Johanna Walter beigesetzt - Kurz vor Tod noch Gäste in ihrem Wirtshaus bedient
Abschied von Neustädter Urgestein

Lokales
Neustadt am Kulm
18.04.2013
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"Wir glauben an die Auferstehung der Toten und das Leben in der zukünftigen Welt." Mit diesem Glaubenszeugnis verabschiedeten sich am Dienstagnachmittag Pfarrer Dirk Grafe und eine große Trauergemeinde im Friedhof der Kulmstadt von Johanna Walter, einem Neustädter Urgestein, einem großen Menschen, der einfach in Neustadt dazugehörte, wie der evangelische Ortsgeistliche von Wirbenz sagte.

Im 82. Lebensjahr war die gebürtige Neustädterin am vergangenen Donnerstag in ihrem Gasthaus am Marktplatzeingang völlig unerwartet verstorben. "So, wie es sich die Verstorbene wünschte", sagte der Pfarrer in seiner Predigt: "Schnell soll's geh'n." Doch glauben wollte die Todesnachricht keiner so recht. Hatte doch die temperamentvolle Wirtin immer noch einen "pumperlgsunden" Eindruck gemacht und kurz vor ihrem Tod noch den letzten Gast verabschiedet, wie Grafe ebenfalls sagte.

Ein großes Herz

Nach Aussegnung und Verabschiedung vor "ihrem Wirtshaus" und der Beerdigung im Friedhof in Neustadt fand der Trauergottesdienst für Johanna Walter in der Friedhofskirche statt. In seiner Ansprache blickte Pfarrer Dirk Grafe auf einen Menschen zurück, der besonders in seiner Eigenschaft als Gastwirtin den Bürgern mit offenen Armen und großem Herzen, manchmal auch gestreng und eigenwillig, begegnet sei. "Im Wirtshaus hat Johanna Walter wohl oft Seelen massiert, wahrscheinlich mehr als der Pfarrer von Neustadt", mutmaßte Grafe.
Der Gastraum sei nicht nur das Wohnzimmer für die Familie gewesen, sondern ein Ort des Humors, des Lachens, Feierns und Singens, in dem sich jeder Gast wohlgefühlt habe. Pfarrer Dirk Grafe berichtete auch: "Johanna Walter war ein Neustädter Original in einer Gaststätte mit hundertjähriger Tradition." Von den Gästen und von Gott getragen seien für die Verstorbene der Kontakt und ein gutes Verhältnis zu den Menschen eine Lebensphilosophie gewesen. Deshalb habe Johanna Walter in den Herzen vieler Neustädter und Gasthausbesucher einen bleibenden Platz erhalten.

Übergang in anderes Leben

"Nehmen wir in Liebe und Dankbarkeit Abschied beim Übergang in ein anderes Leben", sagte der Seelsorger zum Schluss der Traueransprache. "Oh Welt, ich muss dich lassen", stimmte daraufhin die Gemeinde an, und auf derselben Seite des Gebet- und Gesangbuches tröstete Arthur Schoppenhauer: "Ich glaube, wenn der Tod unsere Augen schließt, wir in einem Lichte stehn, von welchem unser Sonnenlicht nur der Schatten ist."
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