17.11.2017 - 20:00 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Second-Hand-Laden Emma hat die Testphase hinter sich Kleines Glück im neuen Kleid

Mitten im Geschäft parkt ein Kinderwagen samt Baby. Die große Schwester verdrückt sich in die Spielecke, und Verkäuferinnen begrüßen ihre Kunden mit einer Umarmung. Eng, aber herzlich geht es zu an diesem Freitag im Neunburger Kleiderladen "Emma".

Montags kommen vor allem viele Senioren aus der Gegend zu "Emma" , am Freitag ist öfter "Asyl-Treff" zwischen Kleiderbügeln. Bilder: Bugl (4)
von Monika Bugl Kontakt Profil

Das Schaufenster ist mit Werbung überklebt, wer bei "Emma" nach einem Schnäppchen sucht, muss sich schon hineintrauen in den kleinen Laden in der Vorstadt, der früher einmal Brot und Brezen im Angebot hatte. Jetzt stapeln sich dort Schuhe, Taschen, Tücher, Tops und Jacken oder Mäntel. Hier und dort steckt ein Plüschtier zwischen Stiefeln oder Shirts und findet prompt zwei begeisterte Kinderhände.

Seit zwei Jahren gibt es den Second-Hand-Laden, der nicht den Profit anpeilt, sondern eine sinnvolle Kleider-Vermittlung - nicht nur für Flüchtlinge. Und inzwischen ist er längst zu einer Anlaufstelle in Sachen Integration geworden. "Anfangs haben sich eher Männer hierher getraut, inzwischen ist es bunt gemischt", erzählt Martina Bucher, die an jedem Freitagnachmittag ehrenamtlich hinter der Ladenkasse steht. Erst recht, seit die Frauen im Deutschkurs für Asylsuchende von dem Angebot erfahren haben.

Jetzt, wo warme Jacken, Mäntel und Mützen gefragt sind, stehen am Freitagnachmittag schon vor Ladenöffnung um 16.30 Uhr Interessierte an der Eingangstüre Schlange. Da trifft auch schon die erste Lieferung gebrauchter Klamotten ein.

"Tag-und-Nacht-Sortierer"

"Emma"-Gründerin Elke Reinhart ruft nach einem starken Mann, der den Spendern beim Tragen hilft. Und Angela Gruber verschwindet hinter den Kulissen, um die neue Ware in Augenschein zu nehmen. "Unser Tag-und-Nacht-Sortierer und das Herz des Kleiderladens", scherzen die Kolleginnen, die alle ein Namensschild tragen, damit sie auch als "Personal" zu identifizieren sind.

Etwa 20 bis 25 Freiwillige gehören zu dem Team, das sich um neue Besitzer für modische Teile von gestern kümmert. Nicht alle sind ständig aktiv, "aber die braucht man auch", sagt das Stamm-Personal. "Die Elke ist hier der Kopf", erklärt Martina Bucher mit Blick auf die Initiatorin. "Aber ich bin eigentlich nur noch am integrieren", schränkt Reinhart ein und meint damit Organisatorisches. Denn in den Laden kommen auch alle, die Hilfe brauchen, wenn ihr Kind im fremden Land in Schule oder Kindergarten soll oder eine Wohnung gesucht wird.

Da ist die hochschwangere Frau, die einen handgeschriebenen Zettel vorzeigt. Von einem Baby ist dort zu lesen, das am 25. November kommen soll und etwas zum Anziehen braucht. Die Tüte mit der Erstausstattung steht schon parat. "Wir hätten da noch einen Bademantel fürs Krankenhaus", schlagen die "Emma"-Mitarbeiter vor.

In der improvisierten Umkleidekabine probiert währenddessen ein älterer Herr mit Halstuch eine Jacke an, beäugt sich kritisch im Spiegel und überlegt lange - auch wenn das Kleidungsstück wie alles im Laden eigentlich fast nichts kostet. "Wir sind ja gemeinnützig, es gibt da nur einen Vorschlag, wie viel man spenden sollte", berichten die Mitarbeiter. Weil gut 80 Prozent der Kunden wirklich bedürftig sind, gibt es vieles umsonst.

Freude retour

Die "Käufer" zücken trotzdem ganz selbstverständlich das Portemonnaie, und die Träger der Einrichtung (siehe Info-Kasten) sind um ein paar Euro reicher, mit denen man Menschen helfen kann. Das Geschäftsmodell "Emma" hat sich in den zwei Jahren seit der Gründung fest in Neunburg etabliert. "Es läuft, man muss allerdings eine Menge dafür tun", räumt Initiatorin Reinhart ein. "Aber wenn man was reinsteckt, kommt auch was zurück." Da sind diese ganz speziellen Momente wie neulich, als eine Kundin glücklich in der Schachtel mit den Übergrößen fündig wurde und zum Geburtstag auch noch ein Stück Torte kredenzt bekam: "Die Frau hat sich gefreut wie ein Schnitzel", strahlt Elke Reinhart.

Jeder Einkauf eine Spende

Jeder Einkauf bei "Emma" (Neunburg, Vorstadt 20) ist eine Spende. Geöffnet hat der Kleiderladen mit dem Motto "Einfach Mode mehrmals anziehen" Montag und Freitag jeweils 16.30 bis 18 Uhr. Träger ist das Bayerische Rote Kreuz, Initiator und Förderer der Rotary-Club Oberpfälzer Wald/Oberviechtach. Der Laden nimmt gebrauchte Kleider, Schuhe, Handtücher und Bettwäsche entgegen, vermittelt aber hin und wieder auch komplette Zimmer-Einrichtungen, von Schrank, Tisch und Bett bis hin zu Geschirr. "Besonders gefragt sind zurzeit Teppiche, aber wir haben momentan keine", berichten die "Emma"-Mitarbeiter, die den Bedarf auch mal auf Facebook posten. Für Freitag werden noch Helfer gesucht. (bl)

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