10.07.2017 - 17:12 Uhr
Neustadt am KulmOberpfalz

Luther-Zoigl in Neustadt am Kulm Gallisches Dorf in der Oberpfalz

Das Reformationsjubiläum zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags ist auch in Neustadt am Kulm angekommen. Die evangelische Kirchengemeinde hatte zum "Luther-Zoigl" geladen.

Voll besetzt war der Saal der Gastwirtschaft Burucker zum "Luther-Zoigl", zu dem die evangelische Kirchengemeinde geladen hatte. Musikalisch ausgestaltet wurde die Veranstaltung von den Weinwallfahrern (hinten) und der Männerchorgemeinschaft Kulmianer Neustadt am Kulm und Trabitz. Bilder: ww
von Werner WalterProfil

Die Chorgemeinschaft der Männergesangvereine Kulmianer Neustadt am Kulm und Trabitz sowie die Weinwallfahrer hatten in den Saal der Gastwirtschaft Burucker gebeten. Auch das von Udo Wenzel aus Filchendorf gestaltete "Reformationskreuz" mit den Namen der fünf Kirchengemeinden der Kulmregion und der "Lutherrose" war dabei.

Mit dem Lied "Wir gratulieren" eröffnete die Chorgemeinschaft der Männergesangvereine Kulmianer unter Leitung von Konrad Dippel den Zoiglabend. "Wir gratulieren hier in Neustadt am Kulm Martin Luther zu dessen 95 Thesen. 500 Jahre danach gibt es in der Oberpfalz eine kleine Stadt, die der katholischen Umgebung trotzt wie das bekannte gallische Dorf", sagte Pfarrer Hartmut Klausfelder.

Nachdem im Hause Luther immer Gäste waren und sie von Luthers Frau Käthe stets hervorragend versorgt wurden, sind von diesen Gastmahlen zahlreiche "Tischreden" des Reformators überliefert. Professor Dr. Dr. Reinhold Friedrich aus Erlangen hielt dann eine teilweise sehr amüsante und kurzweilige Tischrede. Die Besucher erfuhren, dass es dabei nicht nur um theologische Fachdiskussionen ging, sondern auch um das "normale" Leben. Wenn sich im Hause Luther die Familie am Tisch versammelte, um das üppige Mahl einzunehmen, gesellten sich Verwandte, Studenten, Freunde und Reisende als Gäste hinzu.

Auch Luthers "Hausstand" kam in der Tischrede Friedrichs vor. Beispielsweise führte Luthers Frau den großen Haushalt und kümmerte sich außerdem um Gärten, Äcker, Viehhaltung und Bierbrauen und hatte circa 30 Tischgenossen zu versorgen.

Die Zoigl-Gäste erfuhren auch, dass nicht alle Luther zugerechneten Nachschriften der Tischreden unbedingt von ihm stammen. Luther maß der Musik wie der Theologie höchste Bedeutung für das Seelenheil zu, weil sie "den Teufeln zuwider und unerträglich sei" und solches vermag, was nur die Theologie sonst schafft, nämlich die Ruhe und ein fröhliches Gemüt. Nach Luther könne die Welt ohne Frauen nicht bestehen, selbst wenn Männer Kinder bekämen. Allerdings wurde auch behauptet, dass Männer mehr Verstand als Frauen hätten. Mit den Worten "Wer jetzt nicht liebt Zoigl, Wein, Brotzeit und Gesang, bleibt ein Narr ein Leben lang" und dem Lied der Männerchorgemeinschaft "Ein Prost mit harmonischem Klange" ging es zum gemütlichen Teil über.

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