Menschen retten ohne Bezahlung

Mit ihren beiden Fachgruppen, dem "Helfer vor Ort" und der "Unterstützungsgruppe Rettungsdienst" war die BRK-Bereitschaft Neunburg im vergangenen Jahr bei 227 Einsätzen mit 400 Einsatzstunden gefordert. Bild: hfz
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Neunburg vorm Wald
04.01.2017
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"Ach, der Rettungsdienst ist schon da", das hören BRK-Leiter Maximilian Lang und seine Kollegen oft wenn sie am Einsatzort eintreffen. Leuchtrote Hose und Einsatzjacke mit BRK-Emblem und Rückenschild, ein baugleicher Rettungswagen, Alarmierung rund um die Uhr möglich, da gibt es natürlich viele Gemeinsamkeiten mit dem öffentlichen Regelrettungsdienst.

Doch Lang und seine ehrenamtlichen Helfer haben mit ihren beiden Fachgruppen, dem "Helfer vor Ort" und der "Unterstützungsgruppe Rettungsdienst" eine ganz andere Mission: sie retten ausschließlich ehrenamtlich ohne Bezahlung und das an 365 Tagen im Jahr.

Hervorragendes Team

Bereitschaftsleiter Maximilian Lang blickt auf ein weiteres einsatzstarkes und bewegendes Einsatzjahr zurück und kommt gleich auf den Punkt: Ohne eine hervorragende Mannschaft im Rücken sind Geräte und Fahrzeuge nutzlos - erst durch die ehrenamtlichen Helfer wird die Ausrüstung lebendig und kann Leben retten. Im Schnitt ist man mit dem bereitschaftseigenen Rettungswagen ab Alarmierung in 5 Minuten einsatzbereit, mit dem Helfer vor Ort geht's noch schneller und hat meist einen Zeitvorteil von 10 Minuten.

Das sei eine unbezahlbare doppelte Bonusversorgung für die Pfalzgrafenstadt und die umliegenden Gemeinden. Im vergangenen Jahr gab es viele Einsätze, nach denen die Sanitäter erleichtert waren, dass alles gut für die Patienten ausgegangen ist. Besonders Einsätze mit Säuglingen und Kindern fordern enorm, so lang, gehören sie doch nicht zum alltäglichen Einsatzbild. Aber auch das Meldebild "Allergische Reaktion" lässt den Puls eines Retters höher schnellen - hier kommt es wirklich auf Minuten und auf die richtigen Sofortmaßnahmen an.

Hier können die Ehrenamtlichen voll ihre Zeit ausspielen, wenn der Regelrettungsdienst bereits bei einem Paralelleinsatz gebunden ist. 5 385 Einsatzkilometer wurden auch landkreisübergreifend zurückgelegt. Das Krankenhaus in Schwandorf, das Klinikum in Amberg sowie die Kliniken in Regensburg sind dabei die Haupttransportziele. Bei sechs Einsätzen kam die Reanimationshilfe LUCAS 2 zum Einsatz. Besonders in Erinnerung geblieben ist Lang hier ein Einsatz, bei dem aufgrund eines Herz-Kreislaufstillstandes zunächst die mechanische Reanimationshilfe angefordert wurde und zum Einsatz kam, später dann durch die Besatzung des Rettungshubschraubers noch die Herz-Lungen-Maschine an den Patienten angeschlossen wurde. Dabei betont Lang, dass LUCAS 2 nicht das Standardgerät bei Einsätzen mit Herz-Kreislaufstillstand ist.

"Nur eine gute Zusammenarbeit mit allen Einsatzkräften und den örtlichen Hilfsorganisationen führt zum Ziel," so Lang. Dies klappe in Neunburg mit Feuerwehr, THW, Wasserwacht und der Polizei tadellos. Neben einem Allrad-HvO besitzt die Bereitschaft nun auch einen Allrad-Rettungswagen mit Klimaanlage. Verkaufserlös, Fördermittel und ein großer Eigenanteil der Bereitschaft sicherten die Finanzierung des Rettungswagens in Höhe von 14 000 Euro ab. Stolz ist BRK-Leiter Lang auf die immer währende Hilfe vieler Sponsoren. Alleine Treibstoffkosten jährlich in Höhe von 1 500 Euro wären nicht zu stemmen, ganz zu schweigen von den Kosten für Versicherungen, Wartungen und Reparaturen.

Große Herausforderungen

Eine große Herausforderung war 2016 auch die Umstellung auf den Digitalfunk. Neben den Fahrzeugfunkgeräten konnten dank einer finanziellen Spende auch alle digitalen Handfunkgeräte angeschafft werden. Neben den nicht planbaren Einsätzen gab es im vergangenen Jahr mit der BR-Radltour auch planbare Herausforderungen. Die anstehenden Veranstaltungen anlässlich der 1000-Jahr-Feier der Pfalzgrafenstadt werden eine besondere Herausforderung sein. Spannend wird auch die Frage sein, wer ab April an der Spitze des BRK stehen wird, denn dann endet nach 12 Jahren die dritte Wahlperiode von BRK-Leiter Lang.

8 000 Stunden Bereitschaft, 400 EinsatzstundenDie Einsatzzahlen blieben wie auch 2015 auf einem hohen Niveau. Waren es im Jahr 2009 "nur"141 Einsätze, so wurde im vergangenen Einsatzjahr 227 mal (51mal Unterstützungsgruppe Rettungsdienst | 176mal Helfer vor Ort) zu Einsätzen aller Art alarmiert. Dabei sind es nicht einmal die reinen Einsatzstunden, die diesen Dienst so schwierig machen, sondern auch das plötzliche heraus gerissen werden aus dem Privatleben. Über 8 000 Bereitschaftsstunden und knapp 400 reine Einsatzstunden lassen sich gut auf die Helfer verteilen wenn alle mitanpacken. Neben Florian Binder, Patrick Wolf, Lothar Wolf, Manfred Butter, Andreas Beer, Stefan Dirnberger, Stephan Habich und ganz besonders Erich Habich, der eine Vielzahl dieser Bereitschaftsstunden übernimmt, gibt es in Neunburg engagierte junge Nachwuchskräfte wie Martina Prechtl, Christian Prechtl und Katharina Jonas , welche seit 2016 in den beiden Fachgruppen tatkräftig unterstützen und alle ihre Ausbildung zum Rettungsdiensthelfer oder Rettungssanitäter erfolgreich abgeschlossen und auch den Führerschein für den großen Rettungswagen in der Tasche haben.
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