29.10.2017 - 20:00 Uhr
NeusorgOberpfalz

Kirchengemeinde Neusorg erinnert an den Reformator Wie einst bei Luther

So ähnlich muss es am Tisch des Reformators selbst zugegangen sein: Etwas Gutes zum Essen und zum Trinken, dazu Tischreden, die zum Lachen und zum Nachdenken brachten. Die Besucher in Neusorg erlebten tatsächlich einen wahren Luther-Abend.

Gut angenommen wurde der Lutherabend in der evangelischen Christuskirche in Neusorg. Bild: lpp
von Autor LPPProfil

Heiter ging es zu beim gut besuchten Lutherabend in der evangelischen Christuskirche in Neusorg. Die Kirchengemeinde hatte zum Abend mit Luthers Tischreden eingeladen. Redewendungen und Bibelzitate, die in den Volksmund Eingang fanden, waren ebenfalls zu hören. Die Besucher wurden an herbstlich dekorierten Tischen empfangen, herzhafte Happen und Zoigl standen bereit. Pfarrer Andreas Kraft beschrieb Luther als ernsten Mann, der Gott ernst genommen habe. Er sei aber auch humorvoll gewesen und habe Gesellschaft geliebt: "Man soll dem Menschen Gutes geben, damit es ihm gut gehe". Und wenn Gott schon den Menschen so viel Gutes zukommen lasse, dann dürfe man das auch alles essen.

Luther nannte seine Ehefrau Katharina Bora "Herr Käthe", Mit ihr führte er ein großes Haus, lebte dort mit seinen sechs Kindern und zwischen 20 und 50 Studenten, Witwen, Kindern und viel Besuch. Seine Frau verstand es, die Wirtschaft zu führen und hielt einen umfassenden Haushalt mit Gärten, Tieren, einer Landwirtschaft und einer eigenen Brauerei in Gang. Luther jedoch wollte kein "theologischer Schankwirt" sein und verweigerte Eintrittsgelder. Fleisch, Fisch und Gemüse sei damals auf den Tisch gekommen und die Tischreden Luthers waren berühmt dafür, dass er kein Thema ausließ. Die Besucher machten sich Notizen und hielten die Reden schriftlich fest, so dass sie heute zur Verfügung stehen.

Eingebettet in Luthers Zeit, solle man die Ausdrücke und Reden verstehen, verdeutlichte Pfarrer Andreas Kraft. Mit seiner Frau, Pfarrerin Cornelia Kraft, trug er Zitate und Sprüche vor, die das Publikum oft herzlich lachend, teils überrascht aufnahm. Luther sprach über das Geld, die Ehe - "Ehestand geht vor allen Ständen", über das Gebet, das Feiern und prägte zahlreiche Begriffe.

Durch die Übersetzung der Bibel ins Deutsche, Luther bediente sich an seinen Wohnorten Eisenach und Wittenberg sowohl des Nieder- als auch des Hochdeutschen, fanden viele Begriffe wie Lückenbüßer, Machtwort, Lästermaul, Morgenland oder friedfertig den Weg in den Volksmund. "Der Mensch denkt, Gott lenkt" oder der hebräische Begriff Tohuwabohu sowie das "Leviten lesen", "ein Dorn im Auge" oder "Perlen vor die Säue" stammen aus dieser Zeit.

Luther war sehr musikalisch und schrieb rund 40 Lieder, davon sind einige im evangelischen Gesangbuch und auch im katholischen Gotteslob zu finden. Er verdiente sich als Kind Geld, in dem er für die Leute sang: "Gäbe es keine Musik, wäre mein Leben arm." Eine Beschreibung eines Zeitgenossen nennt Martinus "im Schelten zu heftig und beißend...." - frei nach dem Motto "Tu's Maul auf".

Mit Liedern, begleitet von Cornelia Kraft an der Gitarre, gestalteten die Besucher den Abend gesanglich mit. Ein Lutherquiz beschloss den unterhaltsamen Abend. Hier zeigte sich das breite Allgemeinwissen der Besucher. Danach blieb Zeit, sich an den Tischen zu unterhalten.

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