08.08.2017 - 21:54 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Serie "Die Protokollantin" mit Filmset in Neunburg vorm Wald ZDF-Dreh am Dorffriedhof

"Alles bereitmachen zum Drehen, bitte absolute Ruhe." Seit Montag hat sich der Neunburger Ortsteil Seebarn in eine Filmkulisse verwandelt. Bei den Dreharbeiten zur ZDF-Krimiserie "Die Protokollantin" stehen auch fast 70 Komparsen aus der Region vor der Kamera.

von Philipp Mardanow Kontakt Profil

Neunburg-Seebarn. Fast das ganze Dorf scheint in diesen Tagen ein Filmset zu sein: Am Sportheim des SV hat die etwa 50-köpfige Crew ihre Basis aufgeschlagen. Lastwagen mit technischem Equipment sind geparkt, "und außerdem haben wir Maske, Garderobe und das Catering hier eingerichtet", erzählt Sven Arnold, der zuständige Motiv-Aufnahmeleiter. Das Produktionsteam nutzt die Infrastruktur vor Ort - "ich hab' hier Starkstrom und ich kann die sanitären Einrichtungen nutzen". Lediglich eine zusätzliche Mülltonne habe bestellt werden müssen.

Wirtshaus öffnet wieder

Das Dorf ist am Dienstag nahezu abgeriegelt, um einen reibungslosen Dreh zu garantieren. Das Landratsamt Schwandorf hat eine Straßensperre angeordnet, an den Ortseingängen stehen Aktive der Feuerwehr Seebarn. Die Dorfstraße, der Kirchplatz und der Friedhof sind Drehorte für einen Trauerzug und eine Beerdigung. Später kehrt sogar ins frühere Gasthaus Schindler am Dorfplatz wieder Leben ein - hier filmt die Crew einen Leichenschmaus.

Hauptdarsteller der fünfteiligen Reihe sind Iris Berben und Moritz Bleibtreu. Beide sind vor Ort, allerdings sind Fotoaufnahmen der zwei Stars ausdrücklich nicht erwünscht. Helmut Mardanow, der als Komparse mitwirkt und in nächster Nähe der beiden Schauspieler beim Dreh agiert, hat bei ihnen aber "keinerlei Star-Allüren" ausgemacht. "Überhaupt herrscht hier eine ziemlich gelöste Atmosphäre", berichtet er. Diesen Eindruck bestätigt auch der Neunburger Stadtpfarrer Stefan Wagner, der seine Rolle als Geistlicher nicht groß spielen muss. Überrascht habe ihn vielmehr, dass Dreharbeiten eine "langwierige Sache" sind: "Dass eine einzige Szene aus so vielen Blickwinkeln gefilmt wird, war mir gar nicht so bewusst."

Insgesamt 66 Komparsen aus der Region hat die Firma "Moovie" für die Dreharbeiten verpflichtet. "Viele kommen aus Seebarn und Neunburg", berichtet Motiv-Aufnahmeleiter Sven Arnold. Darunter sind auch neun Musikanten der Blaskapelle Seebarn, die den Trauermarsch am Friedhof noch einmal live im Originalton in die Aufnahmegeräte spielen. "Bitte absolute Ruhe" heißt es dabei und auch beim Dreh der einzelnen Szenen für die zahlreichen Dorfbewohner, die im Hintergrund die Arbeit des Filmteams verfolgen. Selbst das Klicken eines Kameraauslösers ist dabei tabu.

Die Hobby-Schauspieler müssen sich am Dienstag teilweise schon vor 8 Uhr beim SV-Sportheim einfinden, per Shuttle geht's dann ins Dorf zum Umziehen und in die Maske. Leichte Abdeckschminke im Gesicht muss ausreichen, um die Komparsen fürs Rampenlicht zu rüsten. Jede Sequenz wird zunächst einmal geprobt, Regisseurin Nina Grosse und Kameramann Alexander Fischerkoesen richten die einzelnen Szenen ein. Zum Stab gehören unter anderem auch noch der Erste Aufnahmeleiter Christian Keller und Set-Aufnahmeleiter Bennett Weidemann.

Froh über "nette Leute"

Noch bis zum Ende der Woche werden die Dreharbeiten in der Region laufen. Laut Sven Arnold sind für Mittwoch und Donnerstag Innenaufnahmen am "Kohlhof" der Familie Hösl angesetzt, und "bis Freitagmittag werden wir wieder abgereist sein". Das Filmteam ist während des Drehs im Panoramahotel in Gütenland und im Landhotel in Neunburg vorm Wald untergebracht. Die Schauspieler nächtigen im Landhotel Birkenhof in Hofenstetten. "Wir sind hier gut aufgenommen worden", betont der Motiv-Aufnahmeleiter, der am Sonntag bereits zum Fußballspiel des SV Seebarn vor Ort war - "auch damit die Leute wissen, mit wem sie es zu tun bekommen". Für ihn steht fest: "Die Menschen hier sind nett, wir fühlen uns hier bestens aufgehoben."

Serie läuft erst nächstes Jahr

Es wird noch einige Zeit vergehen, bis die Filmkomparsen aus der Region wissen, ob sie es in die Serie geschafft haben. Der genaue Ausstrahlungstermin für „Die Protokollantin“ steht noch nicht fest – „geplant für 2018“ heißt es bei der „Constantin Television“, zu der die Produktionsfirma „Moovie“ als Tochter gehört.
Die Hauptrollen in der fünfteiligen Serie spielen Iris Berben, Moritz Bleibtreu und Peter Kurth. Kurz zum Inhalt: Freya Becker (Iris Berben) ist Protokollantin in einem Morddezernat und schreibt Tag für Tag Vernehmungen zu Verbrechen nieder. In ihrem Kopf hallen die Stimmen der Täter wider. Sie lebt zurückgezogen, bis auf ihren Bruder Jo (Moritz Bleibtreu) hat sie kaum Kontakt zur Außenwelt, nachdem ihre Tochter vor elf Jahren verschwunden ist. Mit dem Auftreten ihres neuen Chefs, Hauptkommissar Henry Silowski (Peter Kurth), brechen lange schwelende Konflikte auf. Die Idee zu der Serie beruht auf einem Werk von Erfolgsautor Friedrich Ani („Der namenlose Tag“). Nina Grosse hat die Geschichte zu einer Serie entwickelt und auch das Drehbuch verfasst. Zusammen mit Samira Radsi führt sie außerdem Regie. Produziert wird der Beitrag von Oliver Berben und Jan Ehlert.

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