24.03.2017 - 20:10 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Gemeinschaft "Pro Neustadt" macht sich für Rathauspolitik stark Stadtplatz: Situation spitzt sich weiter zu

Die Situation wird immer verworrener. Während die einen Bürgermeister Wolfgang Haberberger und den Stadtrat ob seiner Pläne für die gute Stube auspfeifen und lautstark eine Umplanung fordern, gibt es nun auch eine Gemeinschaft "Pro Neustadt", die den Rathauspolitikern demonstrativ den Rücken stärkt. Vor der Anliegerversammlung am Donnerstag, 30. März, im Sportheim, bei der Zahlen genannt werden sollen, spitzt sich die Situation in der Kulmstadt zu.

von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

In relativ kurzer Zeit ist es der neuen Initiative gelungen, rund 80 Einwohner zu mobilisieren und bei der Stadtratssitzung aufmarschieren zu lassen. "Damit war echt nicht zu rechnen", zeigt sich Tim Preißinger, einer von zwei Sprechern, auch noch Tage nach Sitzung beeindruckt. Mit etwa 30 bis 40 Mitstreitern habe er kalkuliert. Dass etwa doppelt so viele in den Rathaussaal drängten, sei schon eine tolle Sache gewesen.

Im Onetz setzte es nach der Berichterstattung über den Aufmarsch im Rathaus sofort Kommentare. "Was mich an der neuen Bürgergruppe etwas irritiert, sind die vielen Stadtratsangehörigen, die hier zu sehen sind, und man könnte meinen, diese Stadtratssitzung hätte zum Familientreffen eingeladen", kommentierte Barbara Scherl süffisant.

Christa Tschirschnitz, Sprecherin der Initiative der Stadtplatz-Anwohner, sieht in der Neugründung eine Positionierung gegen ihre IG und befürchtet, dass sie vor vollendete Tatsachen gestellt werden soll. "Traurig, wenn jetzt Bürger, die nicht auf dem Marktplatz wohnen und leben müssen, das große Sagen bekommen."

Die Sprecher von "Pro Neustadt" - Preißinger und Michael Walter - betonen, dass sie mit der Initiative keine neuen Fronten aufbauen wollten. "Das ist ganz und gar nicht unsere Intention. Wir wollen vielmehr deutlich machen, dass es in der Kulmstadt nicht nur Kritiker, sondern auch Befürworter der Entscheidungen des Stadtrats gibt." Zuletzt sei in den Medien der Eindruck entstanden, dass ein Großteil der Neustädter gegen die Umgestaltung des Marktplatzes sei. "Das ist nicht der Fall."

Zusammen mit Walter betont Preißinger im Gespräch mit unserer Zeitung, dass der Stadtplatz nur ein wichtiges Thema sei, dem sich die neue Gemeinschaft "Pro Neustadt" widmen wolle. "Genauso wichtig sind uns das Kulmhaus und das neue Baugebiet Kulmblick." Die Gruppierung wolle so bald wie möglich umfassende Informationen aus erster Hand und habe den Bürgermeister um einen Gesprächstermin gebeten, der zugesagt worden sei. Preißinger: "Wir hoffen, dass der Termin in zwei bis drei Wochen zustande kommt."

Eigentlich hatte sich "Pro Neustadt am Kulm" vorgenommen, bis dahin keine öffentlichen Verlautbarung mehr abzugeben. Am Freitagvormittag entschieden sich Preißinger und Walter - nicht zuletzt aufgrund von Kommentaren im Internet - anders. Sie erzählten in einer Telefonkonferenz, wie es zur Gründung der Gemeinschaft gekommen war. Vor etwa vier Wochen seien bei einem Treffen in privater Runde die Weichen für die Gründung gestellt worden.

Laut Preißinger saßen etwa 16 Leute, die sich über die Außendarstellung der Stadt ärgerten, zum Gedankenaustausch zusammen. "Unsere ersten Worte waren, dass dies keine CSU-Veranstaltung ist", betont Preißinger. Der Hinweis kam nicht von ungefähr. Preißinger ist zweiter Vorsitzender der CSU und Sohn eines CSU-Stadtrats. Sein Kollege Walter ist in der Partei Beisitzer und Schwiegersohn einer Stadträtin. "Es geht uns um keine Partei, sondern um die Zukunft von Neustadt am Kulm." Jeder Teilnehmer am ersten Treffen habe den Auftrag bekommen, ein paar Gleichgesinnte zur nächsten Stadtratssitzung mitzubringen, was auch gelungen sei. "Und darunter waren auch Anwohner des Stadtplatzes", was Walter und Preißinger wichtig ist.

Für Bürgermeister Haberberger kam der Auftritt im Stadtrat nicht überraschend. Ihn hätten vorher mehrfach Bürger gesagt, dass sie "was machen wollten". Haberberger: "Bei uns gibt es eine schweigende Mehrheit. Von diesen Bürgern haben sich nun Leute aufgerafft, etwas zu unternehmen." Er hofft, dass sich die Gemüter nach der Versammlung am Donnerstag, wenn die Zahlen auf den Tisch kommen, wieder beruhigen. "Es ist nicht schön, in ein Projekt so viel Zeit und Mühe zu investieren und dann ständig abgewatscht zu werden." Da es am Donnerstag um Grundstücksangelegenheiten geht, sind zur Versammlung nur die Besitzer der Marktplatzhäuser sowie deren Angehörige zugelassen.

Bei uns gibt es eine schweigende Mehrheit. Von diesen Bürgern haben sich nun Leute aufgerafft, etwas zu unternehmen."Bürgermeister Wolfgang Haberberger
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