Reinhard Schöffel aus Neusorg sammelt Krippen
Das ist mein Leben

Vermischtes
Neusorg
28.12.2016
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"Krippen sind meine Leidenschaft, seit ich sieben Jahre alt war". Reinhard Schöffel aus Neusorg ist jetzt 67. Der Metzgermeister hält das ganze Jahr über Augen und Ohren offen, um seine große Sammlung weiter wachsen zu lassen.

Beim Waldspaziergang, beim Durchstreifen von Baumärkten und Krippenstuben, im Urlaub in Oberammergau, Mittenwald oder Bamberg - überall findet er dekoratives Beiwerk für sein liebstes Hobby. Mal sind es schöne Steine, ein andermal ein bemooster Ast oder schön geformte Rinden und Krippenfiguren. Aber woher kommt diese Leidenschaft? Aus dem Elternhaus wahrscheinlich nicht, denn Vater und Mutter hatten keine Krippe. Die Wohnung war zu klein und die Eltern legten keinen Wert darauf. Doch der kleine Bub wünschte sich nichts sehnlicher als eine Krippe, stand deshalb stundenlang in der nahe gelegenen Pfarrkirche Patrona Bavariae. In den Nachkriegsjahren gab es in Neusorg noch eine "Kirwa" mit Marktständen. Reinhard Schöffel ging mit seinem Ersparten Geld dahin. "Immer im Herbst gab es einen Stand mit Krippenfiguren", erinnert er sich. Da kaufte er sich die ersten Teile, das Stück für zwei Mark.

Erst hieß es zu Hause: "Jetzt kommst Du schon wieder mit so einem Glump heim." Aber später unterstützten die Eltern den jungen Mann und schenkten ihm zum 16. Geburtstag eine Krippe. Auch in der ehemaligen Mesnerin Dora Preundtner fand Schöffel eine Verbündete. Sie baute die Krippe in der Kirche auf und brachte ihm Figuren mit nach Hause.

Die Sammelleidenschaft ließ Schöffel nie los. Während der Adventszeit stehen und hängen in seinem schmucken Anwesen im Herzen von Neusorg zahlreiche, liebevoll arrangierte, aber auch überraschende Kunstwerke. Noch bevor man das Haus betritt, begrüßt den Besucher eine kleine, auf einem Holzbrett montierte Krippe. Sie hängt vor der Ladentür der ehemaligen Metzgerei. Kreativ gestaltet ist auch das Umfeld mit Fichtenzweigen und Holzsternen. "Das macht meine Frau Monika", sagt Schöffel. Eine Schwingel-Krippe zieht im Treppenhaus den Blick auf sich. Eine handgemachte Krippe von Schwester Edelberga, die jahrelang als Erzieherin im Neusorger Kindergarten tätig war, hängt über der Eckbank. Darüber eine heilige Familie, darunter ein paar "Mini-Krippen". Selbst in einer Ecke der Sitzbank ist eine Szene eingearbeitet. Der Stall, die Figuren, alles fügt sich. Und noch eine Besonderheit: Maria, Josef und das Jesus-Kind in einer Holz-Laterne. Eindrucksvoll ist auch eine Kastenkrippe an der Wand.

Reinhard Schöffel ist leicht zu beschenken. Mit Krippen. Das wissen inzwischen alle Verwandten und Freunde. Zum 60. Geburtstag bekam er eine dörfliche Krippenlandschaft. Die Kirchenglocke läutet gut hörbar zur Mette, das Mühlrad dreht sich unermüdlich und ein altes Ehepaar sitzt vor seinem Häuschen. Die Frau am Backofen holt die Brote heraus, die Vögel brüten auf dem Stallbalken. Dazwischen das Geschehen um die heilige Nacht.

"Zum ersten Advent stehen all meine Krippen", sagt Schöffel. "Sonst wäre die Zeit zu kurz, wenn ich sie erst an Weihnachten aufstellen würde". Der Weihnachtszeit in der katholischen Kirche angepasst, bleiben die Krippen bis Lichtmess an ihrem Platz. "Die heilige Nacht von Ludwig Thoma ist für mich ein großes Vorbild. Für mich ist das das schönste, was ein Dichter je geschrieben hat." Die tiefe Verinnerlichung des Weihnachtsgeschehens in diesen Zeilen inspirierte ihn, das Geschehen der heiligen Nacht und die Geburt Christi darzustellen. "Das ist mein Leben", so der kunstsinnige Metzger, der gerne klassische Musik hört.

Es gibt Papier-Krippen und Ton-Krippen. Die Glieder mancher Figuren sind beweglich. Sie sind oft liebevoll angekleidet, meist in oberbayerischer Tracht, mit gestrickten Westen, aufwendigen Mänteln, Tüchern und Hüten. Aber auch Figuren aus Kunststoff oder Wachs sind zu bestaunen. Die neueste Errungenschaft ist eine Winterkrippe. Gläserne Eiszapfen hängen vom verschneiten Stalldach. Im Küchenbuffett versteckt sich eine Porzellan-Krippe. Zu Lichtmess verstaut Schöffel seine Krippen wieder behutsam in Kisten. Die Figuren werden in einen Glasschrank gestellt, wo man sie das ganze Jahr sehen kann.

Früher einmal war das Haus für Besucher geöffnet. Das möchte sich der Sammler heute nicht mehr antun. Er bittet dafür um Verständnis.

Jetzt kommst Du schon wieder mit so einem Glump heim.Ein gelegentlich gehörter Vorwurf aus Kinderzeiten
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