06.03.2018 - 17:06 Uhr
Neunburg vorm Wald

Erika und Bert Maderer wagten vor 30 Jahren die Eröffnung eines Naturladens Pioniere in der Biobranche

Die "Körndlfresser" von einst liegen im Trend. Bio-Produkte haben den Weg in den Supermarkt gefunden, die "Moral" dagegen ist auf der Strecke geblieben, meint Bernd Maderer, der über 30 Jahre lang mit seiner Frau Erika die Neunburger mit Öko-Ware versorgt hat. Ende April übergeben sie ihren Bioladen in neue Hände.

Erika und Bert Maderer (Bild) ziehen sich Ende April aus dem Bioladen zurück, den sie als Pioniere in Neunburg aufgebaut haben. Das Geschäft übernimmt Monika Geissler, die mit dem Inventar in der Hauptstraße nur ein paar Meter weiter zieht. Bild: Bugl
von Monika Bugl Kontakt Profil

Wer den Bioladen in der Neunburger Hauptstraße betritt, hat statt Raum-Deo eine würzige Duft-Komponente in der Nase. Tee-Aromen mischen sich mit Spuren von Curry und Kräutern oder den Molekülen von Räucherstäbchen. Vorbei sind die Zeiten, als das Sortiment eher karg war, dominiert von Vollkornbrot und Tofu. In Weidenkörben glänzen auch im Winter rote Paprika, ein Sortiment an Brotaufstrichen sorgt für die Qual der Wahl, und das Weinregal ist gut gefüllt. "Wir haben schließlich Lebensmittel, keine Sterbemittel", kommentiert Erika Maderer die Geruchslandschaft.

"Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist", sagt Bert Maderer. Zusammen mit seiner Frau Erika hat der 66-Jährige Höhen und Tiefen der Branche erlebt und findet, dass es jetzt Zeit ist für den Ruhestand. Bio war für Maderer auch immer mit politischem Engagement verknüpft, in der Jugend zunächst bei der SPD, später bei den Grünen. Ein Tabakladen mit Lotto und Zeitschriften passte nicht in diesem Lebensentwurf, eher schon das Abenteuer, in Neu-Ulm einen Bioladen namens "Erdapfel" aufzubauen. "Wir wollten eine Veränderung", erinnert sich der 66-Jährige, der mit seiner Frau erst einmal drei Jahre lang Erfahrungen in der Fremde sammelte.

Heimweh

Ein wenig Heimweh reichte aus, um schließlich wieder Neunburg für einen Bioladen ins Spiel zu bringen. "Soll man das wagen, da in der Diaspora?", lautete die Überlegung. Maderers haben sich das zugetraut. 1987 eröffnete "Erikas Naturladen" in der ehemaligen Bäckerei Winderl in der Hauptstraße 51. Zweimal ist das Geschäft seither umgezogen: 1998 in die Rathaus-Arkaden, 2009 dann in die Hauptstraße 59. Einmal hat so ein Umzug den Umsatz nahezu verdoppelt. "Der Zauber des Neuen", schmunzelt Erika Maderer beim Blick zurück, in den sich auch ein wenig Melancholie schleicht.

"In so vielen Jahren, sieht man die Kinder der Kunden aufwachsen und dann selbst einkaufen", erzählt die 64-Jährige. Manchmal sei der kleine Laden regelrecht zur Sozial-Anlaufstelle geworden. Und wenn die Familie, was selten vorkam, Urlaub machen wollte, dann hätten sich viele verständig gezeigt und einfach das gekauft, was noch im Kühlregal lagerte. Daheim, in der Familie, kamen öfter mal die abgelaufenen Waren auf den Tisch, "und meine beiden Kinder haben geklagt, dass ich ihnen panierten Tofu als Schnitzel verkauft hab'".

"In den Anfangszeiten haben wir Gewürze noch selbst abgepackt", erinnert sich die 64-Jährige, und ihr Ehemann verweist auf den Kontrast, den er kürzlich auf der Bio-Fachmesse in Nürnberg erlebt hat: mit Überangebot und Ausmaßen wie im konventionellen Handel. In Neunburg habe man lieber auf das Motto "klein aber fein" gesetzt oder auf den Satz, den Autor Dieter Moor geprägt hat mit dem Buchtitel "Was wir nicht haben, brauchen sie nicht".

Kleine Kriege

Dennoch kam der Neunburger Bioladen um ein größeres Sortiment nicht herum und wuchs von 40 auf über 100 Quadratmeter. Ganz ohne "Kriege" ging das laut Erika Maderer bei zwei gleichberechtigten Chefs nicht. "Mein Mann wollte immer lieber mehr bestellen, ich hab' gebremst." So gibt es neben dem seit 30 Jahren bewährten Vollkornbrot von der Nabburger Bäckerei Urban im Bioladen seit langem auch vegane und glutenfreie Lebensmittel oder Reismilch für Menschen mit Laktose-Unverträglichkeit. Denn zu den Kunden zählen neben Bio-Fans auch viele Allergiker.

"Ich wollte nie was Anderes machen, das hier ist einfach nachhaltig", zieht Bert Maderer Bilanz und klagt darüber, dass inzwischen auch im Biohandel "die Großen die Kleinen kaputt machen". "Bio, das hat doch auch was mit Moral zu tun", empört sich der frühere Neunburger Stadtrat. Das Ehepaar Maderer ist froh, dass die Bio-Ära hier nun von einer Kundin fortgeführt wird: Monika Geissler wird mit dem Inventar nur ein paar Häuser weiter ziehen und plant dazu noch ein Bistro oder Café. Für 5. Mai ist die Eröffnung anvisiert. Auf Maderers wartet dann ein Wohnhausumbau, es gibt Enkel zu betreuen, und Zeit für Urlaub wäre jetzt auch. Weil Maderers aber hinter dem auch stehen, was sie über 30 Jahre lang im Angebot hatten, werden sie im Ruhestand im neuen Bioladen noch ein wenig "mitmischen".

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