Stadtrat Neustadt am Kulm
Künftig in zwei Kanälen

Die Planung für den neuen Oberflächenkanal mit möglichen Stauräumen (gelb markiert). Der Planer legte der Skizze schon den neugestalteten Markplatz zugrunde. Bild: hfz
Politik
Neustadt am Kulm
17.12.2016
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Trotz des Widerstands der Anwohner: Der Stadtrat in Neustadt am Kulm treibt den Umbau des Markplatzes voran. Der soll auch dazu beitragen, die Sanierung des Kanalsystems möglich und günstiger zu machen.

Unter dem Eindruck demonstrierender Markplatzanwohner (wir berichteten) stellte Michael Wagner vom Ingenieurbüro Schultes dem Stadtrat die Ergebnisse einer Voruntersuchung zur getrennten Abführung des Oberflächenwassers vor. Im Zuge der Marktplatzgestaltung soll der marode Oberflächenkanal samt Zuleitungen und Schächten erneuert werden.

Wagner berichtete, dass die Einleitung des Oberflächenwassers im Mischkanal zu Anstauungen, an einem Punkt sogar zum Überstau im Mischkanal führen könnte. Eine Trennung der Entwässerungssysteme sei deshalb sinnvoll. Wagner stellte eine mögliche Trassenführung des neuen Kanals vor. Das Wasser soll in zwei Strängen bei der Holleslohe, dem tiefsten Punkt des Marktplatzes, zusammengeführt werden. Dabei ist entweder ein Stauraumkanal oder ein Stauraumbecken oder im südlichen Bereich hinter dem Marktplatz als offener Stauraum nötig. Stadtrat Manfred Rix äußerte Bedenken, dass dieses Oberflächenwasser Überschwemmungen in Filchendorf begünstigen könnte. Dies sah der Planer anders: "Diese Planung ist mit dem Wasserwirtschaftsamt besprochen. Das Amt ist dazu sehr positiv eingestellt." Für die nötige wasserrechtliche Erlaubnis würde die Planung auf solche Gefahren für andere Gebiete ohnehin überprüft. Die Gesamtkosten der Oberflächenentwässerung gab Wagner mit "etwa 590 000 Euro" an. Er gehe davon aus, dass "Synergieeffekte im Zuge der Marktplatzgestaltung", die Kosten noch senken können.

Der Stadtrat war sich einig, eine die Trennung der Abwassersysteme anzugehen. Der Marktplatz soll die technischen und wasserrechtlichen Anforderungen für die nächsten 50 Jahre erfüllen. Die Räte waren sich einig, dass der Kämmerer in der nächsten Sitzung erklären soll, wie das Trennsystem finanziert und umgelegt werden muss.

Neuer Marktplatz für 6,6 Millionen EuroArchitekt Felix Holzapfel-Herziger präsentierte den Räten die Kostenberechnungen für den Marktplatz. Diese dient auch als Grundlage für die Städtebauförderung. 400 000 Euro hat der Planer für Bauwerke und Technische Anlagen veranschlagt, dazu zählt ein Multifunktionsgebäude mit Infostation und öffentlichen Toiletten. Für Erdbewegung rechnet der Architekt 284 385 Euro ein, 2.2362 Millionen Euro für Straßen, Wege, Plätze . 211 280 Euro sollen Baukonstruktionen (Treppen, Mauern) kosten, 715 890 Euro Beleuchtung, Oberflächenentwässerung, Wasserbecken u.a. 260 300 Euro sind geplant für Spielplätze, Sitzbänke, Pumpen. 210 342 Euro kalkuliert er für Pflanz- und Saatflächen (Bäume, Sträucher, Rasenflächen mit Pflegekosten für das erste Jahr), 417 990 Euro für sonstige Außenanlagen.

Inklusive Nebenkosten summiert sich der Aufwand auf 6,653 Millionen Euro mit Mehrwertsteuer. Die Kosten seien nahezu vollständig förderfähig, der Zuschuss soll bei 60 bis 80 Prozent liegen. Diese gelte auch für die Oberflächenentwässerung, für die der Planer 233 000 Euro einrechnet. Dabei geht es um den Anschluss der Dachrinnen, der Gehsteig- und Straßenentwässerung und der Sinkkästen. Holzapfel-Herziger erklärte, dass nur ein Teil auf die Anwohner umgelegt wird. Der Betrag lasse sich bis Ende Januar nennen.

In der Diskussion klärten die Räte, dass ein Antrag bedeutet, dass die bisherige Planung zumindest grob umgesetzt werden muss. Eine Neuplanung könne den Ausstieg aus der Städtebauförderung bedeuten, erklärte Bürgermeister Wolfgang Haberberger. Er wies daraufhin, dass Positionen noch geändert werden können. Der Planer betonte, dass er großzügig kalkuliert habe, um mit den tatsächlichen Kosten keine Überraschung zu erleben. Um die erwarteten 2 Millionen Euro zu sichern, plädierten die meisten Räte dafür, den Antrag einzureichen. Mit 11:2 Stimmen fiel diese Entscheidung.
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