29.10.2017 - 16:52 Uhr
Neunburg vorm WaldOberpfalz

Milchviehbetriebe müssen sich positionieren Transparenz schafft Vertrauen

Milch und Käse verkaufen sich besser mit schönen Fotos von glücklichen Kühen. Doch Tierwohl und Düngung stehen bei den Verbrauchern, angesichts immer größerer Betriebe, zunehmend in der Kritik. Ist der Mythos "bäuerliche Landwirtschaft" schon vorbei? Antworten gab es beim Milchviehtag.

Auch am Nachmittag war das Interesse der Landwirte an den Vorträgen beim fünften Oberpfälzer Milchviehtag in Neunburg groß. Bilder: weu (2)
von Udo WeißProfil

Beim fünften Oberpfälzer Milchviehtag (siehe auch Bericht in der Samstagsausgabe) referierte Professor Alfons Balmann, Direktor des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung und Leiter der Abteilung Strukturwandel. Sein Thema: "Milchviehbetriebe - Zwischen gesellschaftlicher Kritik, Marktanforderungen und politischen Rahmenbedingungen."

Zu Beginn konfrontierte er die Landwirte in der Schwarzachtalhalle mit den Tierwohl-Labels, die auf vielen Produkten in Supermärkten zu finden sind. Damit würden Signale gesetzt, die zum Umdenken der gegenwärtigen Erzeugung von tierischen Lebensmitteln anregen und die Entfremdung zwischen Landwirtschaft und Konsument aufzeigen. Mastviehhaltung, Düngereinsatz, Treibhausgasemission, Rückgang der Insektenzahlen, Schweinekastration und Kürzen der Schnäbel bei Geflügel sind Probleme, mit denen sich die Landwirtschaft von der Gesellschaft her konfrontiert sieht. Diese seien nicht ganz unberechtigt und wurden von Verbänden oft weitgehend geleugnet, so Dr. Balmann. Weitere Vorwürfe, die den Landwirten gemacht werden, beziehen sich auf die hohen Direktzahlungen und Privilegien.

Scheint also der vielfach dargestellte Mythos "bäuerliche Landwirtschaft" endgültig vorbei zu sein? Mit Beispielen aus den USA verdeutlichte der Referent den Wandel der Landwirtschaft hin zur Agrarindustrie mit riesigen Feldern, Tausenden von Milchkühen, modernsten Technologien und ausgeklügelten Geschäftsmodellen. Auch in Deutschland sei die Verlagerung hin zu wenigen großen Betrieben mit Lohnarbeitskräften festzustellen - mit Ausnahme von Bayern. Hier haben drei Viertel aller Milchviehbetriebe weniger als 50 Tiere, die weitgehend von den Familien versorgt werden. "Wie kann Landwirtschaft Vertrauen zurückgewinnen", fragte der Referent. Sie müsse dem Bild der Öffentlichkeit entsprechen und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Enorme Aufholprozesse gebe es in Bereichen wie Tierwohl und Dünger, wozu der Staat klare Verordnungen erlassen müsse. Bauernverbände und Umweltverbände sollten zusammenarbeiten. Einzelhandel und Markenhersteller müssen gegen "schwarze Schafe" aktiv werden, wie dies beim Eierskandal der Fall war, indem man die Eier aus dem Sortiment nahm. Schließlich könne eine Differenzierung durch Labels, wie "Ausstieg aus Gentechnik", dem Verbraucher Sicherheit geben.

Die Akzeptanz der Landwirtschaft in der Gesellschaft zu sichern, sei eine gewaltige Herausforderung, die durch bessere Qualifizierung im Hinblick auf Tierwohl zu bewältigen sei. Neue Vermarktungskonzepte (Regionalität), Transparenz und neue Sorten sowie Anbauweisen können hier mögliche Lösungen sein.

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.