15.12.2017 - 20:00 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

In Hubert Kroners Blasinstrumentenwerkstatt werden lädierte Instrumente wieder heil Arzt für Tuba und Trompete

Die Trompete kommt nur zur "Vorsorge". Die Posaune allerdings leidet unter deutlichen Korrosions-Flecken, sie wird langsam gebrechlich. Hubert Kroner hat für fast alle Patienten aus Blech eine Arznei, die sie zum Klingen bringt

"Solange der Musiker ein Bier trinkt, geht mir die Arbeit nicht aus." Zitat: Hubert Kroner, Metallblasinstrumentenmachermeister
von Monika Bugl Kontakt Profil

Die "Patienten" kommen aus einem Umkreis von mehr als 60 Kilometern in die "Praxis" in der Gerhardinger Straße in Neunburg, denn Hubert Kroners Fachgebiet findet sich nicht gerade häufig. Er ist vermutlich der einzige in der Oberpfalz, mit der ausgesprochen langen Berufsbezeichnung "Metallblasinstrumentenmachermeister". Genau genommen gehört auch noch Schlagzeug zu seinem Metier, und Holzblasinstrumente sind ihm auch nicht fremd.

"Ich hab hier ja auch weit und breit keine Konkurrenz", sagt der 52-Jährige mit einem Schmunzeln. Gerade ist ein neuer "Patient" eingetroffen, in einem riesigen Karton. Er muss sich hinten anstellen in der Reihe mit schwarzen Koffern, die jede Menge Messing bergen. Weich gebettet auf der Werkbank liegt eine Trompete, die Kroner zerlegt hat, mit Luftdruck reinigt und mit pflegendem Öl behandelt. "Ihr fehlt nichts. Was sie braucht, ist nur ein Kundendienst", zieht der Meister Parallelen zum Service für Autos.

Doch in seiner Werkstatt liegen auch Instrumente für jede Menge größerer Blessuren parat: Schraubenzieher in allen Größen sind für ihn wie das Skalpell für den Chirurgen. Oft muss er seine blechernen Kunden aber auch grob traktieren, wenn sie mit großen Beulen kommen. Mit Metallkugeln in allen Durchmesser-Größen sorgt er für perfekte Rundungen, wo Sturzschäden zu beklagen sind. "Solange der Musiker ein Bier trinkt, geht mir die Arbeit nicht aus", lautet sein Standardsatz, wenn er die Reparaturen benennen soll.

Mit "Zinkfraß" zu tun

"Das hier ist Zinkfraß", sagt Kroner und zeigt auf unansehnliche Flecken auf einem gebogenen Stück Messing, die auf den ersten Blick nur wie ein Schönheitsfehler aussehen. Feuchtigkeit und Alter haben dem Instrument zugesetzt, "das gibt irgendwann ein Loch", weiß der Fachmann. Sein Rezept: Flicken drauf und löten - oder ein Ersatzteil. Immer von grob zu fein. "Manche Schulklasse habe ich schon erschreckt, wenn ich mit dem großen Hammer auf die Teile eingeschlagen habe", erinnert sich Kroner, der sich genauso gut auf Feinarbeit versteht. Auf die Feile folgt dann das Schleifleinen, danach die Schleifpaste und schließlich die Poliermaschine,

In der Ecke lehnt noch die große Schöpfkelle mit geronnenem Blei, falls der Handwerksmeister mal selbst ein Rohr mit Bleifüllung in Form biegen muss, aber die meisten Hersteller liefern Ersatzteile. "Da gibt es Bogenmacher, die nur solche Bögen herstellen."

Für Kroner hat alles mit einer Tuba angefangen. Weil er groß und kräftig war, hat er dieses Instrument als 14-Jähriger für die Stadtkapelle erlernt und über die Bundeswehr im Heeresmusikkorps mal kurz in den Profibereich hineingeschnuppert. Nach der Bundeswehrzeit wollte er nicht studieren, sondern lieber etwas Handfestes machen. Er fand eine Lehrstelle in Geretsried (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen) und reparierte schon bald die Instrumente aus dem Kollegenkreis der Stadtkapelle. Damit hatte er gleichzeitig die ersten Stammkunden für seine spätere Werkstatt in Neunburg gewonnen.

Immerhin war die Neunburger Stadtkapelle auch wegweisend für Kroners Gesellenstück: eine Tuba. Als Meisterstück folgte ein Cimbasso (Bass- oder Kontrabass-Ventilposaune). Letzteres steht noch immer im Dienst der Musik. Kroner leiht das Instrument hin und wieder einem Tuba-Spieler am Regensburger Stadttheater. Längst hat der Fachmann auch Holzblasinstrumente als Patienten angenommen. Für seltenere Exemplare wie Oboe oder Fagott weiß er die Adresse des richtigen Fachmanns.

Wenig Konkurrenz

"In meinem Beruf braucht keiner neidisch sein, zu reparieren gibt es immer etwas", stellt er klar - und der nächste Kollege ist weit weg. Für einen Lehrling allerdings ist sein Werkstatt zu klein. Dafür gebe es Auflagen, wie beispielsweise eine computergesteuerte Drehbank, "die haben nur größere Firmen". Ob es irgendwann einen Nachfolger gibt, der angeschlagene Blasinstrumente kuriert, steht in den Sternen. Kroners älteste Tochter ist erst 14. Um dem Fachkräftemangel vorzubeugen, gibt es inzwischen eine Fachschule für Blasinstrumentenbau - in Mittenwald, wo der Geigenbau seine Heimat hat.

Solange der Musiker ein Bier trinkt, geht mir die Arbeit nicht aus.Hubert Kroner, Metallblasinstrumentenmachermeister

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