Dr. Hans Losert gräbt wieder am Rauhen Kulm
Wenn Scherben für Freude sorgen

Lokales
Neustadt am Kulm
23.08.2011
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"Das ist ein fantastischer Fund", freut sich Dr. Hans Losert über ein simples Stück Keramik. Was den Experten an diesem Stück so fasziniert, ist die Verzierung mit Wellenband und Punkten. Der Archäologe kann sie deshalb eindeutig in die karolingische Zeit datieren.

Eine Studentin möchte von Losert wissen, warum er sich so über Funde aus dem frühen Mittelalter freut. Der Privatdozent an der Uni Bamberg erklärt, dass er ein Forschungsprojekt mit einem Kollegen aus Wien hat, das das frühe Mittelalter in der Oberpfalz und den umliegenden Regionen zum Thema hat.

Seit 2003 kommt Losert an den Kulm. Die ersten beiden Jahre grub er in Mockersdorf, danach direkt am Kulm. Immer war es sein Ziel, der Erde die Geheimnisse der Vergangenheit zu entlocken. Auch in diesem Jahr fanden die zehn Studenten, die am Kulm graben, bereits Überreste aus fast allen Epochen. Von der Jungsteinzeit bis zur Neuzeit ist etwas dabei. Besonderes Glück hatte Nadja Fröhlich. Die Studentin fand am Dienstag ein Webschwertchen und ein großes Eisenmesser. "Es ist absolut selten, dass wir hier so etwas finden . . .", staunt und schwärmt Losert.

Freude über Spinnwirtel

Auch über eine Spinnwirtel freut er sich am Mittwoch. Nicht, dass diese selten ist. In dieser Grabungskampagne ist es schon die dritte, die zwischen den Basaltbrocken auftauchte, und in einer vorhergehenden waren es gleich sieben an einem Tag. Aber das Gesamtbild über das Leben in der Vergangenheit am Kulm wird immer deutlicher. Jetzt ist Losert sich sicher, dass die Menschen am Kulm fest siedelten und viele Frauen dort lebten, denn Wollespinnen war eine typische Frauenarbeit. Ein unscheinbares Kreuz auf der Spinnwirtel, die Christiane Henzel fand, verrät die genaue Datierung: das 13. Jahrhundert. Damals hatten die Drehscheiben Radkreuze in der Oberfläche, die sich in der Keramik abdruckten.
Mit solchen Funden und den entsprechenden Erklärungen kann Losert Begeisterung bei den Studenten entfachen. In diesem Jahr sind keine Archäologiestudenten am Kulm. Nadja Fröhlich, Christiane Henzel, David Grüner, Mechthild Bohnert, Andreas Hübner, Leila Reese, Hedwig Drabig, Maria Nitschke und Michaela Winkler sind Studenten des Aufbaustudiengangs Denkmalpflege und haben bereits ein Studium der Kunstgeschichte, Landschaftspflege oder Architektur hinter sich. Die "Intensivwoche Rauher Kulm" ist Pflicht, um die Archäologie kennenzulernen.

Mit dem Wetter ist Losert einigermaßen zufrieden, auch wenn im Schnitt beim Steinbruch am Mittwochmorgen noch das Wasser stand. Rund 20 Meter weiter oben gibt es unterhalb der ehemaligen Burg drei weitere Schnitte. Die Brekzie und die Haselnusssträucher, die wild wuchern, machen das Graben nicht einfach. Nur durch das Sieben eines jeden Eimers Erde kommen die schwarzen Funde zum Vorschein, die sich von den Basaltsteinen kaum unterscheiden.

Immer zur Hilfe bereit

"Wir hoffen noch auf Bearbeitungsspuren auf der Brekzie", so Losert, der der Vorsitzenden des Vereins der Freunde des Rauhen Kulms, Käthe Pühl, erklärt, dass er so abklären könne, ob es sich um eine Pfostenschlitzmauer oder um eine einfache Mauer handelt, die die Gipfelburg schützte. Pühl schaut regelmäßig vorbei und hilft auch mit. Ziemlich sicher ist Losert, dass ein kleines Plateau in diesem Bereich für die Verteidigung eventuell auch mit einer Kanone diente. Auch bei der achten Grabung des Privatdozenten auf dem Rauhen Kulm sind noch Fragen offen und die Funde überraschend.
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