23.03.2018 - 13:58 Uhr
Neunburg vorm Wald

Elke Reinhart setzt aufs Miteinander der Kulturen Integration keine Einbahnstraße

Wenn ein Syrer einer äthiopischen Familie beim Behördengang hilft - "dann läuft vieles richtig". Es sind solche Gesten des Miteinanders, über die sich Integrationsbeauftragte Elke Reinhart besonders freut. Und die Arbeit von "Frau Elka" schätzen nicht nur Flüchtlinge.

Das ehrenamtliche Engagement um die Integration in Neunburg war Ende Mai 2017 der Anlass für ein Picknick im Stadtpark. Dabei begegneten sich Menschen aus vielen Nationen sowie Bürger aus Neunburg und Umgebung. Für heuer strebt Integrationsbeauftragte Elke Reinhart (hintere Reihe, Zweite von rechts) eine Neuauflage dieser Veranstaltung an. Archivbild: pko
von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Zum 1. November 2016 wurde Elke Reinhart durch die Stadt zur "Beauftragten für Flüchtlinge und ausländische Mitbürger" bestellt. "Fordernd, anstrengend - und unheimlich bereichernd", so fällt ihre Bilanz im Gespräch mit Oberpfalz-Medien aus. "Ich liebe diesen Job einfach", unterstreicht sie. Sie schätze die Arbeit mit den Menschen und allen damit zusammenhängenden Bereichen.

Als "eine Art Bürgerhilfsstelle für Migranten" bezeichnet die 44-Jährige ihre Position. Den neuen Mitbürgern das Ankommen erleichtern, ihnen Lebenshilfe in der ungewohnten Umgebung geben und sie auf dem Weg zur Integration unterstützen - auf diesen Säulen basiert ihre Arbeit. Das Hauptklientel sind dabei Flüchtlinge, es kommen aber auch EU-Bürger, die in der Region arbeiten, mit ihren Anliegen zu "Frau Elka", wie sie von den meisten genannt wird. Dankbar ist die Integrationsbeauftragte für die wöchentlichen Sprechstunden der Asylsozialberatung des Landkreises: Dabei steht Mitarbeiterin Nadine Hunzinger unter anderem beim Ausfüllen von Anträgen oder Formularen zur Seite. "Meine Arbeit ist eher auf der Straße oder in den Wohnungen", bringt es Elke Reinhart zum Ausdruck. Ihre Tätigkeit auf Landkreisebene hat auch nachhaltige Integrationsprojekte nach Neunburg gebracht (Deutsch für Mütter, Schüler-Nachhilfe).

Viel auf Vertrauensbasis

Um Väter in Arbeit zu bringen, den Frauen Deutsch-Kenntnisse zu vermitteln und die Kinder betreut zu wissen, hält sie enge Kontakte zu Schule, Hort, Kindergarten, Politik, Unternehmen, Kirchen, Jobcenter und Vermietern. Immer wieder ist sie auch einmal zu Hause bei den Familien. "Es ist eine Tätigkeit, die rundum auf Vertrauen basiert", schildert Elke Reinhart, die bei Notfällen auch am Wochenende per Handy erreichbar ist. Aktuell lebten zehn Familien in Neunburg, die als Asylbewerber anerkannt sind, "die möchten auch mittelfristig hierbleiben", weiß sie. Derzeit sucht Elke Reinhart nach Wohnungen für eine Familie mit drei kleinen Kindern sowie für eine Mutter mit zwei Kindern. Auch Single-Wohnungen seien gefragt.

Ihre Zielsetzung "Hilfe zur Selbsthilfe zu geben" funktioniere bislang absolut. Natürlich bräuchten einige Migranten mehr, andere wieder weniger Unterstützung. "Einige haben das aber so verinnerlicht, dass sie sich untereinander helfen", berichtet die 44-Jährige und schildert "ein tolles Erlebnis", als ein syrischer Asylbewerber eine Familie aus Äthiopien bei der Anmeldung im Rathaus unterstützte. "Wenn es so läuft, ist es der beste Weg."

Noch mehr Unterstützung

Unter der Rubrik "Schattenseiten" ordnet sie "die Rahmenbedingungen von oben" ein. "Da herrscht einfach zu viel Bürokratie, da würde ich mir mehr Mut zum Experimentieren wünschen." Natürlich gelte es, die Regeln und Gesetze zu befolgen, "aber oft wird von den übergeordneten Stellen viel zu wenig hingeschaut, was vor Ort wirklich passiert." Sie fordert, dass staatlicherseits noch mehr Unterstützung für die Integrationsarbeit kommen müsste - Förderung der Kommunen und Ehrenamtlichen, Ideen für Unternehmen, die Migranten beschäftigen oder Hilfe für pädagogische Einrichtungen.

