22.06.2017 - 20:00 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

"Haus Fleckacker" für Architektouren ausgewählt Haus mit Oberpfälzer Identität

Erneut machen die "Architektouren" im Neunburger Land Station: Nadine und Helmut Seidl öffnen diesen Sonntag die Türen des "Haus Fleckacker" in Penting. Die Besucher erwartet ein Anwesen im typischen Baustil der Oberpfalz.

Als "Ausdruck der Oberpfalz in Holzbauweise" steht das Anwesen "Haus Fleckacker" in Penting im Programm der Architektouren. Am Sonntag, 25. Juni, stehen die Türen zur Besichtigung offen. Bild: Architekturbüro Steidl
von Externer BeitragProfil

Neunburg-Penting. "Haus Fleckacker in Penting - Wärme, Geborgenheit, Reduktion und Zurückhaltung - Ein Ausdruck der Oberpfalz in Holzbauweise!" Mit dieser Beschreibung wurde das Bauwerk von einer Jury der Bayerischen Architektenkammer zu den Architektouren ausgewählt. Diese Leistungsschau der bayerischen Baukultur steht heuer unter dem Motto "Architektur schafft Lebensqualität".

In Penting öffnet die Familie Seidl ihre Türen. Die Planung des "Haus Fleckacker" lag in den Händen des Architekturbüros Steidl, das bereits im Vorjahr mit dem Erweiterungsbau der Bayernwerk-Netzleitstelle bei den Architektouren vertreten war. Ausgangssituation für das Projekt war das elterliche Grundstück mit Bestandsgebäude in der Mitte Pentings. Nachdem die Raumaufteilung und der bauliche Zustand des Gebäudes nicht mehr optimal waren, entschieden sich die Bauherren, einen Neubau zu errichten. "Wir wollten ein Generationenhaus in Holzbauweise und im Oberpfälzer Baustil mit Nebengebäuden in Hofsituation" formulierten die Bauherren Nadine und Helmut Seidl die Zielvorgabe.

Als Grundlage für die Planung diente im Gespräch zwischen den Bauherrn und Architektin Barbara Steidl die "Baufibel für die Oberpfalz" von Karl Erdmansdorffer. Weitere Inspiration sammelten die Seidls im Freilandmuseum Neusath-Perschen, so dass ein Wohnhaus mit traditionellen Maßen und Proportionen entstand. Auch typisch oberpfälzische Raumelemente, wie der "Flez" als Eingangs- und Kommunikationszone, wurden mit in den Grundriss aufgenommen.

Im Wohnbereich sind Kochen, Essen und Wohnen in einen Raum zusammenfasst, dazwischen wirkt ein Kachelofen als zentrales Raumelement. In den Sommermonaten wird der über eine Photovoltaikanlage produzierte Strom hausintern überwiegend zur Warmwasserbereitstellung verbraucht. "Wichtig für mich war ein einfaches System, das auf keine fossilen Stoffe zurückgreift und sich nach Möglichkeit klimaneutral verhält", ergänzte Helmut Seidl, der sich im Vorfeld über das Energiekonzept Gedanken gemacht hatte.

Wegen der geringeren Bauzeit und der erhöhten Möglichkeit zu Eigenleistungen, wurde das Haus in Holzbauweise mit vorgefertigten Modulen errichtet. Der Bauherr hatte schon vorher beim Ausbau von Holzhäusern mitgeholfen und konnte daraus Erfahrungen einbringen. Das Legen der Kabel, das Einbringen der Wärmedämmung, das Decken des Daches, wie auch das Verlegen der Böden im Innenbereich erledigten die Seidls unter Mithilfe von Familie und Freunden. Als nachhaltiges Baumaterial setzt Holz in der Architektur, an der Fassade, im Innenraum und im Spiel mit traditionellen Holzdetails zusätzliche Akzente.

Als Kontrapunkt zur Individualisierung beim Wohnhausbau sowie dem Verlust von Hauslandschaften und harmonisierenden Ortsbildern zum Trotz, setzt das "Haus Fleckacker" bewusst auf Reduktion und Zurückhaltung. Es ordnet sich der Oberpfälzer Bautradition ein. "Es will nicht dominieren, sondern fügt sich durch seine schlichte, bodenständige und zurückhaltende Gestaltung der Umgebung des Ortskerns und trägt zu einem einladenden Ortsbild bei", so das Architekturbüro.

Besichtigung

"Haus Fleckacker" kann am Sonntag, 25. Juni, um 15 Uhr besucht werden. Es liegt im Neunburger Ortsteil Penting, Wutzelskühner Straße 2. Treffpunkt am Parkplatz gegenüber. Wegen begrenzter Besucherzahl wird um Anmeldung per E-Mail unter at[at]architekturbuero-steidl[dot]de gebeten.

Details zur Baugestaltung

Als Grundlage für die Planung des "Haus Fleckacker" diente Bauherrn und Architektin die "Baufibel für die Oberpfalz" von Karl Erdmansdorffer. Darin sind - vom Städtebau des Dorfes über die Baukonstruktion bis hin zum Detail - die über Jahrhunderte gewachsenen Eigenschaften des Oberpfälzer Hauses beschrieben. Hierzu zählen unter anderem eine längliche, archetypische Gebäudeform mit steiler Dachneigung, eine verputzte Lochfassade, kein oder ein geringer Dachüberstand sowie kleine Fenster in symmetrischer Anordnung.

"Beim Haus Fleckacker wurden diese Eigenschaften mit in den Entwurfsprozess aufgenommen, wodurch ein Wohnhaus mit traditionellen Maßen und Proportionen entstand", schildert Architektin Barbara Steidl. "Im Gegensatz zum gänzlich verputzten Hauptgebäude sind die Nebengebäude teilweise mit Holz verschalt und nehmen hierdurch Farbe, Material und Details der umliegenden Ökonomiegebäude auf." Auch typisch oberpfälzische Raumelemente, wie der "Flez" als Eingangs- und Kommunikationszone, wurden mit in den Grundriss aufgenommen. Der Kachelofen als zentrales Raumelement im Wohnbereich wurde mit historischen Kacheln aus einem abgebrochenen Bauernhof bestückt. Der wassergeführte Ofen unterstützt im Winterhalbjahr bei Warmwasser und Heizung über ein Heizregister. Im Erdgeschoss befindet sich noch eine separat erschließbare Einliegerwohnung für die Mutter des Bauherrn. Im Obergeschoss liegen Schlaf- und Kinderzimmer und ein Bad.

Ebenso in Holzbauweise wird im Sommer am Grundstücksrand ein Stadl errichtet. Dieser soll das Areal einerseits zur Straße hin abtrennen, andererseits die Hofsituation weiter schließen. (exb)

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.