28.08.2013 - 00:00 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Außergewöhnliche Grabhügel am Rauhen Kulm bereits ausgeplündert - Geduldsspiel für Studenten Rund 300 Jahre zu spät

Die Archäologen um Dr. Hans Losert waren nicht die ersten, die die beiden Steinkreise am Fuße des Rauhen Kulms entdeckten. Wie der Privatdozent an der Uni Bamberg bei einer Führung erklärte, sind die Grabhügel aus der Frühgeschichte schon im 18. Jahrhundert geplündert worden.

von Autor LYProfil

"Das war damals das Hobby vieler Lehrer und Pfarrer", führte Losert vor den Teilnehmern der Führung aus. Die abgesenkte Mitte verriet die Tat, bevor die Archäologen begannen, einen der Steinkreise freizulegen. Wann genau die Steinkreise mit einem Durchmesser von rund acht Metern zum ersten Mal geöffnet wurden, kann Losert nicht datieren, nur dass die Grabräuber ganze Arbeit leisteten.

Bislang kam bei einen untersuchten Grabhügel nur ein münzgroßes Stück vorgeschichtlicher Tonscherbe zum Vorschein. "Normalerweise waren die Gräber mit vielen Gegenständen des Alltags wie Töpfe und Krüge aber auch mit Schmuck und Waffen ausgestattet", erklärte er. Die Grabhügel waren Einzelgräber für die Angehörigen der Eliten, die in ihrer Festtagstracht beerdigt wurden.

Die Grabhügel könnten aus der Bronzezeit stammen, aus der man schon mehr Gräber dieser Art kennt. Ursprünglich waren die Gräber über den Steinkreisen bis zu zwei Meter hoch mit Erde aufgeschüttet. Die Erde ist durch Erosion im Lauf der Jahrhunderte verschwunden. Die mächtige Grabkammer hat die typische Nord-Süd-Ausrichtung.
Am Rande des Steinfeldes fanden die Studenten fünf verbrannte Menschenknochen. "Ob die Toten nach der Bestattung verbrannt worden sind oder die späten Grabräuber eine Feuerbestattung nachholten, können wir nicht sagen",muss Losert zugeben. Völlig unbekannt waren die Gräber den Denkmalpflegern. Die Steinkreise sind in keinen Listen erfasst. "Es gibt in dieser Region nichts vergleichbares mit einer Steinabdeckung." Laut Losert gebe es die nächsten Grabhügel in Unterfranken.

Losert hatte vor einigen Jahren von den seltsamen Steinkreisen erfahren. Einen durfte er freilegen, auf dem anderen wächst jedoch eine Buche, die er im FFH-Gebiet nicht ohne Genehmigung der Naturschutzbehörde fällen darf. Da er in den ersten beiden Wochen mit über 20 Studenten zum Graben nach Neustadt am Kulm gekommen war, konnten acht seiner Helfer zwei Wochen lang den Steinkreis von den Brombeerbüschen freilegen und mit Besen die Steine abkehren.

Die nächste Sisyphus-Arbeit wartet schon auf die Studenten: Die Steine müssen abgezeichnet werden, damit nach der Dokumentation eine Schicht tiefer gesucht werden kann. Viel Hoffnung, etwas Aufschlussreiches zur Geschichte der Gräber zu finden, hat Losert aber nicht.

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