werde der Ist-Zustand erörtert und besprochen, "wo die Reise hingehen könnte". Etwa ein halbes Jahr werde die Bearbeitung eines Grobkonzeps dauern.

"Frei denken dürfen"

Margot Weber (SPD) sah das Gutachten als nötig an, um den Fortbestand des Museums zu sichern. Martin Scharf (FW) fand es gut, dass die Erfahrungen aus dem Museumsarbeitskreis berücksichtigt werden sollen, um das Beste herauszuholen. Für einen "behutsamen Wandel" und eine "vernünftige Umgestaltung der Räumlichkeiten" sprach sich Klaus Zeiser (CSU) aus, Bewährtes sollte erhalten bleiben. Rainer Tredt bat, dass dem Arbeitskreis zugestanden werde frei zu denken: "Es darf keine Vitrine sakrosankt (unantastbar, Anm. d. Red.) sein."

Einstimmig wurde der Auftrag für das Konzept vergeben. Für eine Summe von knapp 30 000 Euro werden zunächst Bestandsaufnahme, Grobkonzept sowie der Kostenplan erarbeitet. Für das Feinkonzept verständigte sich das Gremium auf eine gesonderte Vergabe, für sämtliche Schritte errechnet sich ein Gesamthonorar von knapp 100 000 Euro.

Heimatmuseum neu positionieren

In der Stadtratssitzung skizzierte Dr. Rainer Tredt das Vorgehen für das künftige Museumskonzept. Unter anderem sollen die Schwerpunkte der Ausstellung neu definiert und Höhepunkte der Sammlung herausgestellt werden. "Museen unterliegen dem Wandel", beschrieb er, vor allem bei den technischen Möglichkeiten habe sich in den vergangenen zehn Jahren viel getan. Die künftige Marschroute soll in einem gemeinsamen Prozess erarbeitet werden. Unter anderem gelte es, das Museum im Tourismus und auf dem Bildungssektor zu positionieren, sowie verschiedene Zielgruppen gelte es im Blick zu haben. Mit Verweis auf die Technik plädierte Tredt, "moderne Medien zu nutzen, wo es Sinn macht, aber nicht allein um des Mediums Willen". Auch betriebswirtschaftliche Fragen - beispielsweise im Hinblick auf mögliches hauptamtliches Personal oder die künftige Haushaltsausstattung durch die Stadt - gelte es zu klären. "Es ist eine herausfordernde Aufgabe, die aber viel Spaß machen kann", so Rainer Tredt. Das erste Treffen kündigte er für den 4. Oktober an. (mp)

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