Neue Funde am Rauhen Kulm

Neben reichlich verzierter Keramik aus der späten Bronzezeit fanden die Studenten einen silbernen Armreif (oben links) aus dem achten Jahrhundert, der typisch für den Ostsee-Raum ist.
Kultur
Neustadt am Kulm
28.08.2017
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Wieder gibt der Rauhe Kulm einige seiner Geheimnisse preis. Zum Abschluss der diesjährigen Grabungsaktion der Universität Bamberg besuchen der Historische Verein für Oberfranken und der Förderverein Rauher Kulm die Grabungsstelle.

Angeführt von Ausgrabungsleiter Dr. Hans Losert marschierten die Teilnehmer zum Fuße des Basaltkegels und umrundeten diesen auf dem teilweise noch gut erhaltenen Ringwall. Im östlichen Teil wurde auf diesem im letzten Jahrhundert die sogenannte Rollbahn angelegt, um Basaltschotter mit Loren abtransportieren zu können. Hier überraschte der Professor die Gruppe mit der ersten Fundstelle.

"Eigentlich bin ich hier schon oft vorbeigegangen und mir ist nichts aufgefallen. Aber letzte Woche war einer Studentin eine typische Ansammlung von Steinen unterhalb des Walls aufgefallen." Eine oberflächliche Untersuchung ergab, dass es sich hier um ein eingestürztes Hügelgrab aus der Zeit der Kelten handelte. Bis jetzt waren nur zwei Hügelgräber auf der westlichen Seite der Rauhen Kulms bekannt.

Danach wanderte die Gruppe 100 Meter weiter zum ehemaligen Steinbruch. Dort erläuterte Losert zunächst die Entstehungsgeschichte des Rauhen Kulms. Wenige Meter weiter östlich erreichten die Exkursionsteilnehmer die Grabungsstelle. Diese befindet sich am Ringwall, wo im vergangenen Jahrhundert Basaltschotter für den Bau der Eisenbahn abgetragen wurde. Dabei wurde der Wall zerstört. An dieser, für die Wissenschaftler sehr interessanten und aufschlussreichen Stelle erklärte der Experte den Aufbau der Befestigung. Beim Anlegen eines Grabungsschnittes hatten die Archäologen erkannt, dass im Inneren des Walls eine zweifrontige Mauer steckt. An der Außenseite hatten die früheren Erbauer diese durch eine schräge Rampe aus Basaltblöcken gesichert. Auf der Mauer befand sich ein hölzerner Laufgang mit Brustwehr, auf dem sich die Verteidiger schnell bewegen konnten.

Innerhalb dieser nicht einnehmbaren Befestigung befanden sich Holzbauten auf noch bestehenden ebenen Plateaus, die vermutlich aufgrund der Funde im fünften vorchristlichen Jahrhundert auch schon bestanden hatten. Die diesjährige Grabung ergab auch, dass sich an dieser Stelle ein drittes Tor im Ringwall befand. Am Ende der Führung zeigte Dr. Hans Losert einige Beispiele der diesjährigen Funde.

Neben zahlreichen reich verzierten Keramikscherben aus der Bronzezeit (1200 - 800 vor Christi Geburt) hatten die Studenten bei ihrer mühevollen Arbeit auch einen silbernen Armreif aus dem achten Jahrhundert entdeckt. Er hat eine für unsere Region außergewöhnliche Verzierung, die bisher nur aus dem Raum der Ostsee bekannt ist. Dieses belegt, dass schon in früherer Zeit Handelsbeziehungen bis in die baltische Region bestanden.
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