30.08.2010 - 00:00 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Mit zwei weiteren Schnitten entlockt das Grabungs-Team um Dr. Losert dem Kulm neue Geheimnisse Archäologen erobern die Burg

Die 30 Besucher der Ausgrabungsführung, die sich trotz Regens auf den Weg zum Rauhen Kulm machten, wurden mit Sonnenschein belohnt. Pünktlich zu den Ausführungen von Privatdozent Dr. Hans Losert von der Universität Bamberg riss die Wolkendecke auf.

von Autor LYProfil

Die Pfützen zeugten noch von den widrigen Verhältnissen, mit denen die Archäologen in diesem Jahr kämpfen mussten. "So schlimm war es noch nie", stellte Losert bei der Führung des Historischen Vereins für Oberfranken fest.

Trotz des Regens erreichten die Studenten und der Dozent ihr Ziel mit einem Schnitt im Bereich des unteren Walls beim ehemaligen Basaltabbau und einer weiteren Grabung beim oberen Wall. Zusätzlich rekonstruierten sie den Wall im unteren Bereich. Diese Rekonstruktion soll auch künftig stehen bleiben, um den Besuchern die historische Bedeutung näherzubringen.

Bis zur Jungsteinzeit

Bevor Losert auf die aktuellen Grabungen einging, erläuterte er die geschichtlichen Zusammenhänge. Nachdem durch die Funde eine Besiedelung von der Jungsteinzeit bis zum Mittelalter belegt ist, ist auch die Bedeutung des Platzes in mitten der Flednitz, wie Historiker den Landstrich der oberen Haidenaab nennen, sicher. Die ältesten Funde stammen aus der Jungsteinzeit. Das Neolithikum ist zeitlich von 5500 bis 2200 vor Christus einzuordnen.

Massiver Zuwachs

"Wir haben einen massiven Fundzuwachs in der Bronzezeit. Das ist die Zeit, in der die Menschen lernten mit Metall umzugehen", erklärte der Archäologe. Die Zutaten für Bronze fanden die Bewohner im Fichtelgebirge. Die Funde stimmen mit einem Zufallsfund aus den 1990er Jahren überein. Damals kam ein nicht fertiggestelltes Bronzebeil zutage. Das Lappenbeil liegt mittlerweile in der archäologischen Ausstellung in Neustadt am Kulm.

Losert vermutet, dass im vierten Jahrhundert viele Menschen die Region verlassen haben. Er begründete das mit dem Fehlen von Funden aus der Zeit der keltischen Wanderung. Die wurde von einer neuen Blütezeit auf dem Kulm abgelöst. "Die zweite Zeit, die massiv auf dem Kulm vertreten ist, ist die karolingische", fuhr der Privatdozent fort. Damals wurde der Kulm nicht nur militärisch genutzt, auch Frauen und Kinder wohnten auf der Burg, wie der Fund einer Spinnwirtel bezeugt.

Den Bau der Burg sieht Losert als Ergebnis des "Burgenbaugebots" von Kaiser Otto I., der damit die Gefahr durch die Ungarn eindämmen wollte. Der mächtige Wall soll der Beweis sein. Nachgewiesen sind zwei Schlachten mit Ungarn 948 bei Floß und 949 bei Luhe. Der erste in einer Urkunde nachgewiesene Burgherr war im Jahr 1119 Bucco de Culmen, ein Ministeriale der Leuchtenberger.

Beeindruckend groß

Die Wehranlage am Kulm war beeindruckend groß und auch wirksam, denn sie hielt allen Angriffen stand und fiel erst nach einer einjährigen Belagerung im Markgräflerkrieg 1554. Der untere Ringwall war mit einem Bretterweg verbunden und mit Podesten versehen, auf denen sich wahrscheinlich Türme befanden. Die Mauer hatte zwei Fronten. "Wenn wir uns nicht täuschen, war in der Umwehrung keine Siedlung, aber wir haben erstaunlich viele Funde", erklärte Losert, dass sich am Rande des Steinbruchs der Hauptweg zur Oberburg befand.

Die Burg wurde aus Sandstein, Fachwerk und Ziegel gebaut. Beim zweiten Schnitt, den die Archäologen unmittelbar am oberen Wall in einem ehemaligen Turm legten, zeigte Losert, dass die Säulenformation, ähnlich wie sie heute noch am Parkstein besteht, auch am Kulm zu finden war. Allerdings wurde sie hier abgeschlagen, um damit den Wall aufzuschütten. "Das war schiere Angeberei", warf er dem Burgherrn vor. "Kein Angreifer wäre so weit rauf gekommen", bewertete er die meterhohe Mauer.

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