05.10.2017 - 18:16 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Marktplatz Neustadt am Kulm Kompromiss abgesagt

"Kompromiss" war das häufigst verwendete Wort, als der Neustädter Stadtrat einen neuen Planentwurf für die Marktplatzsanierung beschloss. Die Interessengemeinschaft der Marktplatz-Anwohner will von Kompromiss nichts wissen.

Blick auf die Sommerseite des Marktplatzes in Neustadt. Bild: Götz
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Auch in der neuen Runde der Auseinandersetzung um den Marktplatz geht es um Misstrauen und um den Vorwurf der IG Vertreter, nicht eingebunden zu werden. Vor allem geht es um den Verlauf der Kreisstraße auf dem Platz. Die IG-Vertreter beharren, der derzeitige Straßenverlauf sei "nicht zu verbessern". Bürgermeister Wolfgang Haberberger verweist darauf, dass der nun vorgelegte Plan von Vertretern übergeordneter Behörden "nicht nur angeregt, sondern sogar gefordert" wurde. Der Vorschlag der IG sei bei den Behörden durchgefallen. Als die Stadtratsmehrheit am 26. September den neuen Plan beschlossen, taten sie dies im Glauben den IG-Vorstellungen entgegenzukommen.

IG-Sprecher Jürgen Kopp versteht das nicht. Der Straßenverlauf habe sich im Vergleich zum vorherigen Vorschlag des Stadtrats kaum geändert. "Heute läuft die Straße wie ein natürlicher Bach über den Platz", zieht Kopp einen Vergleich. Nun soll der Lauf "mit Gewalt" verändert werden. Vor allem die Lebensqualität seiner Familie würde dies beeinträchtigten. Autos aus Oberbibrach fahren künftig direkt auf sein Haus zu, um dann weniger als zehn Meter vor der Haustür durch die Rechtskurve Richtung Osten weiter zu fahren. "Scheinwerferlicht wird auf mein Haus fallen." Er mache sich zudem Sorgen, dass ein Autofahrer einmal die Kurve nicht schafft. "Bis die Bagger rollen, werde ich gegen die Straßenführung kämpfen."

Denn die ganze Anwohnerschaft würde Lebensqualität verlieren. "Vor allem auf der Winterseite rückt der Verkehr näher an die Häuser: "Wer freut sich, wenn eine Kreisstraße näher kommt?", fragt Kopp. Wie Haberberger erwähnt auch er, dass die Behördenvertreter den IG-Plan als "nicht förderfähig" abgelehnt haben. "Für eine Förderung müssen eine deutlichere Verbesserung für die Anwohner erreicht werden. Der neue Plan ist keine Verbesserung."

Dies sieht Haberberger anders. Allen könne man ein solches Projekt ohnehin nicht Recht machen Der Plan sei mit den Behörden abgestimmt. "Als nächstes werden Kosten berechnet und Genehmigungen eingeholt. Es sollen auch Musterflächen für die Gehsteig- und Platzbeläge am Marktplatz gebaut werden. Wir benötigen vor allem die Förderzusage der Regierung. Der Förderantrag samt Kosten muss dann auch noch einmal durch den Stadtrat."

Die Hoffnung der IG liegt bei Landrat Andreas Meier. Der habe zugesichert, dass es eine Verlegung der Kreisstraße nicht geben soll, wenn die Anwohner dagegen sind. An dieses Versprechen will die IG ihn erinnern. Außerdem fordert die IG, besser eingebunden zu werden. "Uns wurde beim Treffen mit den Behörden weitere Besprechungstermine zugesagt. Jetzt stellt uns der Stadtrat wieder vor vollendete Tatsachen", sagt Kopp.

Erst am Tag vor der Sitzung habe die IG den Plan erhalten, aber ohne Bemaßung und Legende. Auch auf Nachfrage verweigert der Bürgermeister diese Angaben, "weil diese Details noch mit dem Ingenieurbüro abgestimmt werden müssen, das die Kanalsanierung plant. "Auf dem Plan im Stadtrat waren die Details zu sehen. Kopp sagt, dass diese fehlenden Infos für Misstrauen sorgen. Haberberger gibt sich dagegen ratlos: "Was will man eigentlich mit diesen Maßen? Nachrechnen, ob sie stimmen? Oder wieder nur Stimmungen gegen die Planung anheizen?" Der Marktplatz sei im Eigentum der Stadt, bei ihr liege auch das Planungsrecht.

Bei dieser schlechten Stimmung geht ein Zeichen der Hoffnung beinahe unter: Lob der IG für den Stadtrat: Bei der Ausweisung verschiedener Flächen als öffentlich Platz sei der Stadtrat den Forderungen der Anwohner sehr entgegenkommen. "Das muss man bei aller Kritik tatsächlich so sagen", erklärt Kopp.

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