Größtes Anliegen ist ein friedliches Zusammenleben von Einheimischen und Neuankömmlingen. "Integration bedeutet, dass Menschen verschiedener Kulturen zufrieden und glücklich miteinander leben können." Ein Stück weit Toleranz sei dazu gefragt, "aber immer auf der Basis von Grundgesetz und rechtlicher Vorgaben". Dass es auch einmal Konflikte gibt, werde sich nie ganz vermeiden lassen - "wie überall, wo Menschen zusammenwohnen".

Ganz wichtig ist Elke Reinhart ein Dank an die ehrenamtlichen Unterstützer. Das geht vom Asylhelferkreis der Pfarrei bis hin zu Einzelpersonen, die Sprachunterricht geben oder in rechtlichen Fragen zur Seite stehen. Es freut sie, dass seit einiger Zeit auch das Soziale Netzwerk in die Betreuung eingestiegen ist. In Zukunft soll verstärkt die Gemeinschaftsunterkunft ins Blickfeld rücken. Ziel ist es, dass dort häufiger und regelmäßiger Sprachkurse oder Mathe-Unterricht stattfinden. Interessenten für so eine Aufgabe können sich unter elke.reinhart[at]neunburg[dot]de melden.

Integration bedeutet, dass Menschen verschiedener Kulturen zufrieden und glücklich miteinander leben können.Elke Reinhart, städtische Beauftragte für Flüchtlinge und ausländische Mitbürger

Einsatz um Integration wird geschätzt

Bürgermeister Martin Birner

"Für die Stadt Neunburg ist Elke Reinhart ein wichtiges Bindeglied zwischen Einheimischen, Flüchtlingen, EU-Bürgern, dem ehrenamtlichen Helferkreis und den zuständigen Stellen. Sie ist für diese Aufgabe hervorragend geeignet und profitiert dabei von ihrem Netzwerk zu überregionalen Organisatoren. Ihr Einsatz kommt an, sie leistet fruchtbare und gewinnbringende Arbeit. Ich bin fest davon überzeugt, dass auf diesem Weg ein Mehr an Integration möglich ist. Für uns war es die richtige Entscheidung, den Posten der städtischen Integrationsbeauftragten zu etablieren."

Polizei-Chef Bernhard Hager

"Ich schätze die direkte, regelmäßige Kommunikation und den Informationsaustausch mit der Integrationsbeauftragten. Über Ecken kommen Informationen meist falsch oder gar nicht an. Das gegenseitige Vertrauen hilft vor allen Dingen, präventiv handeln zu können. Missstände werden durch Elke Reinharts Arbeit erkannt und können seitens der Polizei frühzeitig bearbeitet werden. Elke Reinhart ist ein sehr gutes Bindeglied zwischen Stadt, Polizei, Gemeinschaftsunterkunft und weiteren Einrichtungen."

Lehrerin Anne Deml

"Als Klassenleiterin der Übergangsklasse arbeite ich täglich mit Kindern nichtdeutscher Herkunft. Als Integrationsbeauftragte ist Elke Reinhart eine extrem wichtige Mittlerin zwischen Schule und Elternhaus bzw. anderen pädagogischen Einrichtungen. Sie geht direkt in die Familien - dadurch lässt sich vieles schnell und unkompliziert regeln. Damit Integration gelingen kann - auch außerhalb des Schulhauses -, erscheint die Institutionalisierung einer Integrationsbeauftragten von großer Bedeutung. Die Stadt Neunburg hat hier Vorbildcharakter."

Schwester Christine Gindhart

"Für uns als pädagogische Einrichtung mit Kindergarten, Schülerhort und Kinderkrippe ist die Unterstützung durch Elke Reinhart als Integrationsbeauftragte sehr wichtig", sagt die Leiterin des Theresia-Gerhardinger-Haus. "Sie unterstützt uns bei der Kooperation mit den Eltern, ist immer wieder Vermittlerin zwischen verschiedenen Polen, fragt nach und trägt in vielen Fällen zur Klärung bei Schwierigkeiten bei. Für uns ist Elke Reinhart eine nicht wegzudenkende Hilfe."

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