Archäologische Ausgrabungen am Rauhen Kulm bringen neue Erkenntnisse - Führung mit Dr. Hans ...
Hügelgräber, Ringwall und Burgtor wecken das Interesse

Zwei Hügelgräber gibt es am Fuße des Rauhen Kulms. Leider wurden diese bereits vor vielen Jahren ausgeplündert. Eines der beiden Gräber wurde von den Studenten heuer gesäubert. Im nächsten Jahr soll hier weiter geforscht werden. Dr. Hans Losert zeigte, wo sich die ehemalige Grabkammer befand.
Lokales
Neustadt am Kulm
03.09.2014
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Der Rauhe Kulm zieht die Menschen magisch an. Bereits seit der Steinzeit wurde diese auffällige Landmarke immer wieder von Menschen aufgesucht. Das bestätigen Ausgrabungen, die seit 2003 von der Universität Bamberg unter Leitung des Archäologen Dr. Hans Losert durchgeführt werden.

Auch heute noch besitzt Deutschlands schönstes Naturwunder 2013 eine große Anziehungskraft. Viele Interessierte folgten deshalb der Einladung des Historischen Vereins für Oberfranken und des Fördervereins Rauher Kulm zu einer Führung zu den Ausgrabungen.

Losert: aktiver Vulkan

Norbert Hübsch, der Geschäftsführer des Historischen Vereins, begrüßte beim ehemaligen Gasthof "Sandberg" die vielen Teilnehmer und stellte den Ausgrabungsleiter Dr. Hans Losert vor. Anschließend marschierte die Gruppe zur ersten Grabungsstelle am östlichen Fuße des Basaltkegels. Dort berichtete Privatdozent Dr. Hans Losert zunächst über die Entstehungsgeschichte des Rauhen Kulms. Entgegen der Aussagen anderer Wissenschaftler ist er der Meinung, dass hier ein aktiver Vulkan tätig war. Dann gab er einen geschichtlichen Überblick über die Besiedlung des Raumes.

"Schon zur Jungsteinzeit war die Kulmregion bewohnt. Zeugnisse wie ein Teil eines Steinbeils oder Feuersteinspitzen, aber auch Fragmente von Keramik belegen dies", berichtete Dr. Losert. Reichliche und vor allem qualitätsvolle Funde gibt es auch aus dem ersten vorchristlichen Jahrtausend, der Zeit der Kelten.

Ein schon bei früheren Grabungen gefundenes Opferbeil aus Bronze zeugt davon, dass dieser Berg auch in den religiösen Vorstellungen der damaligen Menschen eine Rolle gespielt hat. Bis zur Zeit Karls des Großen um 800 nach Christi gibt es keine Fundstücke. Zur Karolingerzeit bevölkerten meist Slawen die "Flednitzregion", wie das Gebiet um dem Rauhen Kulm damals genannt wurde.

1554: Burg wird geschleift

Über die Erbauung der mittelalterlichen Burg auf dem Kulm gibt es keine schriftlichen Quellen. Sie entstand wohl, um Schutz vor den immer wieder einfallenden Ungarn zu finden. 1554 wurde die Burg von den Nürnbergern nach einjähriger Belagerung gründlich geschleift und nie wieder aufgebaut. Im 19. Jahrhundert erlebte der Rauhe Kulm durch einen von Bayreuth aus betriebenen Tourismus eine neue Blüte, die bis zum Ersten Weltkrieg anhielt. In dieser Zeit wurde auch das Ausflugslokal "Sandberg" gebaut.

Am unteren Ringwall, wo im vergangenen Jahrhundert Basaltschotter für den Bau der Eisenbahn ausgebeutet wurde, lag ein Schwerpunkt der diesjährigen Grabung. An dieser für die Wissenschaftler sehr interessanten und aufschlussreichen Stelle erklärte der Experte den Aufbau der Befestigung. Beim Anlegen eines Grabungsschnittes hatten die Archäologen erkannt, dass im Inneren des Walls eine zweifrontige Mauer steckt. An der Außenseite hatten die früheren Erbauer diese durch eine schräge Rampe aus Basaltblöcken gesichert.

Damals uneinnehmbar

Auf der Mauer befand sich ein hölzerner Laufgang mit Brustwehr, auf dem sich die Verteidiger schnell bewegen konnten. Innerhalb dieser nicht einnehmbaren Befestigung befanden sich Holzbauten auf noch bestehenden ebenen Plateaus, die vermutlich aufgrund der Funde im fünften vorchristlichen Jahrhundert auch schon bestanden hatten.
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