18.01.2018 - 18:14 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Erika Passons Passion Eine Igel-Mama berichtet

Vor knapp 20 Jahren hat Erika Passon ihr Herz an einen Igel verloren. Derzeit leben 51 Tiere bei ihr. "Bei Igeln kann ich nicht Nein sagen."

Einer der Schützlinge von Erika Passons. 52 Tiere betreut sie aktuell. Bild: Lukas Meister
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Scheckenhof. Igel sind Sympathieträger- und doch in Gefahr. Erstmals tauchen die Tiere auf der Vorwarnliste der gefährdeten Tiere in Bayern auf: Erika Passon trägt daran keine Schuld - im Gegenteil. Die 61-Jährige kümmert sich seit bald 20 Jahren um "gestrandete" Igel. Mindestens 360 Tiere hat sie seither betreut, derzeit sind es 51. "Eben hat mich eine Frau aus Windischeschenbach angerufen, die einen von der Straße gerettet hat. Das wird Nummer 52", sagt Passon am Donnerstag.

Trotz der großen Zahl stellt auch Passon fest, dass die Tiere seltener werden. "Man sieht sie weniger. Das höre ich in Gesprächen immer wieder", berichtet sie. Über die Gründe kann sie nur spekulieren. "Felder und Wiesen werden mit mehr Chemie behandelt." Auch in Gärten werde zu viel auf "Ordnung und Sauberkeit" geachtet. Pflanzenschutzmittel und fehlende Rückzugsräume treffen die Säugetiere hier besonders. "Der Igel sucht die Nähe zum Menschen." In Gärten fühle er sich eigentlich wohl.

Mit einem im Garten gefundenen Igel ging es auch für Passon los: "Ich hatte keine Ahnung." Jutta Böhm, die Leiterin des Weidener Tierheims, habe ihr Tipps gegeben. Inzwischen ist Passon selbst Expertin, steht als Ratgeberin zur Verfügung, nimmt aber auch jedes Tier auf, das man ihr bringt. "Ich kann einfach nicht anders." Im Frühjahr, Ende April Anfang Mai, bringt sie die Tiere zurück in die Natur - und zwar wenn möglich dorthin, wo sie herkommen.

Das sorgt inzwischen für weite Fahrten. Tierfreunde aus der gesamten nördlichen Oberpfalz und aus Oberfranken bringen Passon Fundigel nach Scheckenhof. "Das Frühjahr ist für mich die stressigste Zeit." Wenn die Igel im März nach dem Winterschlaf aufwachen, haben sie 200 Gramm Gewicht verloren. Dann brauchen sie Pflege und Fressen. Für Passon bedeutet dies Arbeit und Ausgaben. Die Tierfreundin freut sich deshalb über Spenden. Es müsse kein Geld sein. "Ich brauche zum Beispiel viele Küchentücher." Auch Katzenfutter nimmt Passon gerne. Allerdings nicht das billige. Igel sind Feinschmecker.

Tipps für Igelfreunde

Wer Igeln etwas Gutes tun will, stellt im Frühjahr und im Herbst Katzenfutter in den Garten. Im Sommer brauchen die Tiere Wasser. Kleine Fundtiere lieben es warm, sie freuen sich über eine Wärmflasche. "Es ist falsch, sie in kalten Räumen zu halten, weil es draußen kalt ist", sagt Erika Passon. Nur ausgewachsene Igel halten Winterschlaf.

Wichtig ist zudem die Ernährung: "Igel brauchen Fleisch." Mit Obst und Gemüse können sie nichts anfangen. Manche Igel fressen Ei, angedünstetes Hackfleisch kommt ebenfalls an. Wichtig sei außerdem, dass Igel unbegrenzt fressen können, um Reserven aufzubauen.

Wer den Tieren das Überwintern erleichtern will, lässt im Garten Laubhaufen liegen. Darin sollten sich auch Äste befinden, damit sich die Tiere Höhlen anlegen können. "Reines Laub wird von Schnee und Regen zermatscht, darin kann kein Igel überwintern", sagt Passon. Rückfragen unter Telefon 09648/206. Außerdem sucht sie passende Gärten, in dem sie im Frühjahr die Tiere aussetzen kann. (wüw)

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