11.12.2015 - 02:00 Uhr
NeusorgOberpfalz

Damals mit der Bahn Kein Zug nach Irgendwo

Das Ortsbild von Mehlmeisel hat sich - von Brand her kommend - im Laufe der jüngsten Zeit sehr verändert. Die "Holzwolle" wurde abgerissen und die gegenüberliegende Brandruine entsorgt.

Auch ein Bahnhof ist vergänglich. Wenn der Bagger anrollt, bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. Bild: gis
von Gisela KuhbandnerProfil

Mehlmeisel. Seit vergangener Woche erinnert nur noch eine Stein-und Ziegelmauer an die ehemalige Bahn-Haltestelle Unterlind. Dieses Gelände ist ausgewiesenes Gewerbegebiet, erklärt Bürgermeister Franz Tauber, und es wird künftig auch als solches genutzt werden. Konkretes will er erst dann sagen, "wenn alles komplett in trocknen Tüchern ist". Der Abriss ist aber auch Grund genug, auf die 125-jährige Geschichte des Gebäudes und über fast 95 Jahre Bahnverkehr zurückzublicken:

Heimatforscher Josef Wiche hat ise für uns in der Ortschronik geblättert: Der Bahnhof Unterlind war im Jahr 1890 als "Haltestellengebäude" errichtet und mit der Eisenbahnlinie Neusorg-Fichtelberg noch am 20. Dezember gleichen Jahres in Betrieb genommen worden. "Entscheidend für den Standort der Haltestelle war die Nähe zur benachbarten Glasschleiferei (das heute abgebrochene Fabriksgebäude). Die Eisenbahn brachte rohe Glasplatten aus Böhmen hierher, sie wurden geschliffen und anschließend weiter transportiert nach Fürth. Ein Nebengeleis führte direkt vom Unterlinder Bahnhof, den die Gemeinde 2002 noch außen renovierte, über die Naabbrücke zum Fabrikgelände. Verantwortliche "Haltsteller" aus Unterlind kümmerten sich um die Amtsgeschäfte und stellten "Billetts" aus.

Der allererste "Haltsteller" war ab 1890 der "Gore-Toni" aus Unterlind 6, der etwa 1904/05 nach Amerika ausgewandert ist", berichtet Josef Wiche. Viele Jahrzehnte wurde der Bahnhof mehrmals täglich von Güter- und Personenzügen angefahren. Der "Triebwagen" immer voll besetzt, brachten schon um 6 Uhr früh Fahrgäste aus den umliegenden Dörfern zu den damals noch zahlreichen Arbeitsplätzen in jetzt größtenteils nicht mehr existierenden Betrieben nach Fichtelberg.

Am 30. Mai 1976 wurde der Personen-Linienverkehr eingestellt. "Es folgten noch einige Jahre mit minimalem Güterverkehr. Doch am 15. September 1984 fuhr der letzte "Bockl" den Bahnhof Unterlind an", weiß Josef Wiche. Aus der Bahnstrecke wurde ein viel und gern genutzter Wander- und Radweg.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.