Ausstellung "Here I stand" widmet sich der Reformation und ihrem Ideengeber
Begegnungen mit Luthers Lehre

Besondere Blickfänge der Ausstellung "Here I stand": Eine Gussform mit dem Konterfei Martin Luthers und ein dickes, antiquiertes Gedenk-Buch. Beide Exponate stammen aus dem Jahr 1883 und wurden aus Anlass des 400. Geburtstags des Reformators angefertigt. Bilder: Mardanow (3)
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Neunburg vorm Wald
01.07.2017
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Aus dem Bestand des Schwarzachtaler Heimatmuseums stammen diese Lutherbibeln. Heimatpfleger Theo Männer erläuterte dem katholischen Pfarrer Stefan Wagner und Festspiel-Vorsitzenden Helmut Mardanow (von links) deren Bedeutung.

Mit einem Lied aus der Feder Martin Luthers ist die Ausstellung "Here I stand" im Kunstquartier eröffnet worden. Bis Mitte Juli lässt sich hier dem Leben und Werk des Reformators nachspüren. Auch das Schwarzachtaler Heimatmuseum hat dazu Exponate beigesteuert.

Die evangelische Kirchengemeinde hat diese Ausstellung nach Neunburg geholt. Zur Eröffnung bat Pfarrer Gerhard Beck die Gäste, gemeinsam fünf Strophen des Lieds "Nun freut euch, liebe Christen g'mein" zu singen. Martin Luther selbst hat es verfasst, "und er erzählt darin, wie es zur Reformation gekommen ist". Dabei handle es sich um kein Kirchenlied - "es wurde vielmehr auf der Straße von den Händlern gesungen", wusste der Geistliche. So habe es zur Ausbreitung der Lehre Luthers und der Reformation beigetragen.

Den englischen Titel der Ausstellung erklärte Beck damit, dass diese ursprünglich für protestantische Gemeinden in den Vereinigten Staaten konzipiert wurde. Der Titel "Here I stand" bezieht sich auf das Luther zugeschriebene Zitat "Hier stehe ich und kann nicht anders", das dieser angeblich 1521 auf dem Wormser Reichstag gesagt hat, als er seine Thesen widerrufen sollte.

Pfarrer Beck gab einen kurzen Einblick in die Ausstellung, die mit Infografiken und Plakat-Präsentationen die wichtigsten Stationen der Reformationsgeschichte und ihre Auswirkungen beleuchtet. Diese geht zunächst auf Luthers Biografie ein und wirft einen Blick auf die Zeit vor der Reformation. Das Weltbild um 1500 wird beschrieben, und auf den Ablasshandel - Sünden werden gegen Geld vergeben - durch die katholische Kirche eingegangen. "Daran hat sich Martin Luther ganz besonders gestört", berichtete Beck.

Von Buchdruck profitiert

Desweiteren erfährt der Besucher etwas über die Veröffentlichung von Luthers 95 Thesen am 31. Oktober 1517. Verdeutlicht wird, wie sich seine Lehre zwischen 1520 und 1554 ausgebreitet hat, und welche Rolle der neu erfundene Buchdruck dabei spielte. Auch auf Luthers Ehe mit der ehemaligen Nonne Katharina von Bora wird eingegangen, außerdem wird dargelegt, welche Auswirkungen die Reformation auf das gesellschaftliche Leben hatte. Nicht ausgespart bleiben die Schattenseiten Martin Luthers, der sich unter anderem abwertend gegenüber Papst, Juden und Bauern geäußert hatte. Zusätzlich erhält der Betrachter Einblick in die Vielfalt protestantischer Glaubensrichtungen und erfährt Luthers Bedeutung als "lebendes Denkmal" - so gibt es 8 Lutherwege, 57 Denkmäler weltweit und 197 Lutherbäume. Auch ein Vergleich mit dem gleichnamigen US-Bürgerrechtler Martin Luther King wird gezogen.

Gussform mit Luther-Abbild

Das "spannendste Zimmer der Ausstellung" (Pfarrer Beck) sei der "schwarze Raum", in dem eine Gussform mit dem Abbild des Reformators und ein altes Gedenk-Buch zu sehen sind. Beide Exponate stammen von 1883, und sind zum 400. Geburtstag Luthers produziert worden. Leihgeber der Gussform ist Alfred Niedermayer aus Osternach im österreichischen Innviertel.

Ein besonderer Hingucker der Ausstellung sind auch die alten Lutherbibeln aus dem 17. Jahrhundert, die das Schwarzachtaler Heimatmuseum als Leihgabe überlassen hat. Weitere Bibeln haben Mitglieder der Kirchengemeinde zur Verfügung gestellt. In einer Glasvitrine finden sich Exponate, die belegen, wie Luther gerade heuer zum Jubiläum "500 Jahre Reformation" zum Marketing-Instrument geworden ist. Sein Konterfei findet sich auf Kleidung, ihn gibt's als Playmobil-Spielfigur und er muss sogar als Namenspatron für Bier herhalten. Ergänzend wird im Kunstquartier noch eine Plakatserie zur Landesausstellung "Ritter, Bauern, Lutheraner" präsentiert, die aktuell auf der Veste Coburg zu sehen ist.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung "Here I stand" im Kunstquartier, Im Berg 7, ist bis 16. Juli jeden Mittwoch sowie Freitag bis Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet, an Tagen mit Aufführungen des Festspiels "Vom Hussenkrieg" sogar bis 20 Uhr.
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