01.11.2017 - 20:00 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Festgottesdienst zu 500 Jahre Reformation Der Glaube an Barmherzigkeit

Was die katholischen und evangelischen Gläubigen eint, ist mehr als das, was sie trennt. Dieser Gedanke stand im Mittelpunkt bei der Feier des Jubiläums "500 Jahre Reformation". Die Predigt hielt der katholische Stadtpfarrer Stefan Wagner.

Pfarrer Gerhard Beck (links) überreichte an seinen katholischen Amtsbruder Stefan Wagner eine Reformationstasse. Dies war ein kleines Dankeschön für die beeindruckende Predigt des katholischen Geistlichen beim Gottesdienst "500 Jahre Reformation".
von Udo WeißProfil

"Es ist 15.17 Uhr und wir denken an ein Ereignis aus dem Jahre 1517", sagte Pfarrer Gerhard Beck, nachdem er zusammen mit seinem katholischen Amtsbruder Stefan Wagner in die voll besetzte evangelische Versöhnungskirche eingezogen war. 500 Jahre Reformation sei ein Jubiläum, trotzdem sollte auch Demut herrschen, führte er bei der Begrüßung aus.

Es entstand eine neue Konfession und das Gefühl der Einheit ging verloren. "An diesen Trennungen leiden wir bis heute", stellte er fest. Die Einheit, die in den letzten Jahrzehnten immer wieder erfahrbar war, wäre noch vor fünfzig Jahren undenkbar gewesen. "Was die Katholiken und Evangelischen eint, ist mehr als das, was uns trennt", sei ein guter Ansatz für die Zukunft. Der katholische Stadtpfarrer Stefan Wagner hielt eine beeindruckende Predigt. "Sind Sie gut in Form?", fragte er und ging damit auf die Leibesfülle Martin Luthers ein, die für seine Gegner ein Angriffspunkt war. Aber auch innerlich sei Luther nicht immer "gut in Form" gewesen.

Unsicherheiten, Gewissensbisse, Ängste und die Frage "wie kann ich die Anforderungen Gottes erfüllen?", raubten ihm den Schlaf. Immer ging es ihm um Gottes Vergebung, um nicht in die Hölle zu kommen. Erst als er als junger Theologieprofessor im Römerbrief des Apostels Paulus den Satz las, "Der Gerechte wird aus dem Glauben leben", gingen ihm die Augen auf: Nur der Glaube an Gottes Barmherzigkeit führt in den Himmel, keine Eigenleistung wird erzwungen. "Mit dieser freimachenden Erkenntnis hat sich Martin Luther vor 500 Jahren an die Reformation gemacht", so der Geistliche, er wollte sie wieder "in Form" bringen. Die damals vorherrschenden Zustände - wie Ablasshandel, Verweltlichung, Prunksucht und Ämterhäufung - ließen von Gottes Barmherzigkeit wenig spüren.

Da musste vieles reformiert, also "in Form" gebracht werden, in die Form des Evangeliums. "Dieses Anliegen dürfen wir Katholiken Professor Luther nicht übelnehmen, auch wenn dann manches ganz anders gekommen ist, als er es vielleicht im Sinn hatte", so die Worte des Pfarrers. Spaltung, Blutvergießen und ein gehöriges Durcheinander waren die Folgen. Der Grundgedanke der Reformation "Gott hält zu uns, auch wenn wir Sünder sind", wurde vor 18 Jahren von hochrangigen katholischen und evangelischen Kirchenvertretern in der "Gemeinsamen Erklärung zur Rechtfertigungslehre" unterschrieben. "Reformation heißt heute also, in Form bringen, in Form sein und in Form bleiben. Das braucht Training und Ausdauer. Vor allem aber ganz viel Gottvertrauen", legte der katholische Geistliche allen Gläubigen ans Herz. Pfarrer Gerhard Beck überreichte ihm eine Reformationstasse als Dank für die Predigt.

Am Ende des Gottesdienstes, der von Matthias Eckl-Binder an der Orgel umrahmt wurde, verabschiedete Pfarrer Beck die Kirchenvorsteherin Uta Donat und segnete den neuen Kirchenvorsteher Mario Pottgießer. Hubert Bauer aus Rötz wurde für seine Dienste als Hausmeister gedankt. Im Gemeindesaal konnten sich die Gäste an einem Buffet mit pikanten und süßen Speisen stärken. Selbst eine Torte mit der Lutherrose war dabei. Anschließend wurde der Film "Luther" gezeigt.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.