11.01.2017 - 17:16 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Interessengemeinschaft Neustadt am Kulm wehrt sich Marktplatz nicht verschandeln

Schon zum dritten Mal in Folge mussten die Neustädter Stadträte am Dienstagabend einen Spießrutenlauf erdulden, um zur monatlichen Stadtratssitzung zu gelangen. Am Eingang zum Rathaus empfingen sie erneut die Mitglieder der Interessengemeinschaft für den Erhalt des Marktplatzes der Ackerbürgerstadt Neustadt am Kulm (IG) mit einem gellenden Pfeifkonzert.

Trotz eisiger Kälte fanden sich zirka 75 Demonstranten ein, um für den Erhalt ihres Marktplatzes zu demonstrieren. Ein Großteil der Forderungen war auf den mitgebrachten Schildern zu lesen. Bild: ow
von Autor OWProfil

(ow) Laut Anweisung vom Landratsamt musste diesmal aber ein Korridor am Bürgersteig rechts vom Rathauseingang freigehalten werden. So sollte sichergestellt werden, dass die Mitglieder des Stadtrats sicher das Gebäude betreten konnten. Einige Räte entgingen dieser Tortur, indem sie früher als sonst zum Sitzungssaal strebten.

Mit den Demonstrationen will die IG ihren Unwillen zur geplanten Neugestaltung des Marktplatzes kundtun. Dabei erhoffen sie sich Hilfe von oben. Deshalb baten sie kürzlich in einem Brief den Vorsitzenden des Landesdenkmalrates, Dr. Thomas Goppel, um Unterstützung zum Erhalt des Kulturerbes "Ackerbürgerstadt". Unter großem Beifall der Demonstranten verlas die Sprecherin der IG, Christa Tschirschnitz, dieses Anschreiben.

Die Verfasser teilten damit dem obersten Denkmalschützer in Bayern ihre Sorge mit, dass ihr historisch gewachsenes Ortszentrum mit der geplanten Umgestaltung vollkommen zerstört werde. Das Urkataster sowie Fotos aus der Jahrhundertwende vom 18. ins 19. Jahrhundert beweisen, dass in der Vergangenheit die Grundstruktur des Marktplatzes nie vollkommen verändert wurde. Kritik übten sie in dem Brief auch an dem Sieger des Architektenwettbewerbs aus dem fernen Hamburg, der diesen historischen Bestand nicht ausreichend analysiert habe und keine angemessene konstruktive Lösungen präsentieren könne.

Den Architektenwettbewerb kritisierte auch Hermann Pühl in seiner Rede. Eine mehrheitlich ortsfremde Jury hatte entschieden, wer der Sieger war. Dieses nicht mit den örtlichen Verhältnissen vertraute Architekturbüro musste dann auch mit der Planung beauftragt werden. Dem Stadtrat warf der Redner vor, dass regelmäßige Infoveranstaltungen angekündigt waren und es zwei Jahre abgelehnt worden sei, mit den Anliegern zu sprechen. In den Workshops habe nur die ungewollte Umgestaltung durchgesetzt werden sollen.

Fatal ist es laut Pühl, sich auf Meinungen und Urteile von Leuten zu verlassen, die weder am Marktplatz noch in Neustadt wohnen. Sie hätten keinerlei Bezug zur Region, geschweige denn zu Neustadt und schon gar nicht zum Marktplatz. (Hintergrund)

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