18.02.2018 - 15:34 Uhr
Neunburg vorm Wald

Defibrilator überbrückt die Zeit, bis professionelle Hilfe kommt Damit die Rettungskette hält

Wenn ein Herzstillstand eintritt, zählt jede Minute. Das erfordert schnelles Handeln. Für ein optimales Ineinandergreifen der gesamten Rettungskette ist jetzt in Neunburg ein Defibrillator an einer strategisch günstigen Stelle installiert. Andere Standorte sind nicht immer bekannt.

Bürgermeister Martin Birner (Dritter von links), Apotheker Peter Kindler (Dritter von rechts) und BRK-Leiter Maximilian Lang (Zweiter von links) freuen sich gemeinsam mit den Stadträten über den Defibrillator. Bild: pko
von Helga ProbstProfil

Das neue Gerät steht in der Linden-Apotheke. Angeschafft wurde es in einer Gemeinschaftsaktion von Apotheker Peter Kindler und der Stadt Neunburg. Der Defibrillator (Defi) in der Apotheke ist in Neunburg nicht das einzige Gerät dieser Art, doch kaum einer kennt alle Standorte, die hier im Notfall in Frage kommen. Diese Lücken wurde bei der Übergabe des neuen Geräts offenkundig. So gibt es wohl einen Defi in der Zahnarztpraxis von Dr. Christoph von Wenz und im Schwimmbad, aber auch private Firmen könnten über die lebensrettende Apparatur verfügen.

Guter Standort

Als Geräteverantwortlicher versicherte Maximilian Lang, dass er nicht die ganze Stadt mit Defibrillatoren zupflastern wolle. Den Standort in der Linden-Apotheke hielt der Leiter des BRK Neunburg aber für einen sehr guten Ort. "Die Apotheke hat lange Öffnungszeiten, ist auch am Samstag offen, und es kommen Leute hierher, die krank sind", dankte er für das Engagement von Kindler. Bürgermeister Martin Birner und die Stadträte würdigte Lang für die finanzielle Unterstützung. Die Kosten von 1800 Euro wurden geteilt. Die Initiative sei von Peter Kindler ausgegangen.

Gerne übernahm der BRK-Bereitschaftsleiter die Verantwortung für das lebensrettende Gerät in der Apotheke. Er wird auch die Angestellten hier im Umgang damit schulen. "Eine gute Sache", nannte Birner die Anschaffung und sandte eine deutliche Botschaft. Jeder sollte sich trauen, den Defibrillator im Ernstfall zu holen und einzusetzen. So könnte rechtzeitig mit der Reanimation bei Herzstillstand oder Kammerflimmern begonnen und Leben gerettet werden. Das Gerät führt selbsterklärend durch die einzelnen Schritte. Birner dankte für die Initiative von Kindler und Lang. Der Apotheker lobte die Beratung durch den Sanitäter beim Aussuchen eines perfekten Gerätes und die finanzielle Unterstützung durch die Stadt. "Ich hoffe, dass wir den Defibrillator nie brauchen werden. Aber es schafft Sicherheit, dass wir jetzt in der Vorstadt einen haben", betonte Kindler.

Liste aller Stützpunkte

BRK-Bereitschaftsleiter Lang würde sich nun weitere Installierungen von Defibrillatoren an strategisch wichtigen Punkten wünschen, beispielsweise in am Sportplatz, in der Kirche oder im Einkaufszentrum. Einig waren sich alle Anwesenden aber auch darin, dass ein Liste bereits vorhandener Defi-Stützpunkte für die Bevölkerung sehr sinnvoll wäre.

Erfolgreich reanimieren

Die Herzfunktion kann durch eine fehlende oder zu schnelle Herzaktion (Kammerflimmern, Kammerflattern) plötzlich ausfallen. Das Herz pumpt dann kein Blut mehr in das Gehirn und den restlichen Körper. Der Betroffene wird sofort bewusstlos und atmet nicht mehr normal oder gar nicht mehr. Dies geschieht innerhalb weniger Sekunden. Das Überleben nach plötzlichem Herzstillstand erfordert deshalb schnelles Handeln. Pro Minute, die bis zum Beginn der Reanimation verstreicht, verringert sich die Überlebenswahrscheinlichkeit des Betroffenen um etwa zehn Prozent. Voraussetzungen für einen Erfolg: Herzkreislaufstillstände sollten bereits präventiv im Keim erstickt werden, indem man Kreislaufstörungen, Brustschmerzen oder Atemnot ernst nimmt und sich Hilfe holt. Ein optimales Ineinandergreifen der gesamten Rettungskette ist erforderlich. Der Ersthelfer, der die Situation rasch erkennt, ist wichtig, ebenso die integrierte Rettungsleitstelle, die per Telefonreanimation die lebenswichtigen Maßnahmen anleitet. Ein Glied in dieser Kette ist die schnelle Defibrillation. Sie kann die Zeit überbrücken helfen, bis professionelle Einsatzkräfte wie Rettungsdienst, Notarzt und Helfer vor Ort nachrücken. (pko)

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