23.02.2018 - 16:14 Uhr
Neunburg vorm Wald

Dialogrunde zum Eixendorfer See bringt Behörden, Fachstellen und Verbände an einen Tisch Sauberer See geht nur gemeinsam

Ein intaktes Gewässer haben alle auf dem Wunschzettel. Doch in der Vergangenheit sind am Eixendorfer Stausee die Interessen von Wasserwirtschaft, Tourismus und Fischerei immer wieder einmal aufeinandergeprallt. Eine Dialogrunde soll die Wogen glätten und zu einem konstruktiven Austausch zurückführen.

Hochwasserschutz, beliebtes Naherholungsgebiet, überaus geschätztes Angelgewässer: Alle diese Funktionen vereint der Eixendorfer Stausee. Die Bezirksregierung stößt nun einen Dialog aller Beteiligten an, damit die Situation im und am See, vor allem mit Blick auf die sommerliche Blaualgenblüte, verbessert werden kann. Das Foto stammt aus dem Juli 2010. Bild: Mardanow
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Neunburg/Regensburg. (mp/exb) Auf Einladung von Regierungspräsident Axel Bartelt setzten sich Landrat Thomas Ebeling, die Bürgermeister Martin Birner (Neunburg ) und Ludwig Reger (Rötz), Vertreter des Wasserwirtschaftsamts Weiden, von Fischereiverband Oberpfalz, Fischereiverein Neunburg und Fischereifachberatung sowie Repräsentanten der Bayerischen Landeskraftwerke und der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schwandorf und Cham und des Neunburger Yachtclubs in der Bezirksregierung zusammen, um sich über den künftigen Umgang mit dem Eixendorfer See auszutauschen. Wie aus einer Pressemitteilung hervorgeht, waren die Hauptthemen dabei der Bau einer Fischaufstiegsanlage an der Vorsperre, die Blaualgenblüte in den Sommermonaten sowie das von der Wasserwirtschaft in Auftrag gegebene Gutachten zur Seerestaurierung.

Trotz teils unterschiedlicher Interessen verfolgten die Gesprächsteilnehmer ein gemeinsames Ziel: einen möglichst intakten See. Vorrangig sei darauf zu achten, dass die Talsperre ihren eigentlichen Zweck erfüllt - als Hochwasserschutz der Unterlieger und als Reservoir für die Schwarzach in Trockenzeiten. Außerdem sollen Nutzungen wie Angelsport, Segeln, Surfen, Baden oder Wandern weiterhin möglich sein. Der See solle damit seiner Sozialfunktion gerecht werden, insbesondere mit Blick auf Naherholung und Tourismus.

Interessenausgleich finden

Laut Pressestelle der Regierung stimmten die Beteiligten darin überein, dass die unterschiedlichen Nutzungen des Sees nur im konstruktiven Miteinander funktionieren können. Dies setze vor allem gegenseitige Rücksichtnahme, Wertschätzung, Verständnis und die nötige Toleranz voraus. Regierungspräsident Bartelt habe an alle Beteiligten appelliert, in einem vertrauensvollen Miteinander einen Ausgleich der verschiedenen Interessen zu finden. "Ich würde mir wünschen, dass alle Beteiligten einfach mehr miteinander reden." Nur ein faires Miteinander in vertrauensvoller Partnerschaft diene den Allgemeinwohlinteressen vor Ort.

Michael Throner, Vorsitzender des Fischereivereins Neunburg, bedankte sich beim Regierungspräsidenten für die Gesprächsinitiative. Er betonte, dass es die Fischer sehr begrüßen würden, wenn sie in das Verfahren zum Bau der Fischaufstiegsanlage über die gesetzlichen Regelungen hinaus eingebunden werden, damit Erfahrungen und Bedenken einfließen können.

Manuel Schlegel, Abteilungsleiter für den Landkreis Schwandorf am Wasserwirtschaftsamt (WWA), berichtete, dass seine Behörde eine Fischaufstiegsanlage an der Vorsperre des Sees bauen möchte, sobald der Wasserrechtsbescheid durch das Landratsamt Schwandorf vorliege und rechtskräftig sei. Demnächst vorgestellt werde das Gutachten zur Seerestaurierung, das Aufschluss über eventuelle Maßnahmen gegen die Blaualgen geben soll. Der Regierungspräsident regte an, den Fischereiverband Oberpfalz bei der Schlussabstimmung dieses Gutachtens zu beteiligen - als vertrauensbildende Maßnahme. Ein weiterer Vorschlag zielte auf einen überregionalen Erfahrungsaustausch zur Algenproblematik in bayerischen Stauseen ab.

"Keine schnellen Lösungen"

Jana Finze von der Gruppe Landwirtschaft und Forsten an der Regierung der Oberpfalz ergänzte, dass seitens der Landwirtschaft bereits viele Optimierungsmaßnahmen in Sachen Düngung und Erosionsschutz unternommen würden. Eine weitere Verbesserung des Gewässerzustandes sei aber nur bei einer extrem extensiven landwirtschaftlichen Nutzung möglich, und dann auch erst um Jahre verzögert.

Am Ende betonten alle Beteiligten, gemeinsam möglichst einvernehmliche Lösungen anzustreben. "Wir werden gemeinsam Hand in Hand an einer Verbesserung der Situation arbeiten, auch oder gerade weil wir wissen, dass es keine schnellen Lösungen geben wird", erklärte Regierungspräsident Axel Bartelt. Es wurde sich darauf verständigt, dass die Runde den Austausch in kleinerer Besetzung fortsetzt, sobald das Gutachten über Maßnahmen gegen die Blaualgen vorliegt.

Ich würde mir wünschen, dass alle Beteiligten einfach mehr miteinander reden.Regierungspräsident Axel Bartelt

Kraftwerk im Blick

Thomas Liepold, Geschäftsführer der Bayerischen Landeskraftwerke GmbH, berichtete bei der Dialogrunde über die Ökowasserkraftanlage an der Vorsperre bei Hillstett, in der eine innovative fischschonende Technologie zum Einsatz komme. Die "Fischverträglichkeit" des beweglichen Kraftwerks solle über ein Monitoring nachgewiesen werden, das die Technische Universität München im vergangenen Jahr 2017 vorgenommen habe. Darüber hinaus erklärte Liepold, dass der Strom, der durch die Wasserkraftwerke am Eixendorfer See gewonnen werde, ausreiche, um über die Hälfte der Neunburger Bevölkerung mit regenerativer Energie zu versorgen. (mp)

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