16.03.2018 - 14:44 Uhr
Neunburg vorm Wald

Imkerkreisverband hat Bienen-Wohl im Blick Aufrüsten mit starken Völkern

Über 1600 Bienenvölker betreuen die Imker im Kreisverband Nabburg-Neunburg. Faulbrut, Klimawandel und Pflanzenschutzmittel trüben die Bilanz am Bienenstock. Ein "Bienenretter" gegen Varroa ist mit Vorsicht zu genießen.

Bild: Popp
von Helga ProbstProfil

Neunburg-Gütenland. Jahresrückblicke und ein Vortrag vom Bienenfachwart standen im Mittelpunkt der Jahresversammlung des Imkerkreisverbandes Nabburg-Neunburg. Den Kreisverband bilden die Imkervereine Neunburg, Fuhrn/Taxöldern, Oberviechtach, Schönsee und Wernberg-Köblitz. Die 278 Mitglieder hatten im Jahr 2016 insgesamt 1684 Bienenvölker betreut, informierte Schriftführer Hermann Erl. Gesundheitswart Wolfgang Gleißner erinnerte in seinem Bericht, dass wegen der Amerikanischen Faulbrut aktuell drei Sperrbezirke (Niedermurach, Fensterbach und Pfreimd) eingerichtet sind. Bei der Bekämpfung der Varroamilbe setzt Gleißner nach wie vor auf die bewährten Mittel wie etwa die Ameisensäure.

Noch keine Praxisreife

Zu großer Vorsicht riet er beim "Bienenretter" Lithiumchlorid. Es sei viel zu früh, um in Euphorie zu verfallen, bis zur Praxisreife sei noch ein langer Weg. Zunächst müssten mögliche Rückstände im Honig oder Nebenwirkungen auf die Bienen untersucht werden. Selbstversuche mit Lithiumchlorid stellten einen Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz dar und seien zum jetzigen Zeitpunkt fahrlässig.

Kreisvorsitzender Emmeram Holzgartner berichtete über die staatlich anerkannte Carnica-Linienbelegstelle, die der Imkerverein Wernberg-Köblitz "Äm Kühweiher" betreibt. Im Vorjahr waren dort 32 Drohnenvölker aufgestellt. 1241 Königinnen wurden von 47 Züchtern zur Begattung angeliefert; die Begattungsquote lag bei rund 85 Prozent. Heuer werden dort wiederum 30 Drohnenvölker aufgestellt. Öffnungszeiten sind jeden Sonntag (vom 6. Mai bis 17. Juni) jeweils von 10 bis 11 Uhr, informierte Holzgartner.

Fachberater Ingo Schwieder zeigte in seinem Vortrag "Aktuelles über die Bienenhaltung" unter anderem die Erkennung von Bienenkrankheiten und neueste Forschungsergebnisse zur Varroa-Situation auf. Der Klimawandel, Krankheiten und vermindertes Trachtangebot stellten die Imker heute vor große Probleme. Ziel müsse es sein, die natürlichen Abwehrmöglichkeiten der Bienenvölker zu unterstützen. Ob die Bienen eine starke Population aufbauen und Vitalität zeigen, hänge von vielen Faktoren ab. Der Imker habe die Möglichkeit, mit der Betriebsweise, der Wahl des Standortes und mit der Varroa-Bekämpfung die Entwicklung der Völker stark zu beeinflussen.

Für optimale Bedingungen

Für die Volkentwicklung seien die Standortbedingungen von zentraler Bedeutung. Dazu gehöre in erster Linie ein fortgesetzter Futterstrom. Dieser sei abhängig vom Klima und dem Angebot der Trachtpflanzen. Mittlerweile könnten optimale Bedingungen oft nur durch Wanderung erreicht werden. Die Varroapopulation müsse durch ein bewährtes Bekämpfungskonzept unter der Schadensschwelle gehalten werden.

Chemische Keule

Fachwart Ingo Schwieder ging in seinem Vortrag auf die Wirkung von Pflanzenschutzmitteln wie den Neonicotinoiden ein, die eine "besorgniserregende Abnahme" der Insekten in den vergangenen Jahrzehnten verursacht hätten. Der Fachwart erläuterte beispielhaft, wie Pestizide auf die Bienen einwirkten und zu Desorientierung der Sammlerinnen und zu geringerer Fruchtbarkeit der Königinnen führten. (pko)

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