04.05.2018 - 20:00 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Apotheker Peter Kindler referiert über "Arzneimittel im Straßenverkehr": Medizin zweifelhafter Beifahrer

Etwa 20 Prozent aller Unfälle passieren unter dem Einfluss von Medikamenten. Das Thema "Arzneimittel im Straßenverkehr" rückt die Gebietsverkehrswacht mit einem Vortrag ins Blickfeld. Apotheker Peter Kindler rät zur Vorsicht.

von Autor KEIProfil

In seinem Referat bei der Jahresversammlung (NT berichtete) wies der Referent darauf hin, dass es zu dieser Thematik nur vage Erhebungen seitens der Rechtsmedizin gebe, die Dunkelziffer sei sicherlich erheblich. Untersuchungen zeigten, so Peter Kindler, dass bei etwa 20 Prozent aller Unfälle Medikamente mit der Auslöser waren. Den Anteil an Autofahrern, die 24 Stunden vor Fahrtantritt Medizin in irgendeiner Form zu sich genommen haben, bezifferte er auf rund 35 Prozent. Über 15 Prozent der auffällig gewordenen Kraftfahrer hätten Benzodiazepine oder andere Schlafmittel eingenommen. Der Apotheker betonte allerdings auch, dass nicht jedes Arzneimittel die Fahrtüchtigkeit einschränkt.

Nicht gleich losfahren

Autofahren sei Arbeit, führte Kindler aus. Ein geringer Anteil sei die mechanische Leistung, die fürs Schalten und Lenken benötigt wird. Die Hauptarbeit werde vom Gehirn erledigt. Der Referent nannte Arzneimittelgruppen, die relevante Störungen hervorrufen können - darunter Schlafmittel, Psychopharmaka, blutdrucksenkende Arzneimittel sowie Medikamente für Diabetiker. Unter anderem können Medikamente die Anpassung der Brechkraft des Auges beeinträchtigen, erhöhte Blendfähigkeit sowie Gesichtsfeldeinschränkungen (Tunnelblick), Hörverschlechterungen, Gleichgewichts- oder Kreislaufstörungen auslösen. "Eine Beeinflussung der Fahrleistung ist grundsätzlich bei keinem Arzneimittel auszuschließen", verdeutlichte Kindler. Mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln gehen Aufmerksamkeit und Beobachtungsfähigkeit zurück, ebenso sinken Reaktionsschnelligkeit und Konzentrationsfähigkeit. Er empfahl einen zeitlichen Abstand zwischen der Einnahme von Medikamenten und Fahrtbeginn.

Starke Schmerzmittel und Betäubungsmittel lösten rauschartige Zustände, Benommenheit oder Blutdruckanstieg oder -abfall aus. Nach Einnahme von Psychopharmaka steige die Reaktionszeit, der Blutdruck falle ab und die Herzfrequenz werde beschleunigt. Ergänzend warnte Kindler, Psychopharmaka niemals mit Alkohol zu mischen.

Fahrverbot bei neuer Dosis

Während der Einstellung der richtigen Dosis bei blutdrucksenkenden Arzneien sollte ein Patient nie selbst Autofahren. Schwäche, Schwindel und schlechtes Hören können auftreten und die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen. Erst wenn die Dosis passt, solle man sich wieder hinters Steuer setzen. Ganz wichtig erschien es dem Referenten, darauf hinzuweisen, dass bei Antidiabetika ein großes Risiko auf Unterzucker besteht. "Bei Präparats- und Dosiswechsel gilt immer Fahrverbot", so Kindler. Hier sollten unbedingt die Anweisungen des Arztes befolgt werden.

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