22.10.2017 - 12:32 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Fortbildung für Realschullehrer an der Scherr-Realschule zu technischem Wandel im Unterricht Die Lern-Zukunft ist digital

Knapp 500 Realschullehrer aus der gesamten Oberpfalz erhalten an der Scherr-Realschule tiefen Einblick in digitale Welten. Smartphone, Tablet und Co. sind mittlerweile alltäglicher Bestandteil des Lernens und Lehrens, und sollen in Zukunft verstärkt im Unterricht eingebaut werden.

Knapp 500 Lehrkräfte und Ehrengäste verfolgten am Samstagvormittag die Auftaktveranstaltung zum Digitalcampus 2017. Nach den Grußwortrednern referierte Realschuldirektor Markus Bölling (stehend, vorne links) über den technischen Wandel im Unterricht. Bild: weu
von Udo WeißProfil

"Alles sehr top. Tolle Referenten, interessierte Teilnehmer, klasse Organisation und super hilfsbereite Schüler", lautete ein Eintrag auf der Twitterwall zum Digitalcampus 2017. Damit wurden die positive Resonanz und der Erfolg der Mega-Veranstaltung deutlich, die Ministerialbeauftragte Maria Kinzinger am Samstag in der Turnhalle der Mittelschule eröffnete. Ein grundlegender Strukturwandel mit dem Ziel der Vernetzung von Gedanken erfordere es, die Schüler zu befähigen, verantwortungsbewusst mit dem Strom an Daten umzugehen, lautete ihre Kernaussage.

Aufwandsträger verpflichtet

Landrat Thomas Ebeling, der wie alle Grußwort-Redner souverän von Schülersprecherin Pia-Marie Stegerer angekündigt wurde, stellte fest, dass diese großangelegte Veranstaltung den "Nerv der Zeit" getroffen hat. Der "Megatrend Digitalisierung", der sich auch am Landratsamt zeige, nehme die Sachaufwandsträger in die Pflicht. Von der Verantwortung der Lehrer zur Umsetzung der Digitalisierung sprach Bürgermeister Martin Birner. Auch die Stadt habe mit Glasfaser-Verbindungen an den Schulen dazu beigetragen.

"Vierte Kulturtechnik"

Jens Ast-Finsterbusch, Bezirksvorsitzender des Landeselternverbandes, der ebenfalls in die Veranstaltung mit eingebunden war, ging auf den "Lehrplan Plus" ein, der die Verbindung von Wissen und Kompetenzen fordert. "Umgang mit Digitalisierung" sei - neben Lesen, Schreiben und Rechnen - mittlerweile die vierte Kulturtechnik. Den Chancen und Herausforderungen sollte man sich in Fortbildungen, Lehrplananpassung und digitalen Konzepten stellen.

Realschuldirektor Markus Bölling aus Erlangen, der als "Mister papierloses Büro" bezeichnet wird, machte anhand von vielen Beispielen die Veränderung der Technik deutlich. Selbst Fußballberichte können schon von "digitalen Journalisten" nach Eingabe der Ergebnisse angefertigt werden. Lehrer seien in ihrer Arbeit zu 17,4 Prozent durch Computerprogramme, besonders bei Korrekturen oder Organisationsaufgaben, ersetzbar. Die frei werdende Zeit könne für individuelle Förderung genutzt werden. Das frühere Leitmedium Buch werde durch das Smartphone ersetzt, allerdings müsse man das Filtern der Informationsflut lernen. Der frühere Lehrer Tobias Schnitter, der nun als Business-Development-Manager bei einer namhaften Computerfirma ist, erarbeitete mit den Teilnehmern, wie man Schüler optimal auf die Zukunft vorbereitet. "Die Welt ist mobil, vernetzt und global, und Technologie verändert sie." Dem müsse sich Schule anpassen. "Nützen Sie die technischen Möglichkeiten", empfahl er den Gästen.

In 72 Workshops gab es anschließend an der Gregor-von-Scherr-Realschule vielfältige Möglichkeiten, sich umfassend über verschiedene Aspekte der Digitalisierung zu informieren - vom Englischunterricht bis zum Programmieren eines Mondfahrzeugs. Durch eigenständiges Ausprobieren wurde die Umsetzung im Unterricht anschaulich gemacht. Flankiert wurde der Digitalcampus von über 20 namhaften Ausstellern, die beispielsweise Experimentierkästen und 3-D-Drucker demonstrierten oder Material für den digitalen Unterricht präsentierten.

Mit der musikalischen Gestaltung durch die Schülerband, Musikerinnen von "Blech-Scherr" sowie der Bläserklasse, aber auch der Verpflegung der Gäste mit Getränken, Wurstsemmeln und Obst, hat die Realschule mit Direktorin Diana Schmidberger und den Lehrkräften einen weiteren Glanzpunkt in die vorbildlich organisierte Veranstaltung gebracht.

Mehr als nur Smartphone nutzen

Ministerialdirigentin Elfriede Ohrnberger, Leiterin der Realschulabteilung im Bayerischen Kultusministerium, sprach beim Digitalcampus von der Digitalisierung als "große Herausforderung, die nicht aufzuhalten ist". Medienkompetenz umfasse mehr als die Nutzerfähigkeit für das Smartphone. Sie dankte der Schule als Ideengeber für die "höchst professionelle Vorbereitung". Permanente Vernetzung werde die Zukunft beherrschen, ist sie sich sicher. Deshalb gelte es, die Jugendlichen zum offenen und flexiblen Umgang mit der digitalen Welt zu befähigen, dabei aber den Wertekanon nicht aus den Augen zu verlieren. Die Bayerische Staatsregierung habe eine Strategie zum Umgang mit der Digitalisierung entwickelt und im Nachtragshaushalt 2018 sei mit zwei Milliarden Euro der Grundstein für Schulen und Hochschulen gelegt worden. In dem von allen Schulen zu erstellenden Medienkonzept gehe es - neben der Ausstattung - auch darum, festzulegen, wie Digitalisierung in den einzelnen Fächern umgesetzt werden kann.

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