15.11.2017 - 20:16 Uhr
NeusorgSport

Nach angeblich rassistischer Beleidigung SV Neusorg zieht Anzeige zurück

Wo kein Kläger, da kein Richter: Der SV Neusorg zieht seine Anzeige gegen die SpVgg Windischeschenbach wegen rassistischer Beleidigungen zurück. Das Sportgericht stellt daraufhin das Verfahren ein. Was bleibt, sind ein ungeklärter Sachverhalt und Ermittlungen der Polizei. Im Fall des Spielabbruchs steht ein Termin.

Symbolbild: Adobe Stock/Syda Productions
von Alfred Schwarzmeier Kontakt Profil

Neusorg/Windischeschenbach. "Wir wollen das Ganze nicht weiterverfolgen und haben dies dem Sportgericht so mitgeteilt", bestätigt SV-Vorsitzender Norbert Högl den überraschenden Rückzieher. Und er liefert gleichzeitig eine Erklärung mit: "In einem Zeitungsbericht hat sich die SpVgg-Vereinsführung klar gegen Rassismus positioniert. Damit ist die Sache für uns erledigt, wir wollen nicht weiterbohren. Die Sache ist ja sehr hochgekocht."

Die Entscheidung, so Högl, sei auch im Sinne des betroffenen Asylbewerbers: "Er möchte nicht, dass wir weiter etwas unternehmen." Viel Wind um nichts also? Eine solche Interpretation will Högl so nicht stehen lassen: "Von den Vorwürfen selbst distanzieren wir uns nicht. Für das, was an Worten gefallen ist, haben wir Leute, die das bezeugen können."

Zumindest gegenüber dem Sportgericht ist der SV Neusorg jedoch nicht konkret geworden. Wie Gremiumsvorsitzender Lorenz Gebert mitteilt, lägen "keine substanziellen Fakten" vor: "Vom SV Neusorg wurde keine einzige rassistische Äußerung konkret benannt." Zudem habe der Schiedsrichter in seiner Stellungnahme angegeben, "nichts gehört zu haben." Da der SV Neusorg die Anzeige zurückgezogen habe, sei das Verfahren zwangsläufig eingestellt worden: "Wir vom Sportgericht werden ja nicht von Amts wegen tätig."

Bei der SpVgg Windischeschenbach ist weniger Genugtuung, sondern vielmehr Erleichterung spürbar. "Wir wollen endlich wieder zur Ruhe kommen", sagt Werner Meinert. Dass "irgendwelche Namen geflogen sind", will der 2. Vorsitzende nicht ausschließen. "Aber welche? Keine Ahnung." Der hauptbetroffene Spieler habe etwas gesagt, aber er habe versichert, dass dies keine rassistische Beleidigung war. Und überhaupt: Fremdenfeindlichkeit habe keinen Platz im Verein. "Wir haben einen Patenverein in Äthiopien. Da haben wir bereits Trikots hingeschickt", berichtet Meinert. Und am 9. Dezember richte die SpVgg ein Hallenturnier aus. "Der Erlös ist auch für Äthiopien bestimmt."

Schnell zur Ruhe kommen wird die Spielvereinigung jedoch nicht. Bei der Neustädter Polizei laufen weiterhin Ermittlungen. Und zwar nicht nur wegen des Verdachts rassistischer Äußerungen, sondern auch wegen Körperverletzung. "Da gibt es strafrechtlich relevante Vorwürfe, die müssen aufgeklärt werden", sagt ein Polizeisprecher. Dies betrifft auch das A-Klassen-Spiel zwischen den ersten Mannschaften der SpVgg Windischeschenbach und dem VfB Weiden am gleichen Tag. In den Schlussminuten kam es zu diversen Handgreiflichkeiten. Die Bilanz: Verletzte Spieler, die im Krankenhaus behandelt wurden, und ein Spielabbruch beim Stand von 3:1 für Windischeschenbach. Nun sollen Vernehmungen Licht ins Dunkel unterschiedlicher Darstellungen bringen.

"Ich bin bereits vernommen worden", berichtet Lorenz Gebert. Das Sportgericht und die Polizei arbeiten laut Gebert Hand in Hand und tauschen - mit Genehmigung des Bayerischen Fußballverbandes - ihre Ermittlungsergebnisse aus. Vor dem Sportgericht wird der Spielabbruch am 24. November mündlich verhandelt. "Ich bin selber gespannt, was dabei rauskommt", sagt Gebert. Wenn das Urteil gesprochen ist, will die SpVgg Windischeschenbach eine interne Aufarbeitung der unerfreulichen Ereignisse starten. "Dann werde ich mich auch beim SV Neusorg melden", kündigt Meinert an. "Da muss man sich mal zusammensetzen."

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