02.03.2018 - 15:06 Uhr
Neunburg vorm Wald

Schwarzachtaler Heimatmuseum macht sich mit professioneller Hilfe auf den Weg in die Zukunft Visionen für die Wunderkammer

Von dieser Fülle kann man zehren: Was das Schwarzachtaler Heimatmuseum zu bieten hat, besteht vor dem kritischen Auge des Fachmanns. Um die Sammlung zukunftsfähig und spannend zu machen, müssen aber einige Weichen neu gestellt werden - vor allem im Depot.

Ein Raumprogramm mit "rotem Faden" hat der Stadtrat für das Schwarzachtaler Heimatmuseum im Visier. Dafür müssen einige Weichen neu gestellt werden. Bild: Mardanow
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Wir können hier aus dem Vollen schöpfen, das Fundament könnte nicht besser sein", zog am Donnerstag Dr. Rainer Tredt vom Büro "RT CConcepts" im Stadtrat eine Zwischenbilanz. Ihn hatte der Stadtrat vor einigen Monat mit der Neukonzeption des Museums beauftragt, das künftig komplett im "Alten Schloss" untergebracht werden soll. Nun lauschten die Stadträte gespannt seiner Einschätzung, wie das Museum gut gerüstet in die Zukunft gehen kann.

Tredt nahm Bezug auf die ersten Wunderkammern aus dem 18. Jahrhundert, Vorläufer der Museen, und zeigte sich beeindruckt vom Umfang. Es handle sich hier um ein "durchaus leuchtturmmäßiges Konvolut in der Landschaft bayerischer Museen". Zwar gebe es keine hervorstechenden Einzelobjekte wie einen Rembrandt, aber "Ordentliches, von dem man zehren kann". Sein Fazit: "Das Haus ist zukunftsfähig." Das setze sich auch im Depot auf dem Dachboden fort. Der müsse aber schon aus statischen Gründen dringend entlastet werden, warnte der Fachmann. Ein "steter Klimawandel" und der "Herr Holzwurm" hätten sicher auch einen negativen Einfluss auf das dort Gelagerte, das im Zuge des Umbaus nun in eine Systematik gebracht werden soll. Gerade wegen des Holzwurms riet er zu einer "Schleusenregelung", wenn umgeräumt wird.

Restaurierungsplan

Für die Dauerausstellung gebe es aktuell ganz gute Bedingungen, was Luftfeuchtigkeit und Lichteinfall betrifft, dennoch sei ein langfristig ausgelegter Restaurierungsplan für manche Objekte sinnvoll. Was den Einsatz neuer Medien betrifft, äußerte sich der Experte kritisch zu den vorhandenen Stationen. "Acht Monitore in einem Raum, das ist zu eng", stellte er klar und fügte hinzu: "Medien sind kein Allheilmittel, um ein Museum nach vorne zu bringen." Ein großes Lob hatte Tredt für Inventar und Datenzugang übrig. Der Bestand sei gut erfasst, 95 bis 98 Prozent der Objekte registriert - allerdings mit einem Programm, das kaum kompatibel sei. Es gebe aber die Möglichkeit, die Daten in das System der Landesstelle für nichtstaatliche Museen zu überführen, so der Fachmann, der auch Zielgruppen untersucht und die Sammlung mit Lehrplänen der Schulen abgeglichen hat.

Ins Visier nahm er auch benachbarte Einrichtungen, um auszuloten, wo es Überschneidungen gibt. Eine Riesenchance stellen seiner Meinung nach künftige Querbezüge zu anderen Abteilungen im Schloss dar, beispielsweise Musikschule oder Kunstverein.

Burg ohne Barriere

Seine Vorschläge für den Umbau: ein großzügiger Eingang, barrierefreier Zugang zu allen Themen, Nutzung des Turm in ergänzender Funktion, gezielter Medieneinsatz, Schaffung von Schwerpunkten, vor allem aber eine Integration des Außenbereichs. "Das Thema Burg und Schloss zieht immer", so der Fachmann, der sich da Anknüpfungspunkte wie die Waffensammlung vorstellen kan. Sein Fazit: "Wir kriegen das hin, damit es spannend wird für die Zukunft". "Es wäre ein Schlag ins Gesicht der Ehrenamtlichen wenn es nicht weitergehen würde", gestand CSU-Stadtrat Klaus Zeiser und sah die größte Herausforderung im Depot.

Für den Erhalt dieses "Lebenswerks" sprach sich auch Margot Weber (SPD) aus und forderte für das künftige Museum feste Zugangzeiten. "Ohne Betriebkonzept gibt es ohnehin keine Fördergelder", konnte Tredt sie beruhigen. Für 12. April kündigte er einen Abschlussbericht an, dann sind auch konkrete Entscheidungen fällig.

Medien sind kein Allheilmittel, um ein Museum nach vorne zu bringen.Dr. Rainer Tredt

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