Demonstranten wollen "ihr" Neustadt behalten
Anwohner wehren sich lautstark

Ein Großteil der Marktplatz-Anwohner lehnt die geplante Neugestaltung ab. Ihren Unwillen darüber zeigten sie mit einem Fackelzug, der von Christa Tschirschnitz (links) und Georg Doreth (rechts) angeführt wurde. Bilder: ow (2)
Vermischtes
Neustadt am Kulm
15.12.2016
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Mit einem Fackelzug und einem gellenden Pfeifkonzert betonte am Dienstag die Interessengemeinschaft für den Erhalt des Marktplatzes der Ackerbürgerstadt Neustadt am Kulm (IG) ihre Wünsche zur geplanten Sanierung des Marktplatzes.

(ow) Eine Stunde vor der am Abend angesetzten Stadtratssitzung trafen sich circa 50 Demonstranten am Anwesen Doreth und marschierten mit ihren Transparenten entlang der Sommerseite bis zum Kriegerdenkmal und dann zum Rathaus. Auch akustisch machten sie sich dabei mit Trillerpfeifen und Tröten bemerkbar. An der Lautstärke des Pfeifkonzertes konnte man wenig später die Beliebtheit der einzelnen eintreffenden Stadträte bei den Demonstranten erkennen. Bei einigen wenigen wurde sogar geklatscht.

Zur anschließenden Kundgebung vor dem Rathaus war die Demonstrantenschar, ähnlich wie vor drei Wochen, auf circa 100 Personen angewachsen. Zunächst verlas Christa Tschirschnitz einen Brief, den die IG kürzlich an das Sachgebiet 34 - Städtebau der Regierung der Oberpfalz - gesendet hatte. Die IG erklärt darin, warum möglichst wenig beim Projekt Marktplatz verändert werden soll. Das Kulturerbe "Ackerbürgerstadt" soll so authentisch wie möglich bleiben und die unzähligen Baudetails sollen bewahrt werden.

Die Verkehrs- und Platzsituation habe sich im Laufe der Jahrhunderte so entwickelt, weil es der kürzeste Weg von den jeweiligen Anwesen zu den Ortsausgängen war. Die jetzigen Grünanlagen seien an Plätzen errichtet, wo sich früher die "Hüllen" (Wasserstellen) befanden. Die völlig intakte historische Einteilung ist laut IG keine Last, sondern bietet die einmalige Chance, das alte gewachsene Ortsbild zu erhalten. Damit identifizieren sich fast alle Anwohner am Marktplatz, und sie wollen es sich nicht gefallen lassen, dass ihnen alles weggenommen wird, verkündete Tschirschnitz. Mit einem donnernden Applaus signalisierten die Umstehenden ihre Zustimmung.

Nach einem weiteren Pfeifkonzert griff Hermann Pühl das städtische Gremium an. Er warf den Verantwortlichen vor, leichtfertig einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben zu haben, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass einer der Preisträger dann auch für die Planung beauftragt werden muss. Eine mehrheitlich ortsfremde Jury hatte dann auch noch die Sieger bestimmt. Kritik übte der Redner an der Informationspolitik der Gemeinde. Es wurden regelmäßige Informationsversammlungen angekündigt, aber seit zwei Jahren werden Gespräche mit der IG abgelehnt. Auch wurde seitens der Gemeinde keine der IG-Versammlungen besucht. Die Workshops waren dem Redner nach nur Veranstaltungen, um die ungewollte Umgestaltung durchzusetzen. Den Räten rief er zu, sie seien die Vertreter der Bürger und nicht die der Obrigkeit. Sie sollten die Bedürfnisse Neustadts und die Wünsche und Vorstellungen der Anwohner gegenüber den Ämtern vertreten. Anschließend wiederholte er unter lautem Beifall bekannte Forderungen der IG wie: "Sanierung statt Umgestaltung", "Bewahrung statt Verschandelung" oder "Marktplatz statt Stadtpark".
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