27.03.2017 - 18:58 Uhr
NeusorgOberpfalz

Leiche von Hans Wunderlich gefunden Über 72 Jahre im Moor

Der Zweite Weltkrieg steht als eines der schrecklichsten Ereignisse im Geschichtsbuch der Menschheit. Rund 80 Millionen Tote sind die unfassbare Bilanz. Unzählige gelten heute noch als vermisst. Das Schicksal von Hans Wunderlich aus Neusorg ist nach über 72 Jahren geklärt. Licht ins große Dunkel brachte ein 14-Jähriger aus Dänemark.

"Der Soldatenfreund - Taschenjahrbuch für die Wehrmacht mit Kalendarium für 1944". Dieses Büchlein gehörte Hans Wunderlich. Die persönlichen Gegenstände sind im Nordjütländischen Historischen Museum in Alborg (Dänemark) ausgestellt. Bilder: dpa/Nordjyllands Historiske Museum (4)
von Manfred Hartung Kontakt Profil

Am 10. Oktober 1944 startete der Wehrmachts-Pilot Hans Wunderlich - gerade einmal 19 Jahre alt - mit seiner ME 109 Messerschmitt zu einem Flug über Dänemark. Von dem jungen Mann und seinem Jagdflugzeug fehlte seither jede Spur. Bis jetzt. Am 8. März fanden der Schüler Rom Kristiansen und sein Vater Wrackteile sowie die sterblichen Überreste des gebürtigen Neusorgers in einem Moor bei Birkelse in Nordjütland.

Dass sich Vater und Sohn überhaupt auf die Suche machten, ist dem Interesse des aufgeweckten 14-Jährigen am Geschichtsunterricht zu verdanken. Entsprechend inspiriert brachen sie mit dem Spaten auf. Der Opa des Buben hatte damals den Absturz von seinem Bauernhof aus zwar gehört, aber nie Spuren der Havarie entdeckt. Erst seine Nachfahren führten detektivischer Spürsinn und ein Metalldetektor zum Unglücksort in einem inzwischen trockengelegten Sumpfgebiet.

In einigen Metern Tiefe stießen die Kristiansens auf das Wrack. Auch Munition und der Motorblock konnten geborgen werden. Laut einer Meldung des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags haben Fachleute des Nordjütländischen Museums alle Fundstücke eingehend gesichtet. Dazu gehören auch die Brieftasche des Toten, Kondome, Münzen, Zigarettenpapier und Essensmarken für die damalige deutsche Kaserne in Aalborg.

Die "Deutsche Dienststelle (WASt) für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht" in Berlin bestätigte die Identität Hans Wunderlichs und beurkundete den Todesfall. Amtlich bestätigt wurde der Tod Wunderlichs übrigens bereits am 5. März 1945 im Rathaus von Holenbrunn (Stadt Wunsiedel), dem Wohnort seines Vaters. Wehrmachts-Pilot Hans Wunderlich hat keine lebenden Nachfahren. Er war unverheiratet und kinderlos.

Ob die sterblichen Überreste in heimatliche Gefilde überführt werden, steht nicht fest. Zuständig wäre hierfür der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Den Neusorger Bürgermeister Peter König macht dieses Schicksal betroffen:

Schrecklich, was diesem jungen Menschen passiert ist. Wenn man nach so langer Zeit mit so einem Ereignis konfrontiert wird, geht einem das trotzdem nahe.Bürgermeister Peter König

Hintergrund

Wer war Hans Wunderlich?

Neusorg. (man) Als die ersten Meldungen über die Identifikation von Hans Wunderlich in der Presse und im Netz standen, war Bürgermeister Peter König betroffen und gleichzeitig wie elektrisiert. Der Verwaltungschef forschte sogleich in alten Unterlagen und wurde fündig: Standesamtlich beurkundet ist, dass Wunderlich am 22. Juli 1925 in Neusorg zur Welt kam als Sohn des Kfz-Führers Johann Wunderlich und seiner Ehefrau Sophie. Neusorg war seinerzeit keine eigenständige Kommune, sondern ein Ortsteil der damaligen Gemeinde Schwarzenreuth. Selbstständig wurde der Ort erst 1949.

Die Familie Wunderlich wohnte damals im Anwesen mit der Hausnummer 61, aus dem später die Adresse "Luisenburgstraße 6" wurde. Auf der Vermissten-Tafel in Neusorg sucht man den Namen von Hans Wunderlich vergeblich. Er ist nämlich mit seinen Eltern und seiner Schwester Lissilotte irgendwann zwischen 1929 und 1935 - exakt lässt sich das nicht mehr feststellen - nach Holenbrunn gezogen, heute ein Ortsteil von Wunsiedel. Im dortigen Standesamt ist aus den unvollständigen Unterlagen der ehemaligen Gemeinde Holenbrunn nicht ersichtlich, dass ein Hans Wunderlich zwischen 1929 und 1935 dort gemeldet war, wohl aber sein Vater. Die Eltern sind seit langem verstorben. Schwester Lissilotte, die am 15. Juni 1928 ebenfalls in Neusorg das Licht der Welt erblickte, starb kinderlos am 10. Februar 2006 in Marktredwitz. Darüber hinaus gibt es keine lebenden Verwandten des ledigen Soldaten.

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