04.09.2017 - 20:00 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag Von verstaubter Tradition weit entfernt

Seit 1957 erinnern Gewerkschaften am 1. September an den Beginn des Zweiten Weltkrieges im September 1939. An diesem "Antikriegstag" steht die Mahnung vor bewaffneten Konflikten im Mittelpunkt. Die Gedenkveranstaltung für den Landkreis Schwandorf findet seit Jahren im KZ-Friedhof auf dem Plattenberg statt.

MdL Franz Schindler, Bezirkstags-Vizepräsident Volker Liedtke (von links) und Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl (Vierte von rechts) ergriffen bei der Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag das Wort. Bild: weu
von Udo WeißProfil

"Nie wieder Krieg", unter diesem Motto findet auf Initiative des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) seit 1957 der Antikriegstag statt. MdL Franz Schindler (SPD) hieß zu der Gedenkveranstaltung zahlreiche Gäste, unter ihnen auch den Vizepräsidenten des Bezirkstages, Volker Liedtke, und Altlandrat Hans Schuierer willkommen. Auch die "Falken" aus Klardorf und Vertreter der DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft-Vereinigte Kriegsdienstgegner) sowie Mitglieder des DGB nahmen an der Abendveranstaltung teil, bei der Schindler die Frage nach dem Sinn dieses Gedenktages mit klarem Ja beantwortete. "Die jetzige lange Friedensperiode bei uns ist kein Gottesgeschenk, sondern von der Politik hart erarbeitet", betonte er, "dieser Gedenktag soll auch ein Tag des Mahnens sein".

Die Welt sei in Unordnung, besonders in der Ukraine, im Nahen Osten und im nördlichen Afrika. 65 Millionen Menschen seien auf der Flucht, und bei der Bekämpfung der Fluchtursachen sieht Schindler keine nennenswerten Bemühungen. "Es ist keine verstaubte Tradition, gegen Krieg zu mahnen, sondern Notwendigkeit", so Schindler. Sein Dank galt der Stiftung Bayerischer Gedenkstätten für die Anlage am Plattenberg, die 1950 geschaffen wurde und die mit einem Gedenkstein auf die 615 Männer und Frauen hinweist, die in Neunburg beim Todesmarsch aus dem Konzentrationslager Flossenbürg elendig umgekommen sind. "Keiner von uns trägt die Verantwortung für dieses Grauen, aber jeder ist verantwortlich, dass sich das nicht wiederholt!", mahnte Schindler.

Zweite Bürgermeisterin Margit Reichl ist sich sicher, dass es keinen würdigeren Ort für den Antikriegstag gebe, als den Plattenberg. Sie wies auf die nahe gelegene Flüchtlingsunterkunft hin und betonte: "Beginnen wir im Kleinen, in unserem täglichen Umfeld mit dem friedvollen Umgang miteinander!" Namens der Stadt dankte sie Franz Schindler, dass der Gedenktag im Namen des DGB stattfindet sowie Herbert Seidel, dem Vorsitzenden des Gartenbauvereins, für die Pflege der Gedenkstätte.

"Neunburg stellt sich in vorbildlicher Weise diesem traurigen Kapitel der Geschichte", begann Altlandrat Volker Liedtke seine Ansprache. Die Gedenkveranstaltung sei heute nötiger denn je. Die Demokratie in Deutschland funktioniere fast einmalig, sei aber von vielen Menschen erarbeitet worden. Nationalen Strömungen in Deutschland, Europa und weltweit erteilte Liedtke eine klare Absage: "Immer, wenn das Nationale zu sehr in den Vordergrund gestellt wird, entstehen gefährliche Tendenzen, denen wir entgegentreten müssen", hob er hervor. "Jeder, der um Völkerverständigung und Frieden kämpft und sich einsetzt, leistet einen Beitrag zum Frieden", ist er sich sicher, "denn Hass und Hetze sind ein Angriff auf die Demokratie".

Nachdem die Gäste Blumen an den Gedenksteinen niedergelegt hatten, sprach Peter Wein als Vertreter der DFG-VK ein Schlusswort und dankte allen für die Teilnahme.

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