Archäologe Dr. Hans Losert präsentiert Schichtaugenperle - Einziger Fundort in der Nordoberpfalz
Massenware aus Syrien am Kulm

Lokales
Neustadt am Kulm
17.04.2013
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So viele Funde wie in den acht Jahren zuvor nicht haben Dr. Hans Losert und seine Studenten im vergangenen Jahr gezählt. Das lag allerdings nicht daran, dass sie früher am falschen Standort ihre Zelte aufgeschlagen hatten, sondern eher daran, dass es im Verlauf der vierwöchigen Grabungskampagne nur am allerletzten Tag geregnet hat.

So hielt der Privatdozent an der Universität Bamberg am Freitag im Gasthof Purucker fast schon eine Lehrstunde über die unterschiedlichen Epochen und Materialien. Und das vor fachkundigem Publikum, denn viele Heimatforscher wollten sich beim Vortrag des Historischen Vereins für Oberfranken und des Fördervereins Rauher Kulm über die Funde informieren lassen.

Der älteste davon, ein Gerät aus Feuerstein, stammt aus der ausgehenden Altsteinzeit. Aus der Jungsteinzeit, dem Neolithikum, wurden in der Blockhalde Schaber, Kratzer und Pfeilspitzen geborgen. "Das ist ein Hinweis auf Jagd oder Auseinandersetzungen mit anderen Gruppen", wies Losert darauf hin, dass sich der herausragende Berg als Treffpunkt zu etablieren begann.

In der folgenden Bronzezeit - ab 2200 vor Christus - zeigt sich der Platz "schlagartig mit Objekten menschlicher Gegenwart überschwemmt". Mit beispielhaften Bildern demonstrierte Losert die Vielfalt und gute Qualität der Funde aus Ton: "Im vergangenen Jahr hat sich der Bestand an bronzezeitlicher Keramik verdoppelt." Die Scherben sind feinporig-glatt oder ganz grob, verziert mit linearen Mustern, schraffierten Dreiecken und teilweise versehen mit kleinen Henkeln.
Außerdem muss auf dem Berg Metall verarbeitet worden sein. Das macht ein Beil deutlich, das noch nicht fertiggestellt war: Die Gussnähte waren noch nicht verarbeitet und die Schneide nicht geschliffen. Eine Kugelkopfnadel, ein sogenanntes Leitfossil, das genau 100 Jahre früher Adalbert Neischl bereits am Kulm gefunden hatte, ist ebenfalls eindeutig der Bronzezeit zuzuordnen. Auch während des Übergangs von der Hallstatt- zur Latènezeit war der Berg besiedelt, wofür eine Menge Keramikscherben mit gekerbter Oberfläche sprechen.

Enorme zeitliche Lücke

Aus der gleichen Zeit, allerdings von einem ganz anderen Herkunftsort, stammen wahrscheinlich die gefundenen Schichtaugenperlen - eine davon hat sogar einen Durchmesser von drei Zentimetern. In dem Gebiet des heutigen Syrien waren solche Perlen Massenware. Der Rauhe Kulm ist der bislang einzige Fundort in der nördlichen Oberpfalz.

Danach folgt eine enorme zeitliche Lücke in den Funden, und zwar vom 4. Jahrhundert vor Christus bis zum 7. Jahrhundert nach Christus. An eine sogenannte Siedlungsleere von fast 1000 Jahren kann der Archäologe aber kaum glauben.
Die Funde aus der Zeit der Karolinger bieten wieder ein gutes Bild vom Leben auf dem Rauhen Kulm. Nicht nur Metall wurde damals dort verarbeitet, sondern auch Wolle gesponnen. Darauf deuten Spinnwirtel und Schleifsteine in großer Menge hin. Losert kann sich vorstellen, dass eine saisonale Weidewirtschaft mit Schafen und Ziegen betrieben wurde.

Keramik zersetzt sich

Dass der Raum rund um den Berg siedlungsleer war, denkt er nicht: "Denn jede Burg braucht ihre Erbauer und ihre Ernährer". Als Beweis dafür zog er den alten Friedhof in Mockersdorf heran, den er vor zehn Jahren ausgegraben hat. Warum es im Umkreis keine Keramikfunde gibt, erklärte der Referent mit der Landwirtschaft. Durch Dünger und das Umgraben des Bodens zersetzt sich die Keramik in ihre Einzelteile, Kurz notiert
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